Marian Heuser
Wollen in der Literaturförderung eng zusammenarbeiten: Detlef Krüger, Fachdienstleiter Kultur und Tourismus Märkischer Kreis, und Poetry Slammer Marian Heuser, Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis

Märkischer Kreis. (pmk) Mit viel Elan steigt der Märkische Kreis 2018 in die Literaturnachwuchsförderung ein. Als Talentscout fungiert erneut Marian Heuser, Macher der Erfolgsreihe „World of WORDcraft“ und amtierender NRW-Vizemeister im Poetry Slam.
„Nach dem großen Erfolg des Heimat Slams im Kulturhaus Lüdenscheid haben wir den politischen Auftrag erhalten, den Nachwuchs in der Literaturszene im Märkischen Kreis nachhaltig zu fördern“, erklärt Detlef Krüger, Fachdienstleiter Kultur und Tourismus des Märkischen Kreis und Kreisgeschäftsführer des Heimatbundes. Ihm zur Seite steht dabei das Multitalent Marian Heuser, manchem auch bekannt unter dem Künstlernamen Peter Panisch. Poetry Slammer, Kulturveranstalter, Workshopgeber, Autor, Moderator, Kabarettist, Musiker … – Marian Heuser ist auf vielen Bühnen unterwegs.

In Lüdenscheid aufgewachsen

Geboren in Herdecke, aufgewachsen in Lüdenscheid ist Heuser eng in der Kulturszene im Märkischen Kreis, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen vernetzt. Seine Wahlheimat ist aber die Studentenstadt Münster. Hier hat er Politik, Niederländisch und Soziologie studiert. „Damit wird man eigentlich Taxifahrer in Holland“, scherzt der 33-jährige Vater einer fast siebenjährigen Tochter.

2008 den Poetry Slam entdeckt

2008 hat er den Poetry Slam für sich entdeckt. Seit zehn Jahren steht er erfolgreich auf der Bühne. 2012 wurde er zum Niedersachsenmeister und 2017 in Siegen zum NRW-Vizemeister im Poetry Slam gekürt. Heuser ist Organisator und Moderator zahlreicher Poetry und Song Slams in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, unter anderem in Lüdenscheid, Lippstadt, Gronau, Nordhorn, Münster, Leer (Ostfriesland) und Papenburg.

In Sacgen Literaturförderung setzt der Märkische Kreis auf Marian Heuster. Foto: Iris Kannenberg

Workshops für Schüler und Erwachsene

2010 gründete der Allrounder mit „World of WORDcraft“ seinen ersten eigenen Slam in seiner Heimatstadt Lüdenscheid, der mit über 4000 Zuschauern in den letzten sieben Jahren zu einem der größten und stimmungsvollsten Autorenwettstreite Nordrhein-Westfalens gereift ist.

Dem Autodidakt ist es ein Bedürfnis, sein Wissen weiter zu geben. Dafür bietet er Workshops für Schüler und Erwachsene an und zeigt, wie man sich auf der Bühne mit eigenen Texten oder Gedichten präsentiert. „Ich habe auch schon Leute herangezüchtet, die mich später aus dem Wettbewerb rausgekegelt habe“, gibt er schmunzelnd zu. Für ihn ist es wichtig, Kontakt zur Jugend zu halten, zu spüren, wo jungen Leuten der Schuh drückt. „Poetry Slam ist aktuell der attraktivste und direkteste Zugang für Jugendliche zur kreativen Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache“, ist Heuser überzeugt. Nachwuchskünstlern hilft er auch gerne auf die Sprünge, wenn es um die eigene Selbstvermarkung geht.

Idealer Partner für den MK

Mit diesem Profil ist Heuser der ideale Partner für die Netzwerkarbeit des Märkischen Kreises. „Unsere Aufgabe ist es, die regionale Literaturszene zu füttern, dem Nachwuchs Chancen zu eröffnen und mehr Auftrittsmöglichkeiten zu schaffen“, bestätigt Detlef Krüger. Er will 2018 an den Erfolg des Heimat Slams anknüpfen und erneut Workshops für junge Leute unter zwanzig Jahren (U20) anbieten.

„Dafür wollen wir dieses Jahr nicht nur Gymnasien ansprechen. Neben den Schulworkshops soll es auch einen offenen Workshop geben“, erzählt Krüger.  „Da schlummert viel Potenzial“, ist sich Marian Heuser sicher. In den Poetry-Slam-Workshops sei es möglich, individuelle Schreib-, Lese- und Sprachkompetenzen zu erkennen, zu fördern und zudem auch die Persönlichkeitsbildung, Toleranz und das soziale Miteinander zu stärken.

Gleichzeitig lindert der Künstler den Erwartungsdruck: „Natürlich müssen in den Workshops nicht nur potentielle Poetry Slammer sitzen“. Einfache Techniken des Story-Telling sowie sicheres Auftreten und Sprechen vor großen Gruppen, sind für ihn Skills, die im Schul- und Berufs-Alltag immer nützlich sind.

„Bühne ist da, wo alle hingucken

Bühne ist da, wo alle hingucken – jeder wird Tag für Tag bewertet“, weiß er. Eine Themenvorgabe wird es diesmal nicht geben. Alle Formen moderner Literatur und Sprachkunst, von Lyrik und Wortakrobatik über Kabarett- und Comedy- Beiträge bis zu Kurzgeschichten, HipHop und Rap ist alles erlaubt.

Landesmeisterschaft in Lüdenscheid

Als besonders Schmankerl dürfen die besten U20 Poetry Slammer am 5. und 6. Oktober bei der NRW Landesmeisterschaft zu Gast sein und von den rund 40 besten Poetry Slammern des Landes lernen. „Zweimal hintereinander die Poetry Slam Meisterschaften in Südwestfalen zu haben (2017 fanden sie in Siegen statt), grenzt an ein kleines Wunder“, freut sich Marian Heuser, der das Event im Rahmen der 750-Jahrfeier der Stadt Lüdenscheid mit dem World of WORDcraft Team (WoW Poetry Slam) und Unterstützung verschiedener Projektpartner darunter auch dem Märkischen Kreis und dem Kreisheimatbund, stemmen will.

Die Kamera liebt Marian. Er ist einfach sehr präsent. Foto: Iris Kannenberg

Event am 5. und 6. Oktober

Auch kann er von Erfahrungsschatz des Siegener Organisationsteams des NRW Poetry Slams 2017 profitieren. Bis zum diesjährigen Event, das am 5. und 6. Oktober im Kulturhaus Lüdenscheid geplant ist, soll es reichhaltiges Rahmenprogramm mit Workshops, Lesungen und Konzerten geben. „Dabei wollen wir möglichst viele regionale Künstler auch außerhalb der Slamszene mit einbinden“, erklärt Heuser.

„Best of“ am 16. Februar auf Burg Altena

Am 16. Februar steht der Poetry Slammer aber erstmal selber vor Publikum und zwar ab 19 Uhr im historischen Festsaal der Burg Altena. In heimeliger Clubatmosphäre präsentiert er als „Peter Panisch“ sein „Best of Slam Poetry“ aus zehn Jahren Bühnenerfahrung. Das Burgrestaurant serviert dazu Spezialitäten aus der Küche. Heuser freut sich schon sehr auf die Location. Mit seinem Auftritt ist er das Zugpferd einer ganzen Reihe von kleinen aber feinen (Literatur-) Veranstaltungen, die die Burg Altena in der dunklen Jahreszeit beleben soll. Unter dem Motto „Burg trifft …“ entwickelt der Fachdienst Kultur und Tourismus in Zusammenarbeit mit der Altenaer Agentur Pfiffikus ein buntes Programm, das unterschiedliche Zielgruppen ansprechen soll.

Selbstgeschriebene Texte

Hintergrund: Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Als Gründervater und Wegbereiter der weltweiten Poetry-Slam-Bewegung gilt der US-amerikanische Bauarbeiter und Dichter Marc Kelly Smith (*1949 in Chicago). Der erste Poetry Slam fand am 20. Juli 1986 im „The Green Mill“ statt – bis heute Veranstaltungsort des Uptown Poetry Slam. In den 90-er Jahren schwappte die Welle nach Deutschland über. Ab 1996 wurden auch in München, Frankfurt am Main und Düsseldorf sowie ein Jahr später auch in Hamburg regelmäßig Poetry Slams veranstaltet. 2010 fand der erste Poetry Slam „World of Wordcraft“ in Lüdenscheid statt. 2016 wurde der Dichterwettstreit im deutschsprachigen Raum zum immateriellen UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

Poetry-Star Torsten Sträter

Seit 2008 finden jährlich die nordrhein-westfälischen Meisterschaften im Poetry Slam an wechselnden Veranstaltungsorten statt. Bekanntestes Gesicht ist Torsten Sträter, der 2009, 2010 und 2012 die NRW-Meisterschaft für sich entscheiden konnte. Für das zwei- bis dreitägige Festival qualifizieren sich in der Regel 40 Slammer auf lokaler Ebene. Die Besten zwölf ziehen ins Finale am Folgetag ein.

Einfache Regeln

Die Regeln sind einfach: Jeder Teilnehmer hat maximal fünf Minuten Zeit, seinen Text vor Publikum vorzutragen. Inhaltliche oder formale Vorgaben gibt es nicht. Das Los entscheidet über die Auftrittsreihenfolge. Der Slam Master, also der Moderator, wählt aus dem Publikum willkürlich sieben Juroren aus, die eine Punktetafel erhalten. Um sie versammelt sich jeweils ein Pulk von Leuten, die bei der Punktevergabe ein Wörtchen mitreden wollen. Jeder Text wird also vom Publikum heiß diskutiert. Wer dann die meisten Punkte auf sich vereinigen kann, qualifiziert sich für die nächste Runde bzw. fürs Finale. Der Sieger der Landesmeisterschaften nimmt an den deutschsprachigen Meisterschaften teil, die 2018 in Zürich ausgetragen werden.

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