Stadtverwaltung, Johanniter und Polizei informierten am Mittwoch im Gemeindezentrum am Rathmecker Weg.

Lüdenscheid. Lob und Kritik gab es am Mittwoch bei der Anwohnerversammlung zur Flüchtlings-Notunterkunft in der ehemaligen Hermann-Gmeiner-Grundschule. Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils waren eingeladen, um über den aktuellen Stand zu sprechen, Probleme und anstehende Aufgaben zu diskutieren. Pfarrerin Krimhild Ochse übernahm die Moderation.

Zur Öffentlichkeitsarbeit gab es längeren Diskussionsbedarf. Kritisiert wurde, dass in einem Teil der Berichterstattung das von den Menschen in der Nachbarschaft der Unterkunft gezeichnete Bild einen Eindruck erweckte, der Betroffene vor Ort verletze. Dieser Eindruck sei zu korrigieren.
Kritisch hinterfragt wurde auch die Einladungspraxis zu den Anwohnerversammlungen. Einige Haushalte würden Flugblätter mit Informationen zur Veranstaltung in ihren Briefkästen vorfinden, andere nicht. Martina von Schaewen, Leiterin des städtischen Fachdienstes Recht, erläuterte: „In der direkten Nachbarschaft zur Einrichtung werden Flugblätter in die Briefkästen geworfen.“

Frühzeitiger informieren

Darüber hinaus würde über lokale Medien informiert. Es wurde von Anwohnerinnen und Anwohnern darauf hingewiesen, dass die Information frühzeitiger erfolgen sollte, eventuell auch durch Aushang von Plakaten. Online können Interessierte den Hinweis auf Versammlungen auch auf der Homepage der Stadt Lüdenscheid finden.

Viel Positives zur geleisteten Arbeit der vergangenen drei Monate berichteten der Leiter des Hauses, Christopher Tomaszik, Johanniter-Pressesprecherin Jutta Beißner und Bezirkspolizist Holger Getzlaff. Beißner schilderte, dass auch nach über drei Monaten, in denen es die Flüchtlings-Notunterkunft in der ehemaligen Grundschule gibt, die große Mithilfe aus der Kirchengeneinde, der Nachbarschaft und von weiteren Lüdenscheiderinnen und Lüdenscheidern nicht abreiße: „Wir werden nach wie vor großartig unterstützt.“ Sie berichtete auch vom positiven Feedback, das die 20 hauptamtlichen und noch mehr ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in der Notunterkunft von den Flüchtlingen erfahren.

Nicht alles vor Ort ist Friede und Freude. Eine Anwohnerin wollte unter anderem wissen, „was war denn los am vergangenen Freitag“. Da machten sich etliche Polizeiwagen mit großer Geschwindigkeit auf den Weg zum Hermann-Gmeiner-Schulgebäude. „Es hat in der Notunterkunft Streit zwischen Bewohnern gegeben“, berichtete Hauptkommissar Getzlaff. Da bei der Meldung das Ausmaß des Vorfalls noch unklar war, sei die Polizei sicherheitshalber mit mehreren Wagen ausgerückt. Vor Ort stellte sich dann heraus, ein großer Einsatz war nicht vonnöten. Dass es in einer Einrichtung mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, die sich in einer extremen Lebenssituation befinden, zu Streitigkeiten kommen könne, sei normal, so die Information am Mittwoch. Christopher Tomaszik nahm den Vorfall als Beleg dafür, dass im Bedarfsfall Polizei und Einsatzkräfte vor Ort sind. Er habe nicht die Minuten gestoppt, aber es sei am Freitag binnen kürzester Zeit gewesen, so der Johanniter-Mitarbeiter. Außerdem gebe es vor Ort einen Wachdienst, der mit allen notwendigen Kommunikationsmitteln ausgestattet sei.

Einrichtung 24 Stunden im Blick

Man habe Einrichtung und Umfeld 24 Stunden im Blick, berichtete Hauptkommissar Getzlaff. Auf Nachfrage erläuterte er auch, dass die Polizei jederzeit auf besondere Anforderungen reagieren könne. Das bedeute nicht, dass es im Umfeld einer Einrichtung nicht die Straftaten gebe, die es überall gibt. Zuvor hatte eine Anwohnerin davon berichtet, dass an einem Wochenende in ihr Auto vor der Haustür eingebrochen wurde. „In meines auch, ich wohn‘ am Oeneking“, wies Christoph Tomaszik darauf hin, dass es das Problem der Autoeinbrüche seit Jahren in vielen Wohngebieten und Städten gibt. Im Umfeld von Flüchtlingsheimen sind keine erhöhten Zahlen an Einbrüchen oder anderen Delikten feststellbar, lautet nicht nur der Hinweis vom Lüdenscheider Bezirksbeamten Getzlaff. Das stellt die Polizei landesweit fest.

Regelmäßiger Dialog ist landesweit geübte Praxis

Landesweit geübte Praxis ist mittlerweile der regelmäßige Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Ortsteilen, in denen Flüchtlinge untergebracht sind. Versammlungen, in denen sich Stadtverwaltungen, Hilfsorganisationen, Kirchengemeinden, freiwillige HelferInnen zusammen mit den AnwohnerInnen darüber auseinandersetzen, wie sie die Situation meistern und welche Probleme vor Ort zu lösen sind.
Dass es in Ortsteilen mit Notunterkunft-Flüchtlingseinrichtungen Menschen gibt, die Angst haben, ob der Ungewissheit, wer da in ihrer Nachbarschaft kommt und geht, ist dabei kein seltenes Phänomen. Auch am Mittwoch machte im Gemeindezentrum am Rathmecker Weg eine Anwohnerin ihre Angst deutlich.

Es muss möglich sein, diese Angst auszusprechen, stellte dazu Beate Hauck fest, als sie im Oktober im Ortsteil Hagen-Halden eine Informationsveranstaltung zur dortigen Notunterkunft moderierte. Die Leiterin des Bereichs Partizipation und Bürgerbeteiligung der Stadt Hagen gehört zum ehrenamtlichen Netzwerk Grünes Band – Mediation in der Flüchtlingskrise. Hier haben sich MediatorInnen und andere ExpertInnen aus 300 Standorten in ganz Deutschland zusammen gefunden, um bei den Konflikten, die die Bewältigung der Flüchtlingskrise mit sich bringt, als Konfliktmittler ihre Unterstützung anbieten zu können. Auf Initiative von Projektinitiatorin Katharina Gräfin von Schlieffen, Inhaberin des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, juristische Rhetorik und Rechtsphilosophie der FernUniversität Hagen, fand am 6. November ein erster „Round Table“ statt, bei dem sich über 40 Beteiligte darauf verständigten, wie sie die Bewältigung der anstehenden Aufgaben in sechs Arbeitsgruppen angehen wollen. Die Initiative will all denjenigen Unterstützung ermöglichen, die sich mit der Bewältigung der Flüchtlingskrise beschäftigen und auseinandersetzen sowie den Bürgerinnen und Bürgern, die sich Veränderungen ausgesetzt sehen.

Mit Blick auf Veränderungen und Auswirkungen rund um die Notunterkunft in der ehemaligen Hermann-Gmeiner-Grundschule sagte ihr Leiter Christopher Tomaszik am Mittwoch auch weiterhin ein jederzeit offenes Ohr zu. Probleme vor Ort, die in der Nachbarschaft festgestellt werden, sollen auch künftig so schnell wie möglich angegangen werden, so Tomaszik. Der im Vorfeld der Versammlung geäußerte Vorschlag, eine Nachbarschaftssprecherin ober einen Nachbarschaftssprecher zu wählen, sei als zusätzliches Angebot gedacht, die Kommunikation noch besser zu organisieren. Im Bedarfsfall gebe es weiterhin für jeden die Möglichkeit, sich jederzeit direkt an seine Einrichtung zu wenden, so Tomaszik auf eine kritische Nachfrage aus dem Plenum.

Lob für die Gemeinschaftsleistung

Lob gab es für die große Gemeinschaftsleistung, die alle Beteiligten in den vergangenen  Monaten für in Lüdenscheid ankommende Flüchtlinge erbracht haben. Manchmal kommen die Menschen direkt mit dem Bus von der bayerischen Grenze, berichtete Tomaszik. Zielsetzung der Notunterkünfte, die die Bundesländer in vielen Kommunen eingerichtet haben, sei es, ankommenden Flüchtlingen sofort ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen, damit sie nicht auf der Straße schlafen müssen. Täglich melde man die freien Kapazitäten der Einrichtung an die zuständigen Stellen. Von der benötigten Belegung erfahre man recht kurzfristig. Die Menschen bleiben dann so lange in der Notunterkunft, bis Kapazitäten in den Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes frei sind. Da kann es auch vorkommen, dass das ehemalige Schulgebäude vorübergehend fast leer ist. „So ist es seit Montag“, berichtete Tomaszik. Alle aufgenommenen Flüchtlinge konnten auf Erstaufnahme-Einrichtungen verteilt werden. Im Haus verblieben sind „unbegleitete Minderjährige“. Für sie werde jetzt nach Lösungen gesucht.

CVJM-Freizeitstätte offen für Flüchtlingskinder

Jürgen Schönbeck, Leiter der CVJM-Jugendfreizeitstätte am Rathmecker Weg, berichtete, dass sein Haus für die ankommenden Flüchtlingskinder offen steht. Die dortigen Möglichkeiten sollen den Mädchen und Jungen in ihrer traumatisierten Situation helfen. Aus den Reihen der Kirchengemeinde und der Nachbarschaft erkundigten sich VersammlungsteilnehmerInnen nach Möglichkeiten, wie sie über die bislang geleistete Unterstützung hinaus künftig Hilfe leisten können.

Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg brachte ein Nachbarschaftsfest ins Gespräch, um auch mal all die zusammen zu bringen, die das alles mittragen. Sie regte an, darüber mit der Bezirksregierung zu sprechen. Die Regierungspräsidentin in Arnsberg ist als zuständige Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen Hausherrin der Einrichtung. Als solche hat sie auch darüber zu wachen, dass alles, was dort stattfindet, rechtmäßig ist.

Das gilt auch für die Berichterstattung aus der Einrichtung. Eine Anwohnerin hatte sich gewundert, dass die Johanniter als Leitung des Hauses die Bezirksregierung kontaktieren müssen, wenn Pressevertreter vor Ort aus der Einrichtung berichten wollen. Da gelte das ganz normale Hausrecht. Und es seien natürlich die Persönlichkeitsrechte der Menschen zu wahren, die in der Einrichtung wohnen und tätig sind, erfuhren die Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer.

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