Plettenberg. Die Platanen auf dem Alten Markt stehen im Blickpunkt der Diskussion um die Erneuerung der Innenstadt.

In der Bürgerversammlung war von Bürgermeister Ulrich Schulte vorgeschlagen worden, einen Gutachter beurteilen zu lassen, ob die Bäume am Rande des Stephansdachstuhls die komplette Erneuerung des Platzes und einen starken Rückschnitt überstehen würden. Ein Vertreter der Initiative Stadtbäume hatte darauf zunächst geantwortet, dass man sich ungeachtet eines Gutachtens weiterhin für den Erhalt der Platanen einsetze. Dies wiederum veranlasste die FDP, den Verzicht auf das Gutachten zu beantragen. Diesem Antrag stimmte die Ratsmehrheit in der Sitzung am 7. November zu (PDF-Download der Beschlussvorlage, PDF-Download des FDP-Antrags).

Zu diesem Sachverhalt, insbesondere zur damit verbundenen Bürgerbeteiligung, schreibt Karin Gutschlag, 1. Vorsitzende des Fördervereins für Denkmalpflege, einen Leserbrief:

Wir zitieren aus dem Leitfaden für eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung des Landes NRW: „Das politik- und sozialwissenschaftliche Verständnis von Beteiligung und Partizipation knüpft an die Vorstellung an, den Bürger in einem partnerschaftlichen Verhältnis auf Augenhöhe mit der Verwaltung zu sehen und ihm ein Recht zur Mitentscheidung einzuräumen.“

Einen Gutachter einzuschalten wurde von den Teilnehmern der Bürgerversammlung als Gewissheit, nämlich als von allen Beteiligten getragener Kompromiss mit nach Hause genommen. Der dem zuwiderhandelnde Ratsbeschluss untergräbt erneut den Anspruch der Bürger auf Partizipation.

In der Berichterstattung wurde nicht erwähnt, dass aufgrund der Zweifel über die Höhe der Kosten von 5000 Euro und die lange Zeitdauer für ein Gutachten die 1. Vorsitzende unseres Vereins, Frau Gutschlag, sich um einen Alternativgutachter bemüht hatte. Sie fand diesen in Person von Herrn Michael Birke, einen von der Landwirtschaftskammer NRW öffentlich bestellten und vereidigten Baumsachverständigen. Dieser bot ein Gutachten für 2000 Euro bei zwei Monaten Bearbeitungszeit an. Da Herr Birke mehrfach Gutachter für die Stadt Plettenberg war (Standardgutachter laut Aussage von Bürgermeister Schulte), hätte es von Seiten der städtischen Planer kein Misstrauen geben müssen.

Von diesem Angebot wurden die Führung der Verwaltung, die 1. stellvertretende Bürgermeisterin, der 2. stellvertretende Bürgermeister, die Fraktionsvorsitzenden sowie der Vorsitzende des Planungs- und Umweltausschusses am Montag, 6. November, per E-Mail in Kenntnis gesetzt. Ein früherer Zeitpunkt war aufgrund des Urlaubs von Herrn Birke nicht möglich.

Leider kam Bürgermeister Schulte unserer Bitte nicht nach, darauf hinzuweisen, dass ein Gutachten keine Verzögerung der Beschlussfassung für den Alten Markt bedeutet hätte.

Die Begründung des Antrags der FDP, die Initiative Stadtbäume werde keinen einzigen Baum aufgeben, war überholt. Die Initiative hatte in einem Schreiben an Bürgermeister Schulte erklärt, ein Gutachten, egal wie es ausfiele, zu akzeptieren. Der Denkmalverein, der nicht Initiator für die Kampagne zum Erhalt der Bäume war, hatte bereits zuvor erklärt, er könne mit dem in der Bürgerversammlung angebotenen Kompromiss leben, wenn ein Gutachten erstellt würde.

Trotz dieser Ausgangslage war die überwiegende Mehrzahl der Ratsmitglieder nicht bereit, für ein Gutachten zu stimmen. Insekten- und Vogelsterben, zurzeit in aller Munde, sowie Verbesserung des Stadtklimas in Zeiten der Klimaveränderung, Wertverlust von ca. 80.000 Euro, Bedürfnis der älteren Generation nach Schatten – nichts von alledem fand Berücksichtigung und damit nicht die Meinung von ca. 1000 Bürgern, die sich mit unterschiedlichen Argumenten öffentlich für den Erhalt der Bäume ausgesprochen hatten.

Timo Herrmann vom Büro BBZ in Berlin sagte bei der letzten Bürgerversammlung: „Mit dem Stephansdachstuhl haben sie hier in ihrer Stadt etwas ganz Besonderes!“ Schade, dass er nicht die unvergleichliche Atmosphäre beim Hüttenzauber im Dezember erlebt hat, wenn die Platanen mit unzähligen Lichtern geschmückt den Stephansdachstuhl erleuchten.

Karin Gutschlag, 1. Vorsitzende, Gemeinnütziger Förderverein für Denkmalpflege

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu kürzen vor.

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