Marcia Bittencourt and Friends im Ciccolina. Ein sehr schöner Abend. Fotos: Kannenberg

Lüdenscheid. Marcia Bittencourt trat auf Einladung des Lüdenscheider Jazz Clubs e.V. im Ciccolina an der Bräuckenstraße auf. Brasilianisches Feuer traf dabei auf´s kühle Lüdenscheid. Das Ergebnis: Das Lüdenscheider Publikum ließ sich gerne zu „Bossa Nova“ Klängen in imaginäre laue Karibische Nächte, zu Palmen und Meeresrauschen mitnehmen. Man folgte Marcia willig in eine Welt, die manchmal ein wenig leichter und offener erscheint als das doch oft eher zugeknöpfte Sauerland.

Südländisches Temperament trifft auf Bühnenpräsenz

Südamerika meets Sauerland. An diesem Abend: Gelungen!
Südamerika meets Sauerland. An diesem Abend: Gelungen!

Nicht nur, dass die Sängerin aussieht wie ein Topmodel und in ihrem weißen Outfit und den schwarzen Haaren schon rein optisch ein Hingucker war, ihre großartige Stimme und ihr südamerikanisches Temperament in Verbindung mit großer Bühnenpräsenz bot den Zuschauern einen exzellenten musikalischen Abend, der sich in dem schönen Ambiente des Ciccolina und einem ausverkauften Haus für alle gleichermaßen erfreulich gestaltete.

Musikerin und Schauspielerin in einer Person

Die Mädels verstehen sich: Andrea Walkum, Ciccolinas "Gute Seele" und Wirtin und und Marcia Bittencourt, südländisches Feuer auf zwei Beinen.
Die Mädels verstehen sich: Andrea Cambiolo Wallkum, Ciccolinas „Gute Seele“ und Wirtin sowie Marcia Bittencourt, südamerikanisches Feuerwerk auf zwei Beinen.

Marcia Bittencourt ist in Rio de Janeiro geboren und in Brasilia,
Brasiliens Hauptstadt, aufgewachsen. Nach ihrem Abschluss in Darstellender Kunst in Brasilias Theaterfakultät „Dulcina de Moraes“ Anfang der 90er Jahre, begann sie zudem ein klassiches Gesangsstudium ebenfalls in Brasilia. Ihrer Neugier auf andere Kulturen und ihr Wunsch auch die Bühnen anderer Länder kennenzulernen, führte sie 1994 dann geradewegs nach Deutschland. Sie spricht mittlerweile perfekt deutsch, kann aber mit ihrem rollenden „R“ und ihrer fröhlichen und offenen Art die Südamerikanerin keine Sekunde verleugnen.

Sie entschied sich für eine Solokarriere

MArcia und ihre beiden "Friends", die drei sind ein gutes Team.
Marcia und ihre beiden „Friends“, Oliver und Andreas. Die drei wissen, was sie tun.

Marcia war 10 Jahre lang Schauspielerin und stand mit dem Ensemble der “Comedia Futura” in Hannover auf der Bühne, bevor sie sich entschied, sich ganz auf die Musik zu konzentrieren.

Seit dieser Zeit war sie die Frontfrau zweier Bands: “Jamborio”, einer Formation, die sich brasilianischem Pop verschrieben hatte und “Misturas”, die sich ganz brasilianischem Jazz widmete. Beide Gruppen hatten sowohl original brasilianische als auch eigene Kompositionen im Programm, wobei Marcia die Texte schrieb.

Ende 2009 entschied sie sich dann für eine Solokarriere: “Ich wollte zurück zu meinen Wurzeln, der “Bossa Nova”, die meine Kindheit mit Farbe und wunderbaren Melodien geprägt hat. Rios Musik ist meine Wiege. Es war die Musik, die wir zuhause hörten und die ich liebe, seit ich denken kann”, sagt Marcia zu diesem Entschluss.(Quelle:www.marciabittencourt.de)

Sie beherrscht ihr Fach

Bei so einem Anblick auf der Bühne zapft sich ein Bier fast von selbst.
Bei so einem Anblick auf der Bühne zapft sich ein Bier fast von selbst.
Es kracht im Ciccolina. Feuerwerk made by Brasilia.
Romantisches Ciccolina. Stimmung: Made by Brasilia.

Marcia Bittencourt merkt man an, dass sie mit ganzem Herzen Sängerin ist. Aber auch ihre Schauspielausbildung kann sie nicht verleugnen. Das, was sie an Bühnenpräsenz mitbringt, ist geprägt von großer Professionalität. Sie weiß sich zu bewegen, beherrscht Körper und Stimme gleichermaßen. Feurige Rhythmen aber auch romantische Weisen werden von ihr charakter- und gefühlvoll interpretiert, man versteht die Musik, auch ohne, dass man die Sprache spricht.

Sie stellt sie dar, füllt die Inhalte mit Geist, Seele und ausdrucksstarken Gesten. Kein Wunder, dass das Publikum, das aus den Mitgliedern des Jazz Clubs, aber auch vielen Fans südamerikanischer Musik bestand, beeindruckt war und mehrere Zugaben forderte, die unter anderen aus einer spannenden Interpretation des „Girls von Ipanema“, im Duett von Marcia und Andreas gesungen, bestand.

Denn auch die „Friends“ hatten es in sich: Marcia war an diesem Abend mit Oliver Gross (Klavier, Querflöte, Gesang) angereist, der schon mit Bill Ramsey, Charlie Mariano und Thomas Quasthoff gespielt hat und Dozent an der Universität Hildesheim ist. Zudem dabei hatte sie Andreas Dahle (Gitarre und Gesang), der zurecht als einer der aufsteigenden Sterne am Himmel der Brasilianischen Musik angekündigt wurde. Die drei standen sich nicht im Weg, sondern unterstützten sich als Künstler gegenseitig, ein „rundes“ Trio mit Ausstrahlungskraft“.

Jazz Club ist auf dem richtigen Weg

Der Jazz Club gibt sich die Ehre: Im Vordergrund Helmut, wie immer an der Kasse, im Hintergrund Max, der den Abend sichtlich genoss.
Der Jazz Club gibt sich die Ehre: Im Vordergrund Helmut, wie immer an der Kasse, im Hintergrund Max, der den Abend sichtlich genoss.

Zu wünschen gewesen wäre an diesem Abend lediglich noch ein laues Lüftchen und 20 Grad Außentemperatur statt der mittlerweile Nachts fast üblichen 7 Grad der Sauerländer Schafskälte. Hier war dann – wie fast immer in Lüdenscheid – eher die Fantasie gefragt. Aber was ein echter Sauerländer ist, der steht locker drüber über solchen Kleinigkeiten wie „Temperaturen um den Gefrierpunkt im Juni“.

Mit der Wahl, „Marcia Bittencourt and Friends“ nach Lüdenscheid zu holen, bewies der Lüdenscheider Jazz Club ein weiteres Mal in diesem Jahr, dass er auf dem richtigen Weg ist und allem Anschein nach ein „besonderes Händchen“ für besondere Musiker besitzt. Seit Maximilian Poser Vorsitzender des Jazz Clubs ist, verjüngt sich dieser mit Unterstützung seiner Mitstreiter Jörn Messing, Wilm Lohoff und Helmut Reichard zusehends. Ein frischer Wind fegt durch den ehemals leicht angestaubten Jazz Club und führt dazu, dass das Interesse an den Veranstaltungen des Vereins stetig steigt.

Weiterhin interessante Live-Acts in diesem Jahr

Auch in der Pause nahbar und ohne Starallüren. Marcia ist einfach auch sehr. sehr sympathisch.
Auch in der Pause nahbar und ohne Starallüren. Marcia ist einfach auch sehr sympathisch.

Auch die Entscheidung, die Künstler in besonderen Locations, wie dem Ciccolina auftreten zu lassen, kommt nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Musikern selbst gut an. So äußerten sich auch die Musiker selbst ganz begeistert während der Pause über die Location und deren Betreiber. Sie, die einen kleinen, dunklen Jazzclub erwartet hatten, waren mehr als begeistert von dem, was ihnen da auch als Künstler geboten wurde. Ein Mehrwert für Lüdenscheid, mit dem die Stadt sicher auch in Zukunft unter Künstlern punkten wird.

Der Jazzclub wird dieses Jahr auch weiterhin interessante und lohnenswerte Musiker und Projekte auf die Bühne bringen. Das nächste Mal tagt der Club ebenfalls im Ciccolina am 24.7.2015 ab 21.00 Uhr. Diesmal zu Gast: Zabrinsky jazz x drei. Für mehr information: www.jazzclub-luedenscheid.de

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