Martin Fromme im Lüdenscheider Kulturhaus. Foto: Straub

Lüdenscheid. Anlässlich der Lüdenscheider Kleinkunsttage trat der Kabarettist Martin Fromme im Kulturhaus auf. Der Auftritt fand im Foyer das Kulturhauses statt und war mit ca. 125 Besuchern eher mäßig besucht.

„Behinderung“ als Unterhaltungsfaktor

Martin Fromme ist selbst behindert und macht diese Behinderung zum Thema seines Auftrittes.
Dabei belässt er es aber nicht. Nein, er nimmt andere Behinderte, zu denen seiner Meinung nach auch Übergewichtige und Hartz4-Empfänger gehören, ebenfalls aufs Korn. Auch Rollstuhlfahrer, wie unser Finanzminister Herr Schäuble, „bekommen ihr Fett weg“. Was man angesichts der Tatsache, dass Martin Fromme eigentlich nichts fehlt, außer einem halben linken Arm doch eher verwundert. Das muss man mögen und verstehen, dass es für ihn Intention ist, sich in der Öffentlichkeit des Themas „Behinderung“ ohne Berührungsängste anzunehmen.

Respekt und Wertschätzung? Fehlanzeige

Mir fehlt dabei jedoch in diesem Programm ganz einfach der Respekt und die Wertschätzung und der Zuschauer an sich, ist wahrscheinlich in vielen Teilen diese Programmes schlichtweg überfordert. Man hat als normaler Bürger in Deutschland gelernt, auf Behinderung Rücksicht zu nehmen, behinderte Menschen zu unterstützen und ihre Behinderung nicht zum Thema des Gespräches zu machen, wenn es nicht direkt von ihnen selbst kommt. Sie einfach zu integrieren, was ja auch nicht schwer ist, wenn man den Menschen an sich als einzigartig und wertvoll ansieht, egal, ob er behindert ist oder nicht. Mit dieser Art der Rücksichtnahme und des Miteinander-Lebens räumt Martin Fromme jedoch radikal auf.

Keine Tabus

Er kennt keine Tabus und schockt daher bisweilen mehr, als dass er lustig ist. Ob das der richtige Weg ist, Berührungsängste abzubauen, kann man dahin stellen. Der Sinn von zuviel Bloßstellen und zu laxem Umgehen mit einem Thema, das für viele nach wie vor eher schwierig ist, bleibt dabei offen. Hier wird jedenfalls eher mit der Holzhammermethode gearbeitet. Etwas, was für Martin Fromme eine therapeutische Wirkung haben mag, für Menschen mit Behinderungen im allgemeinen jedoch eher nicht. Was man vielleicht auch daran sehen konnte, dass man diese Menschen vergebens unter den Zuschauern suchte.

 

 

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