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Leserbrief: Ton in Ton – Plettenberg war schon immer rot und soll nun noch röther werden

... oder am Maiplatz doch nicht mehr alles in Sack und Asche?

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Plettenberg. Zu den aktuellen Entwicklungen in der Plettenberger Innenstadt (Verkauf Kaufhausimmobilie am Maiplatz und Bau des P-Centers) schreibt der Plettenberger Prof. Dr. Peter-W. Gester einen Leserbrief:



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Wem man was so alles nachsagt

Zur Komplexitätsreduzierung von menschlichen Eigenschaften greift man gerne zu Stereotypien.

Den Schweizern sagt man nach, dass sie so genau arbeiten würden wie die sprichwörtliche Schweizer Uhr und so zuverlässig wie das Schweizer Offiziersmesser und ihre Arbeit so werthaltig sei, wie die Schweizer Schokolade kalorienreich.

Den Schwaben sagt man nach, sie seien, was Sparsamkeit anbetrifft, ebenso geizig wie die sprichwörtlichen Schotten und sie würden viel arbeiten und wüssten wie man gute Geschäfte macht und leckere, aber leider giftige Dieselautos baut, wie man mittlerweile weiß.

und wie es sich in Wirklichkeit verhält

Zumindest was die Schweizer Uhren anbetrifft, weiß man seit vielen Jahren, dass es heutzutage Schweizer Uhren gibt, die diese Kriterien nicht mehr erfüllen, sondern mehr oder weniger geringwertige Plastikmassenwarenprodukte sind. Und dass auch in der Schweiz die Gletscher schneller und unwiderbringlicher schmelzen, als das bekannte „Ice in the Sunshine“ aus der Kinoreklame. Und dass in der Schweiz längst nicht mehr alles solide ist, was gülden glänzte, hat zuletzt der Schweizer Bekleider Charles Vögele bewiesen, indem er (s)eine Pleite hinlegte.

Pleitegeier Vögele wurde den Plettenbergern noch 2015 von ihrem bekannten Kompetenzrat im Ratsschloss am Wieden als seriöser Bekleider für das Plettenberger My-Center angepriesen.

(Sozuagen die Ankündigung der Einlösung des über dreißig Jahre alten Wahlversprechens der SPD, einen hochwertigen Modehändler an den Maiplatz zu bringen. Wie wir alle in der dreißigjährigen Zwischenzeit gelernt haben, muss man der (Plettenberger) Politik, die auch nicht alles von heute auf morgen einlösen kann, die kleine Latenzzeit von dreißig Jahren zur Einlösung von Wahlversprechen schon mal zugestehen. Der ‘heilige St. Martin ist jetzt angetreten, diese Einlösungsschlucht stark zu verkürzen. Wer’s glaubt, wird auch scheinheilig gesprochen.)

Meine Prognosen vom Dezember 2015

Als ich im Dezember 2015 auf die bestehenden Bilanzschwierigkeiten von Vögele hingewiesen und Vögeles Pleite noch vor der Eröffnung des My-Centers pronostiziert hatte, wurde von Michael Schrader, dem hochbegabten Sohn des Plettenberger Oberspdisten Wolfgang Schrader, (vermutlich im Auftrag seines Vaters) der Turnaround bei Vögele angekündigt und ich wurde ‘angepisst‘, dass ich keine Ahnung vom Bilanzen lesen haben würde. Daraufhin hatte ich den jungen Herrn Schrader als ebenso hochbegabt wie seinen Vater geoutet.

Leider hat sich nun herausgestellt, dass die Hochbegabung bei den Herren Schrader, zumindest was das Bilanzen lesen und die Einschätzung von Geschäftserfolgen betrifft, wohl doch nicht ganz so ausgebildet ist, wie ich es diagnostiziert hatte. Denn Vögele ist, wie von mir prognostiziert, vor Eröffnung des My-Centers mausetot und pleite. Also muss ich mich wohl bei den Herren Schrader für meine etwas leichtfertige Hochbegabungsverdachtsdiagnose entschuldigen, was ich hiermit an dieser Stelle von Herzen gerne und explizit tue. Also, liebe Herren Schrader, ich nehme meine Hochbegabungsverdachtsdiagnose offiziell zurück und entschuldige mich dafür bei Ihnen!

Aber kommen wir zum Eigentlichen

Wie sieht das nun mit dem neuen Streifen der Morgenröthe(r) am Maiplatz aus? Sind die Schwaben, geschäftstüchtiger als ihre kollegialen Branchepleitevögel aus ihrer allemannischen Nachbarprovinz mit den schmelzenden Gletschern. Guten Tach berichtete: Modepark Röther kauft Real-Gebäude.

Erfolg und Strategie von Röther

Nun hatte die Firma Modepark Röther anscheinend in den letzten Jahren heftigen Geschäftserfolg in der deutschen Provinz (hoffentlich sind Röthers Klamotten etwas flotter als diese altbackene Bezeichnung ‘Modepark‘ und Röthers Webseite mit dem Minus-Merkel-Chic-Klamotten) und konnte sich den Schnapper des Real-Gebäudes unter den Nagel reissen. Röthers Kriterien sind u.a. ein Einzugsgebiet von 100.000 Menschen im Umkreis von 30 km. Rechnen wir mal fix nach, denn so haben es die Röthers dieser Welt vermutlich mit Bezug auf die bekannten (und bereit vielfach diskutierten und als unseriös entlarvten) Gefälligkeitsgutachten des Kompetenzrates auch gemacht:

Laut Wiki liegen folgende Einwohnerzahlen vor (und Wiki ist bekanntlich auch nicht immer auf dem Stand der Dinge, aber nehmen wir die Zahlen mal so):

  • Plettenberg 25.781
  • Herscheid 7.217
  • Attendorn 24.676
  • Lennestadt 26.073
  • Werdohl 18.002

Das macht in der Summe 101.749 Einwohner, also ist dieses Röther-Kriterium erst mal erfüllt.

Nun könnten wir noch

  • Neuerade 12.024
  • Meinerzhagen 20.670
  • Olpe 24.757
  • Altena 17.375

dazurechnen, dann sind wir schon bald bei 180.000 also röther gehts gar nicht, oder doch?

Die neue Sauerländerwertabschöpfungsmathematik

Also, liebe Röthers, bei all eurer farblichen Ton-in-Ton-Sympathie für den SPD-regierten Standort Plettenberg, so einfach ist die Sauerländerwertabschöpfungsmathematik nun auch nicht. Da reichen die kaufmännischen Grundrechenarten und der Dreisatz nicht aus, sondern es braucht erweiterte Kontextkenntnisse von Land und Leuten.

Denn was die sonst so sparsamen und geschäftstüchtigen Schwaben vielleicht (noch) nicht wissen ist, dass die Sauerländer ein kleines, störrisches Bergvolk sind, das gerne mal besoffen ist und auch gerne mal vergisst, den Hosenstall zuzumachen, aber zur Vermeidung der sog. sauerländischen Mittelgebirgs- und Regendepression möglichst häufig aus der Schlafstadt Plettenberg nach außerhalb abhaut.

Das kleine Einmaleins des realen Käuferverhaltens

Also unterstellen wir mal, alle Plettenberger werden demnächst Röther-Fans und kaufen ihren Sack und lassen ihre Asche am Maiplatz, dann fehlen aber noch ein paar der unteren Zehntausend der Nachbargemeinden bis zu den avisierten Hunderttausend. Die Attendorner bleiben eh in ihrer Einkaufstadt oder sind flugs in Köln. Herscheider, Werdohler sind ratz fatz in Lüdenscheid oder Iserlohn und die Lennestädter fahren nach Elspe zu Mode Fischer oder nach Attendorn. Meinerzhagen fährt nach Gummersbach bzw. gleich nach Köln. Olperaner fähren nach Köln oder Siegen und Altenaer nach Iserlohn und von Valbert fährt man sowieso nach Attendorn.

Des Plettenbergers neue Kleider?

Das bisher erfolgreiche Provinz-Konzept der Röthers wird in Plettenberg nicht wie beabsichtigt funktionieren. Aber bis das die Röthers dank ihres Kassenstandes gespannt haben, sind drei, vier Jahre ins Land gegangen. Dann sind die bisherigen Modeversorger (außer den Discountern) wie Otto’s, Maiworm’s, Hamme, Bonita usw., die Plettenberg die Treue gehalten und auf Plettenberg gesetzt haben, von den Roten und den noch Rötheren platt gemacht worden. Wenn dann nach dieser Zeitspanne die Röthers vom mauen, abendlichen Kassenstand mglw. ganz blass geworden sind und sich wieder verziehen aus dem Sauerland und die Plettenberger können dann nur noch bei KiK oder ausserhalb einkaufen oder müssen praktischerweise gleich nackt durch die Wälder streifen.

Meine Prognose: Nach der Anfangseuphorie geht das erstmal ein paar Jahre gut, denn das Geld ist bekanntlich gerade superbillig. Die Real-Tropfsteinhöhle war ja ein echtes schon mehrfachst abgeschriebenes Schnäppchen, das Doppelte für die Restaurierung der Undichtigkeiten, Restaurierung und Aufhübschung dazu, minus Abschreibungen macht drei bis vier Jahre Verweildauer bis zur Schließung in Plettenberg.

Wie heißt der neue Plettenberger Komparativ? Schrader, Vögele, SPD, Rot und Röther, oder doch nur wieder nur der alte Plettenberger Komparativ Sad, Mad, Bad und Bled oder sogar Bös?

P.S.: Und wer geht auf die vorgesehene Fläche für die Schweizer Pleitevögeles im My-Center? Treten Familie Schrader und der Kompetenzrat da (zum Ruhme der SPD) die Nachfolge von Fritten-Schütz auf ca. 2.000 Quadratmeter an und verticken da Sankt Martins Fritten mit rotem Schlamm und blassbleicher Schmiere?

Prof. Dr. Peter-W. Gester, Plettenberg

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich vor zu kürzen.

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1 KOMMENTAR

  1. Genial analysiert, formuliert und auf den Punkt gebracht. Daumen hoch.
    Das Einzige was in der Plettenberger Innenstadt, neben Freßbuden (Sorry), wirklich ausreichend vorhanden ist sind Klamottenläden. Nach ner Tüte Milch suche ich vergeblich.

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