Das Urteil der LWL-Fachleute ist eindeutig: Die Stadthalle ist nicht denkmalwürdig. Foto: Wolfgang Teipel

Meinerzhagen. (RK/pm)Die Stadthalle wird nicht unter Denkmalschutz gestellt. Das bestätigte Bürgermeister Jan Nesselrath auf TACH-Anfrage.

Danach sieht der Landschaftsverbandverband Westfalen-Lippe als Denkmalbehörde keinen Grund für eine Unterschutzstellung – auch nicht von Teilbereichen. Die Behörde war auf Hinweis des Ortsverbandwes der Grünen tätig geworden, um zu prüfen, ob die Halle schützens- und damit erhaltenswert sei. Zuvor waren Pläne bekannt geworden, die Halle abzureißen, um ein Einkaufszentrum mit Veranstaltungssaal zu errichten.

Die Stadt werde jetzt weitere Prüfungen einleiten, so Jan Nesselrath auf Anfrage weiter. Er habe für die Überprüfung durch die Denkmalbehörde keine Veranlassung gesehen. Jetzt sollen „verschiedene Varianten“ überprüft werden.

In einer ausführlichen Mitteilung der Stadt Meinerzhagen heißt es dazu: Im Sommer 2016 hatte die Stadt den wachsenden Handlungsbedarf im Umgang mit der Stadthalle thematisiert. In diesem Zuge wurden auch erste Überlegungen, insbesondere eine Investorenvariante, die den Bau eines Einkaufszentrums mit integrierter Stadthalle vorsah, vorgestellt. Diese waren auf großes Interesse, ebenso aber auch auf Kritik aus der Bürgerschaft gestoßen und hatten eine lebhafte öffentliche Diskussion ausgelöst. Auch der LWL war in diesem Zusammenhang eingeschaltet worden, um den Denkmalwert des Objektes zu prüfen.

Kriterien für eine Denkmalausweisung nicht ausreichend erfüllt

Die aufgeworfene Frage nach dem Denkmalwert der Stadthalle wurde seitens des Landeskonservators nun beantwortet: Zwar spiegelt das Gebäudeinnere in seiner Konzeption und Ausstattung die kulturpolitischen Ziele der 1970er Jahre wider und ist damit für das Geschehen der damaligen Zeit von ortsgeschichtlicher Bedeutung.

Die Stadthalle, Meinerzhagens kulturelles Herzstück, ist nicht denkmalwürdig. Das LWL sieht keinen Grund, die Halle unter Schutz zu stellen. Foto: Rüdiger Kahlke
Die Stadthalle, Meinerzhagens kulturelles Herzstück, ist nicht denkmalwürdig. Das LWL sieht keinen Grund, die Halle unter Schutz zu stellen.
Foto: Rüdiger Kahlke

Gleichwohl stellen die Prüfer auch fest, dass das Gebäude eine Außenarchitektur, Materialauswahl der Außenhaut und städtebauliche Einbindung in seine Umgebung zeigt, die keine Zeugniskraft im Sinne des Denkmalschutzgesetzes entfalten und somit die Kriterien für eine Denkmalausweisung nicht ausreichend erfüllt sind. So kommt der LWL zu dem Ergebnis, dass „weder städtebauliche noch architektonische oder künstlerische Gründe für einen Erhaltungs- und Nutzungsgrund vorliegen“.

Verschiedene Möglichkeiten

Angesichts der beim Bau kalkulierten Nutzungsdauer des Objektes von etwa 40 Jahren und des entsprechenden heutigen Zustandes greift die Stadt den Faden nun wieder auf und wird in den kommenden Monaten verschiedene Möglichkeiten zum weiteren Vorgehen detailliert prüfen.

Eine Initiative macht sich seit einiger Zeit für den Erhalt der Stadthalle stark. Foto: WolfgangTeipel
Eine Initiative macht sich seit einiger Zeit für den Erhalt der Stadthalle stark.
Foto: WolfgangTeipel

Eine wichtige Grundlage bildet dabei der in zahlreichen persönlichen Gesprächen zwischen Stadtverwaltung und Bürgerschaft geäußerte Wunsch, die Stadthalle zumindest in ihren wesentlichen Teilen zu erhalten. Die Stadt wird daher bei allen zurzeit angedachten Lösungsszenarien auf diese Vorstellungen aufsetzen und den Versuch wagen, eine Balance zwischen den enormen zu erwartenden Kosten für eine Sanierung, der Finanzierbarkeit des laufenden Kulturbetriebs, einer zukunftssicheren Stadtentwicklung und dem Wunsch nach Erhalt des Veranstaltungsbereichs zu schaffen. Vor diesem Hintergrund werden zunächst drei Varianten näher beleuchtet:

Variante 1: Erhalt des Status Quo

So könnten bis auf weiteres nur unbedingt notwendige Reparaturen und kosmetische Arbeiten vorgenommen werden. Auf diese Weise wären die Aufwendungen zunächst geringer, das Sanierungsproblem würde allerdings nur um einen überschaubaren Zeitraum von wenigen Jahren verlagert und in seinem Umfang eher verschärft. Gleichzeitig würde sich auch die Chance, neue Impulse in der Stadtentwicklung zu setzen, in die Zukunft verschieben. Vor- und Nachteile dieser Lösung will die Stadt daher nun im Detail prüfen und gegeneinander abwägen.

In der Stadthalle ist auch die Stadtbücherei untergebracht. Foto: Wolfgang Teipel
In der Stadthalle ist auch die Stadtbücherei untergebracht. Foto: Wolfgang Teipel

Variante 2: Komplettsanierung

Einer zweiten Variante zufolge wird auch die Komplettsanierung des gesa-ten Gebäudekomplexes als Option weiterverfolgt. In diesem Zusammenhang stehen zwei verschiedene Vorgehensweisen zur Disposition: So könnte die Sanierung in einem fortlaufenden Großprojekt oder über einen längeren Zeitraum jeweils in abgeschlossenen Teilabschnitten erfolgen. Eine solche Aufteilung würde die Aufwendungen über einen längeren Zeitraum gestaffelt verteilen, diese in Summe aber wohl – so steht erfahrungsgemäß zu erwarten – eher erhöhen. Beide Varianten sollen in der anstehenden Analyse geprüft und einander gegenübergestellt werden.

Variante 3: Teilsanierung und neue Nutzungskonzepte

Des Weiteren steht ein Teilerhalt wesentlicher Veranstaltungsbereiche des Stadthallengebäudes zur Prüfung: Der Kernbereich mit Otto-Fuchs-Saal und Foyer könnte bestehen bleiben und so dem Wunsch, den Charakter der Stadthalle zu bewahren, Rechnung getragen werden.

In der Variante drei könnte das riesige Wandgemälde, das der Künstler Antiono Maro für die Stadthalle erschaffen hat, erhalten bleiben. Es heißt übrigens "Inti Huatana" (übersetzt: Rastplatz der Sonne). Foto: www.unser-m.de
In der Variante drei könnte das riesige Wandgemälde, das der Künstler Antiono Maro für die Stadthalle erschaffen hat, erhalten bleiben. Es heißt übrigens „Inti Huatana“ (übersetzt: Rastplatz der Sonne). Foto: www.unser-m.de

Die besondere Atmosphäre der Kulturstätte, ihre Akustik und Ausstattung – beispielsweise in Form des Gemäldes „Inti-Huatana“ auf der Bühnentrennwand – blieben erhalten und der Kulturbetrieb könnte nahtlos fortgesetzt werden. Der Vorteil dieser Variante wäre, dass kaum genutzte, aber kostenaufwändig zu sanierende Bereiche neu genutzt werden könnten. Dies könnte beispielsweise durch einen Rückbau des Gaststättenanbaus mit nachfolgender Ansiedlung von ausgesuchtem, ergänzendem Einzelhandel geschehen. Hierdurch könnten die Attraktivität der Innenstadt weiter gesteigert werden.

Nächste Schritte: ergebnisoffene Prüfung

Aus heutiger Sicht erscheint der Verwaltung die Kombination aus Erhalt und neuen Impulsen für die Stadtentwicklung als sinnvoller Weg, um wesentliche Elemente der Stadthalle mit ihren Vorzügen zu bewahren und zugleich neue Entwick-lungsmöglichkeiten zu eröffnen. Es gilt aber für alle drei Szenarien gleichermaßen, dass zunächst im Sinne einer ergebnisoffenen Prüfung sämtliche notwendigen Zahlen und Fakten gesammelt und abgewogen werden. Erst dann werden darauf aufbauend konkrete Vorschläge erarbeitet und dem Rat der Stadt unterbreitet.

Gutachten in Auftrag gegeben

Zum Auftakt ihrer Arbeit hat die Stadt bei einem unabhängigen Sachverständigenbüro ein Gutachten zum Zustand des Gebäu-dekomplexes sowie den notwendigen Sanierungsarbeiten, ihren Kosten und Prioritäten in Auftrag gegeben. Dessen Resultate werden in Kürze erwartet. Ein weiterer Eckpfeiler des gesamten weiteren Planungsverlaufs ist und bleibt der enge Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern: Erklärtes Ziel der Stadt ist es, die im vergangenen Sommer angestoßene Diskussion über die Zukunft der Stadthalle zur im Sinne der Bürgerschaft bestmöglichen Lösungen zuzuführen.

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