Lisa Fitz bot in Halver ein Programm mit biss und Witz. Foto. Rüdiger Kahlke

Halver. Als Putzfrau Hilde Eberl oder als Agentin Olga, als Journalistin Inge von Stein oder CSU-Abgeordnete beim Frauenkreis. Lisa Fitz beleuchtete in verschiedenen Rollen die Tücken des Alltags und die Tricks der Geostrategen und politischen Strippenzieher. Die Powerfrau aus Bayern wurde ihrem Ruf in der voll besetzten AFG-Aula gerecht. Mit starker Bühnenpräsenz, Wandlungsfähigkeit und ein paar Takten bayerischer Bierzeltmusi hatte sie das Publikum schnell im Griff.

Feine Spitzen

Politische Komödiantin oder komische Polit-Kabarettistin – ihre Themen waren ernsthaft, aber meist so verpackt, dass sie auch hohen Unterhaltungswert hatten. Mit feinen Spitzen spickt sie ihr Programm „Weltmeisterinnen – gewonnen wird im Kopf“.

Als Reinigungskraft Hilde Eberl beschäftigte sie sich mit den Tücken und Fehlentwicklungen des Alltags. Etwa dem

Als Reinigunskraft nahm Lisa Fitz die Tücken des Alltags ins Visier. Foto: Rüdiger Kahlke
Als Reinigunskraft nahm Lisa Fitz die Tücken des Alltags ins Visier.
Foto: Rüdiger Kahlke

ausufernden Online-Handel. So bestellt ihre Freundin per One-Click jeweils einen Lippenstift. Der kommt in großem Paket verpackt. Etwas, das Amazon am meisten transportiert, findet Fitz: „Heiße Luft“.

Die Streiks der Bahn führen dazu, dass, wer Karfreitag in München einsteigt, erst in Hamburg ankommt, „wenn sie dort schon die Weihnachtsbäume aufstellen. Und die 20 Millionen Verkehrsschilder, die wir haben, „zeigen, wo die Steuergelder bleiben“. Dabei haben Experimente ergeben, dass es auch ohne Schilder geht.

Handys, die als „Premium-Wanzen“ in der Tasche

Seitenhiebe gegen Politiker, die ihr Mandat als Sprungbrett für gute dotierte Jobs in der Wirtschaft verstehen, die totale Überwachung durch die Digitalisierung des Alltags, bei der die Konzerne besser als man selbst wissen, was man will. Lisa Fitz spricht an, was viele auch so empfinden. Und wenn das Kind ohne Handy jammert: „Wie soll ich morgen Tobi auf dem Schulhof finden?“, fragt sie „Wie haben wir das gemacht?“ – Wir haben uns doch auch alle gefunden – ohne Handy. Smartphones sind für Lisa Fitz die „famoseste Premium-Wanze“. Die NSA sitze in jeder Jackentasche und höre selbst beim Sex mit.

Laborratten mit Kreditkarte

Die Auswüchse der Überwachung, noch als Gag präsentiert, denkt sie weiter. Sie führt zur schleichenden Verhaltensänderung und damit zu schlimmsten Schaden für die Demokratie. Die Überwachung unter dem Etikett der Terrorfahndung sei ein Vorwand für massive Wirtschaftsspionage. „Wir sind für die Laborratten mit Kreditkarte“, bilanziert Lisa Fitz als Journalistin Inge von Stein. Sie hat dabei auch die eigene Zunft im Visier. „Journalisten kauen das Vorverdaute wieder“, weil es für gründliche Recherche an Zeit und Personal fehlt.

Als Agentin Olga erläutert sie mit Laserpointer an der Weltkarte geostrategische Interessen. Und bringt auf dem Punkt, was viele fühlen: „Wo Öl fließt, haben Menschen und Natur ihr Recht verloren.“ Die USA, die sich gern als Friedensengel präsentieren, haben seit 1796 jedes Jahr irgendwo Krieg geführt. US-Präsident Barak Obama sieht sie als „Puppe mit Friedensnobelpreis“. Eine Puppe im geostrategischen Spiel, dessen Fäden Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski, zieht. Einer, der unter vier Präsidenten die Weichen so gestellt hat, dass die USA gute Geschäfte dabei machen.

Gute Stimme

Von der Weltpolitik ging es zurück in die bayerische Provinz.

18. Sept. 2015: Lisa Fitz mit ihrem Programm „Weltmeisterinnen – gewonnen wird im Kopf“ in der AFG-Aula, Halver. Fitz beleuchtet den Alltag in verschiedenen Rollen: als Reinigungskraft, als Journalistin, Agentin oder CSU-Abgeordnete beim Frauenkreis. Foto: Rüdiger Kahlke

Als CSU-Abgeordnete Gerda Wimmer entlarvt sie die Doppelmoral der Partei und ihres Spitzenmannes. Das Land steuere auf eine neue Regierungsform, „das Horstifat“ zu. Auch uneheliche Kinder bekommen dabei ab 16 Jahren ein Praktikum bei der CSU. Das beugt Jugendarbeitslosigkeit vor und sichert den Nachwuchs.

Eine Vision wie Integration aussehen könnte hat sie auch noch: In der Trachtenburka, blau-weiß, aufs Oktoberfest gehen und auf dem Rücken den Spruch tragen: „Hopfen und Malz – Allah erhalt’s.“

Mit fetzigen Songs, unter anderem von Tom-Waits und Konstantin Wecker, bei denen sie sich auf der Gitarre begleitet, lockerte Lisa Fitz das Programm auf und unterstrich damit ihre Vielseitigkeit, zeigte aber auch, dass sie eine richtig gute Stimme hat.

„Tolles Programm.“ „Klasse“, bilanzierten Besucher an Ausgang. Auch der Künstlerin schien es in Halver gefallen zu haben. Die AFG-Aula war – einmal mehr – eine große Bühne für Kleinkunst.

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