Sechs Ausnahme-Wissenschaftler battelten sich um eine Trophäe. Der "Goldene Hirn(H)eimer" der Künstlerin Claudia Bäcker-Kirmse war heiß begehrt! Fotos: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Marian Heuser hatte seinen Hut vergessen. Das war das erste Highlight des Abends im Kulturhaus. Denn so hatten ihn die meisten seiner Fans noch nie gesehen. Der Applaus für den „neuen“ Marian war frenetisch und zeigte, das ihn seine Fans wohl auch lieben würden, wenn er in Badehose moderiert. An diesem Abend präsentierte Marian seinen jährlichen Sience-Slam gemeinsam mit einer Riege hochkarätiger Wissenschaftler.

Sechs Vorträge warteten darauf, vom Publikum bewertet und bepunktet zu werden.

Mit Vorurteilen aufräumen

Evolution muss nichts mit Logik zu tun Haben. Dr. Harald Kullmann wusste Anschauliches zu berichten

Die Entscheidung fiel diesmal besonders schwer, die Kandidaten für den „Goldenen Hirn(H)eimer machten es der Jury nicht leicht. Gut waren sie nämlich alle und so unterschiedlich, wie kaum jemals zuvor. Den Anfang machte der Evolutionswissenschaftler Dr. Harald Kullmann. Er räumte mit ein paar Vorurteilen bezüglich von Sinn und Unsinn der Evolution auf und bewies letztendlich, dass Evolution, eigentlich weder sinnvoll, noch besonders logisch daher kommt.

Die Welt der Kleinstlebewesen

Julia Schnetzer ist sehr engagiert im Umweltschutz.

Nach ihm betrat die Ozeanografien Julia Schnetzer die Bühne. Sie hatte das Publikum bereits im Jahr davor mit leuchtenden Meeresbakterien verzaubert und nahm auch diesmal ihre Gäste mit in die Welt der Kleinstlebewesen. Nach ihrem Vortrag wussten die Anwesenden ebenso über Plastik fressende Bakterien Bescheid wie über die Verschmutzung der Arktis. Ein sehr lehrreicher Ausflug in die Mikrobiologie.

Ein Feuer auf der Bühne

Samil Salameh zündete ein Feuer an.

Samir Alameh zündete auf der Bühne aus Ermangelung einer Präsentation gleich ein ganzes digitales Lagerfeuer an und wusste einiges über die Beziehung von Richard Löwenherz zum Sultan Saladin zu berichten.

Ein aufregender und überraschender Exkurs ins Mittelalter und zurück, nach dem man etwas über Damaszener-Stahl und die seltsame Beziehung zweier sehr unterschiedlicher Könige gelernt hatte.

And the Winner ist …

Daniel Meza Arredondo gewann den Slam mit einer Wortkaskade.

Nach der Pause ging es rasant weiter mit Daniel Meza Arredondo, dem späteren Sieger. Sein mexikanisches Temperament prädistinierte ihn für die Weltmeisterschaften der Schnellsprecher. Man verstand ihn kaum und wusste die ersten sieben Minuten absolut nicht, worüber er sprach.

Er tat dies jedoch mit einem dermaßenen Talent fürs Komische, dass das auch gar nicht nötig war. Das gesamte Auditorium brach vor Lachen komplett und einig in sich zusammen. Als man endlich verstand, dass er über Solartechnik sprach, interessierte das auch irgendwie niemanden mehr. Er hatte den Sieg in der Tasche. So viel gelacht wie in diesen 9 ½ Minuten hatten die meisten sicher schon sehr lange nicht mehr. Er wurde zu recht zum Slam-König des Abends gekürt und durfte einen Eimer voller Hirn sein eigen nennen.

Ein ernstes Thema

Bei ihr wurde es sehr ernst.

Nach ihm wurde es sehr erst. Die Kunsthistorikerin Jutta Teuwsen sprach über den Künstler Gottfried Helnwein aus Österreich und seiner Art, mit Kunst sehr gezielt zu provozieren. Er entlarvt z.B. den oft versteckten Rechtspopulismus seiner Heimat ebenso, wie er es schaffte, mit seinen Bildern Hitlers Greultaten selbst dem Hartgesottensten deutlich vor Augen zu führen. Ein Vortrag der jungen Kunsthistorikerin, der an die Nieren ging und den einen oder anderen auch zu Tränen rührte.

Fake-News für Studies

Fabian Navarro resümierte über verheiratete Steine. Ein Fake, wie es sich herausstellte.

Den Abschluss machte Fabian Navarro, den viele schon als Poetry Slammer bei World of Wordcraft erlebt und schätzen gelernt haben.

Er bewies als gewiefter Geisteswissenschaftler, wie leicht es ist, Menschen mit Fake-News an der Nase herumzuführen.

Auch die mit einem Studienabschluss in der Tasche. Eine lehrreiche Lektion zum Thema “Prüfet alles und nur das Wahre behaltet!“ sowie „Leide niemals an Selbstüberschätzung“.

Erwartungen erfüllt

Die sechs Wissenschafler lagen in ihrer Bewertung zu recht sehr nahe beieinander. Bei diesem Slam waren zudem von hochwissenschaftlichen Themen bis hin zum absoluten Klamauk alles vertreten, was der Science-Slam-Erfahrene von so einem Event erwartet.

Jury und Applausrakete

Marian Heuser moderierte seinen Science-Slam gewohnt souverän im Kulturhaus Lüdenscheid.

Marian Heuser war an diesem Abend zudem trotz fehlender Kopfbedeckung in absoluter Höchstform und führte souverän und kurzweilig durchs Programm.

Was immer wieder aufs neue bemerkenswert ist: Obwohl Marian regelmäßiger Gast ist im Kulturhaus und eine stetig wachsende Fangemeinde hat, die ihm immer und bei jeder Lüdenscheider Veranstaltung treu folgt, versteht er es aber auch immer wieder, neue Menschen für seine Slam-Wettbewerbe zu begeistern.

Auch diesmal war die Hälfte der Anwesenden noch nie bei einem Sience Slam gewesen und machte trotzdem mit Feuereifer mit bei Jury und Applausrakete.

Heimat-Slam

Marian Heuser ist schon bald wieder im Kulturhaus zu sehen. Am 20. Oktober präsentiert er ein ganz neues Format mit Namen „Heimat-Slam“, zu dem alle Heimatbegeisterten und die, die es noch werden wollen ab 18.00 Uhr (Einlass, beginn 19 Uhr) herzlich eingeladen sind. Der Eintritt ist frei!

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