Michael Schmitzer und Fabian Ferber fordern die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Wer Michael Schmitzer fragt, von welchen Ausbildungsberufen er abrät, bekommt eine klare Antwort: „Teilezurichter und Fachkraft Lagerlogistik.“ Sie seien, wie andere zweijährige Ausbildungsgänge, ein Weg in die Sackgasse, weil der Übergang in eine dreieinhalbjährige Lehre und damit auch der Weg zum Meister verbaut sei. Michael Schmitzer ist Ressortleiter der Jungen IG Metall. Er kämpft wie viele seiner hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kollegen für die Stärkung und die Modernisierung der betrieblichen Ausbildung.



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Unternehmen verunsichert

Zusammen mit IG Metall Jugendsekretär Fabian Ferber informierte der 34-Jährige bei einem Besuch in Lüdenscheid über die Lage von Auszubildenden in der Metallindustrie. Die radikalen Umbrüche, die die Digitalisierung der Arbeitswelt mit sich bringe, stelle viele Unternehmen vor Probleme. „Sie wissen nicht was kommt, warten ab und fahren ihre Anstrengungen in der Ausbildung zurück“, sagt Michael Schmitzer. Das führe nicht nur zu Qualitätsverlusten in der Ausbildung, sondern nehme auch vielen jungen Leuten die Chance, eine qualifizierte Ausbildung zu absolvieren. „Ein ganzer Jahrgang, das sind bundesweit 560.000 junge Menschen, wird vor erhebliche Probleme gestellt.“

Berufsschulen hinken hinterher

Verschärft werde die Entwicklung noch durch die Berufsschulen. Sie seien nicht in der Lage, mit dem technischen Fortschritt mitzuhalten. „Es fehlt an den notwendigen Mitteln für die technische Ausstattung.“ Hinzu komme ein deutlicher Mangel an Lehrkräften. „Die Lerninhalte, die in den Berufsschulen vermittelt werden, und die Anforderungen, die die Betriebe an die jungen Menschen stellen, driften immer weiter auseinander.“

Kooperationsverbot aufheben

Geld vom Bund könne die Lage an den Berufsschulen verbessern. „Das wird aber leider durch das sogenannte Kooperationsverbot verhindert. Es schränkt die Zusammenarbeit von Bund und Ländern bei der Bildung erheblich ein.“ Für Fabian Ferber ist dieses Verbot ein „fauler Kompromiss“ aus der Zeit der ersten Großen Koalition. „Es muss weg“.

Helfen könnte auch die versprochene Novellierung des Berufsbildungsgesetzes. Hier sperre sind Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Kompetenzen zusammenfassen

„Wir müssen weg von der prozessorientierten Ausbildung hin zur entwicklungsorientierten Ausbildung“, fordern die beiden Gewerkschafter. „Wir haben zu viele Ausbildungsberufe.“ Kompetenzen müssten zusammengefasst werden. Auch Azubis brauchten den Blick aufs große Ganze im Unternehmen.

Psychische Belastung steigt

Die aktuelle Entwicklung führe dagegen zu immer stärkeren psychischen Belastungen bei Auszubildenden. Das zeige sich an steigenden Abbrecherquoten. In der Metall- und Eisenindustrie liege diese Quote bei etwa 20 Prozent. In anderen Branchen sei die Zahl der Abbrecher deutlich höher.

Fabian Ferber wirbt für die Arbeit in den Jugendvertretungen in den Betrieben. In den Unternehmen, in denen sich junge Leute für die Belange ihrer Altersgenossen einsetzten, liege der Zufriedenheitsgrad während der Ausbildung deutlich höher als in Betrieben, in denen dieser gewerkschaftliche Rückhalt nicht in diesem Maße vorhanden sein.

Bundesweiter Spitzenplatz

Die Arbeit der IG Metall im Märkischen Kreis sei in dieser Hinsicht vorbildlich. In über 70 Unternehmen kümmerten sich Jugendvertretungen um Ausbildungsfragen und arbeitsrechtliche Aspekte. Das habe der Region bundesweit einen Spitzenplatz verschafft, bestätigte Michael Schmitzer. „Sie liegt damit in den Top 5.“

 

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