Mahnwache
Mit einer Mahnwache erinnerten die Grünen in Meinerzhagen an die Tschernobyl-Katastrophe vor 30 Jahren. Foto: Rüdiger Kahlke

Meinerzhagen/Kierspe. Manche erinnern sich: Kinder durften nicht mehr im Sandkasten spielen. Kühe mussten im Stall bleiben. Gemüse aus dem Garten war tabu. Nur wenige Tage nach dem bislang größten Reaktorunglück in Tschernobyl hatte die radioaktive Wolke auch unsere Region erreicht. Daran erinnerte der Ortsverband der Grünen in Meinerzhagen am 26. April, dem 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe mit einer Mahnwache in der Fußgängerzone.

Atommeiler in Belgien – naheliegende Gefahr

Für Matthias Kretschmer, der die Mahnwache und einen Filmabend im Weltladen zur Atomkraft und ihren Risiken organisiert hatte, ist es erstaunlich, „wie wenig das noch im Bewusstsein ist.“ Das Unglück in Fukushima vor fünf Jahren hat erneut gezeigt, wie riskant die Technologie ist. Jetzt, so Kretschmer, müsse man sich Sorgen um die belgischen Atommeiler machen. Die Reaktoren liegen nur wenige Kilometer hinter der Grenze. Kretschmer: „Bei einer Reaktorschmelze haben wir die radioaktive Wolke je nach Wetterlage in zwei bis drei Stunden hier.“

Kretschmer, der sich seit Jahrzehnten gegen die Atomkraft engagiert, war erst kürzlich im Raum Aachen. Sein Fazit: „Die Leute dort sind sehr besorgt.“ Die belgischen Reaktoren waren in letzter Zeit mehrfach abgeschaltet worden. In den Behältern gebe es zahllose Risse, manche zehn Zentimeter lang. Menschen in der Grenzregion klagen inzwischen gegen den Betrieb der Reaktoren.

Für die Grünen waren die Jahrestage von Tschernobyl und Fukushima Anlass, nochmals auf die Gefahren dieser Technologie hinzuweisen und sie ins Bewusstsein zu rücken. Auch deshalb, weil es mit Sonne, Wind und demnächst sicher auch mit Wasserstoff Alternativen gibt.

Info-Stand in Kierspe

Die Meinerzhagener Grünen waren mit ihrer Mahnwache in der Fußgängerzone nicht die einzigen, die am 30. Jahrestag an die Tschernobyl-Katastrophe erinnerten. Der Verein Kinder von Tschernobyl e.V. hatte in Kierspe einen kleinen Stand, an dem er durch die Vorstellung seiner Arbeit indirekt an diese Katastrophe erinnerte. Der Verein versucht die Folgen der Strahlung für die Gesundheit vor allem der Kinder in der Region um den Reaktor zu mindern und bietet ihnen seit Jahren ein paar Wochen unbeschwerter Erholung im Sauerland.

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