Hagen. Die Feinstaubbelastung in Hagen als wasserfallartige Videoproduktion, Datenflut und persönliche Datenpreisgabe auf dem eigenen Smartphone sehen, Straßenlampen, die vom Mond gedimmt werden und eine Fußgängerunterführung, die durch private Lampenspenden von Hagenerinnen und Hagenern beleuchtet wird, das sind vier Beispiele von 15 Lichtkunstwerken, die ab Freitag, 9.Oktober 2015 in Hagen zu sehen sind.

Wie Tach Hagen! bereits ankündigte, eröffnet das Lichtkunstfestival Urban Lights Ruhr um 18 Uhr im Festivalzentrum – Bunker an der Bergstraße 98. Um 19 Uhr stehen zwei Führungen an. Um 21 Uhr startet im Parterre des Bunkers eine Party mit “Shiny Toys”, so die Mitteilung der Veranstalter Urbane Künste Ruhr.  Der Eintritt ist frei.

Jeden Freitag und Samstag wird es von 18 bis 20 Uhr Führungen durch den Lichtparcours geben. Start und Endpunkt ist jeweils am Festivalzentrum. Der Eintrittspreis beträgt 5 Euro. Zudem gibt es kostenlose Kurzführungen durch den Lichtparcour, die ebenfalls jeden Freitag und Samstag von 19 bis 20 Uhr stattfinden. Anmeldungen sind über info@urbanekuensteruhr.de möglich, so die Veranstalter.

Zum Festivalbeitrag “False Positive: On the Null Hypothesis”, der sich dem Thema mobile Datenströme und dem Schutz der eigenen Daten widmet, wird es am Samstag, 10. Oktober von 16 bis 17.30 Uhr einen Vortrag mit Gespräch in der Douglas Lounge des Osthaus Museums geben. Weitere Hinweise zu diesem und den anderen Festivalbeiträgen bietet die von den Veranstaltern zusammen gestellte Werkliste:

„Balkon“

Begehbare Aussichtsfläche um einen Sternstrahler |Künstler: Taturo Atzu (aka Tatzu Nishi)


Der japanische Künstler Taturo Atzu (aka Tatzu Nishi) ist unter anderem bekannt für seine dramatischen Inszenierungen, bei denen er etwa Kirchturmspitzen, Brunnen und Monumente begehbar umbaut, und so auf neue Weise erlebbar macht. In Hagen rückt er die Kugellampen eines Sternstrahlers aus den 1960er Jahren in den Fokus, indem er das Publikum über einen Gerüstturm nach oben heranführt und ihm so die funktionale, oft übersehene Ästhetik nahebringt. (Fr – So 16 bis 23 Uhr | Bergischer Ring 57)

„Developing The First World“


Lösungsvorschläge zu Hagener Problemen von der Dritten | Welt Künstlergruppe: Ghana ThinkTank


Bereits im Juli hatten Hagener Bürger die Gelegenheit, ihre Probleme in oder mit Hagen zu formulieren und über Postkarten der Künstlergruppe mitzuteilen. Entsprechende Lösungsvorschläge verschiedener von den Künstlern angefragter Think Tanks resp. Denkfabriken in der Dritten Welt werden während „Urban Lights Ruhr“ präsentiert und so an die Hagener Bevölkerung zurückgegeben. Ein Connecting-Cities-Projekt. (9. bis 11. Oktober | jeweils 16 bis 23 Uhr | Museumsplatz 1, Osthaus Museum)

„False Positive: On The Null Hypothesis“

Über die Funktionsweise mobiler Informationsströme | Künstler: Mark Shepard


Wieviel wir in der täglichen Kommunikation mit Smartphones über uns Preis geben und welche Datenflut in unserem Alltag produziert wird, machen Mark Shepard, Moritz Stephaner und Julian Oliver mit ihrem Projekt „False Positive“ deutlich. Über einen Sender im Festivalzentrum schicken sie Nachrichten auf die Mobiltelefone der Besucher. Dort werden sie über die tägliche, jeweils selbst produzierte Datenflut, die Risiken und über individuelle Möglichkeiten zum Schutz der eigenen Daten aufgeklärt. Ein Connecting-Cities-Projekt. (9. bis 11. Oktober |jeweils 16 bis 21 Uhr | Festivalzentrum)

„Full Moon Hagen“

An den Mondzyklus angepasste Straßenbeleuchtung | Künstlerin: Janice Kerbel


In der Arbeit „Full Moon Hagen“ wird die Straßenbeleuchtung am Johanniskirchplatz und auf dem Marktplatz je nach Mondphase gedimmt. Bei Vollmond etwa wird der technisch niedrigste Dimmgrad erreicht, bei Neumond hingegen mehr als Normalbeleuchtung – und dazwischen die entsprechenden Zwischenstufen. (täglich nach Einsetzen der Dämmerung | Johanniskirchplatz und Marktplatz)

„Genius Loci“ / „Der Geist des Ortes“

Partizipative Installation mit Lampen von Anwohnern |Künstlerin: Anna Rispoli


Mit der Spende einer Lampe aus ihrem privaten Fundus unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Wehringhausens und Hagens das Projekt „Genius Loci“ und helfen, die Fußgängerunterführung am Bodelschwinghplatz während des Festivalzeitraums in ein neues Licht zu rücken. (ganztägig | Fußgängerunterführung Bodelschwinghplatz)

„Hagen Obscura / Camera What!“

Begehbare Camera Obscuras | Umsetzung: Studenten der FH Dortmund

Unter der Leitung von Prof. Oliver Langbein (FH Dortmund) wird eine Gruppe Studierender des Fachbereichs Szenografie eine mobile und drei stationäre Camera Obscuras herstellen, die jeweils begehbar sind und von den Besuchern unter Anleitung benutzt werden können. Eine weitere, kleinere Camera Obscura, wird ebenfalls mobil im Stadtraum eingesetzt. Im Festivalzentrum werden dabei entstehende Arbeiten präsentiert. (Fr-So 16 bis 23 Uhr |Am Festivalzentrum, Friedrich-Ebert-Platz, Theaterplatz, Grashofstraße und andere Orte)

„Pantone Perfect“

Stündliche Beflaggung der aktuellen Himmelsfarbe | Künstler: Sans façon (Charles Blanc und Tristan Surtees)

Das Kunstwerk „Pantone Perfect“ visualisiert die wechselnde  Farbe des Himmels während eines Tages an einer Reihe von zehn Fahnenmasten. Mit einem Farbmessgerät wird stündlich die aktuelle Himmelsfarbe gemessen. Eine Flagge aus einer Palette von 52 verschiedenen Blautönen wird analog zur Messung ausgewählt und an einem von zehn Fahnenmasten am Vorplatz des Hagener Hauptbahnhofs gehisst. Am Ende des Tages stehen zehn Flaggen nebeneinander, welche den Verlauf der Himmelsfarben des Tages nachzeichnen. Die Arbeit war in anderer Form bei „Urban Lights Ruhr“ in Hamm zu sehen. (Fr-So 9 bis 18 Uhr | Berliner Platz, Vorplatz Hauptbahnhof)

„Particle Falls“

Visualisierung der Feinstaubbelastung vor Ort |Künstlerin: Andrea Polli

Mithilfe eines Feinstaub-Messgerätes (ein sog. Nephelometer) wird die aktuelle Feinstaubbelastung der Luft in Hagen gemessen. Die Partikel werden mittels einer Software in eine wasserfallartige Video-Projektion integriert. Ein Connecting-Cities-Projekt. (Fr-So 16 bis 23 Uhr | Sternstraße 13)

Shiny Toys

Experimentelle Lichtkunst mit Perfomances, Installationen und Projektionen


Kuratiert von Jan Ehlen werden im und am Bunker Performances, Projektionen, kleine Konzerte und experimentel- le Lichtinstallationen präsentiert. Shiny Toys wird täglich wechselnde Künstler aus ihrem Netzwerk einladen, ihre Arbeit dem Hagener Publikum vorzustellen. (Fr-So 20 bis 23 Uhr | Festivalzentrum)

„Shy Dance-Floor“

Interaktive Installation in einer Fußgängerunterführung | Künstler: Simon Faithfull


Der Boden einer Unterführung wird mit einem an die 1970er Jahre erinnernden Disko-Dancefloor ausgestattet. Die Installation „Shy Dance-Floor“ reagiert interaktiv mit dem Besucher: Nähert man sich dem Tanzboden, gehen die Lichter aus. Entfernt sich der Besucher wieder, erwachen die Lichter wieder zum Leben. (ganztägig | Unterführung Funke-/Neumarktstraße)

„Silent Fairground“

Karussells ohne Beleuchtung und ohne Musik | Künstler: Sans façon (Charles Blanc und Tristan Surtees)

Ein Rummelplatz ohne blickende Lichter, Musik und Durchsagen. Mit der poetischen Arbeit „Silent Fairground“ schaffen Sans Façon eine ungewöhnliche Erfahrung und rücken mit der Abwesenheit von Licht und schrillen Tönen die Übernutzung von Licht und Akustik in den Blickpunkt. (Fr-So 16 bis 23 Uhr | Weidestraße)

„Sunset Sunrise“


Anzeige der Sonnenauf- und untergänge rund um die Welt |Künstler: Sans façon (Charles Blanc und Tristan Surtees)

Die Arbeit „Sunset Sunrise“ präsentiert auf zwei Faltblattanzeigen die Sonnenuntergänge sowie die Sonnenaufgänge in verschiedenen Großstädten der Welt in Echtzeit. Die Arbeit war in anderer Form bei „Urban Lights Ruhr“ in Hamm zu sehen. (ganztägig | Berliner Platz, Vorplatz Hauptbahnhof)

„Untitled“

Graffiti mit Neonröhren nachgezeichnet |Künstler: A Kassen


Einige der temporären und informellen Graffitis im Stadtbereich werden bei „Untitled“ durch Neonröhren nachgezeichnet und so aus ihrem alltäglichen Kontext gehoben. Die individuell geprägten Ausdrucksformen werden in ihrer Funktion als Sprachrohr und Kennzeichnung verschiedenster Subkulturen kenntlich gemacht. (Fr-So ganztägig Unterführung Neumarkt-/Gerberstraße)

„Video Painting“

Videoportraits werden per Projektion an die Wand „gemalt“ |Künstler: Bruno Levy und Blake Shaw


Mithilfe einer spielerischen Projektionstechnik werden gesammelte Fotos aus Hagen und des Connecting Cities Network Stadt Jena (Licht- und Wissenschaftsfestival City Visions Jena) abwechselnd mit einer Walze auf Häuserfassaden im Stadtraum „gemalt“. (9. bis 11. Oktober | jeweils 18 bis 23 Uhr |Wechselnd zwischen Festivalzentrum und Wilhelmplatz )

„Wearable Facade”

Sensorkleidung zeigt Hagens Farbwelt | Künstler: Ricardo O‘Nascimento

Ein speziell entworfenes Kleidungsstück nimmt über Sensoren die Farben der Umgebung auf und überträgt diese auf die mit LEDs ausgestattete Oberfläche der Jacke. Der Künstler wird mit der Jacke durch die Hagener Straßen laufen und die Farben der Stadt einfangen. Die Farben und Formen werden zeitgleich auf eine Fassade am Bunker projiziert. Ein Connecting-Cities-Projekt. (16. bis 18. Oktober | jeweils 18 bis 20 Uhr | Festivalzentrum)

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