Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Das N.N. Theater aus Köln beweist mit „Ich fürchte nichts – Luther 2017“ erneut, dass es schwere Themen publikumswirksam auf die Bühne bringen kann, ohne dabei ins Seichte abzugleiten. Die Plettenberger N.N.-Fans kuschelten sich am Donnerstagabend bei eher herbstlicher Witterung unterm Stephansdachstuhl zusammen, genossen das herrliche Schauspiel des Kölner Ensembles und vergaßen dabei beinahe Regen und Kühle.

Irene Schwarz, Aischa Lina Löbbert, Oliver Schnelker, Michel Thorbecke und Bernd Kaftan, der auch die musikalische Begleitung übernahm, agierten jeweils in wechselnden Rollen. Als Bühnenbild dienten zwei Podeste und einige Säulen. Wieder einmal fantastisch, wie das N.N.-Ensemble mit einfachsten Mitteln immer wieder verblüffende Wirkungen erzielt. Aber auch modernste Technik kommt zum Einsatz: Irene Schwarz schwebt als Engel der Zeit über die Bühne, unter ihrem fast bodenlangen Gewand blinkt ein Hoverboard hervor.

„Ich fürchte nichts“ handelt vom Leben Martin Luthers. Der Reformator legt sich mit dem Vatikan an, spaltet die Kirche, diskutiert auf dem Abort mit dem Teufel über seine Verstopfungen und eiert dumm rum, als es darum geht, nach der Hochzeit mit seiner Frau zu schlafen. Autor George Isherwood verwendet die in unseren Ohren derb klingende Wortwahl des Mittelalters und baut Lacher durch Anspielungen aufs aktuelle Weltgeschehen ein. „Vatikan first!“, trumpt Papst Leo X., um sich dann im Trapattoni-Stil über Luther zu empören: „Was erlaube Luther?“

Stehend applaudierte das Plettenberger Publikum dem wieder einmal brillanten N.N. Ensemble, bevor es auf dem Heimweg von Regen und Kühle eingeholt wurde.

 

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