Neugierige Kinder belagern den Seckelmann-Jeep bei einer Panne. Foto: Helmut Seckelmann

Märkischer Kreis. Leben an der Grenze – die Familie von Dr. Carsten Seckelmann  lebt im äußersten Süden von Tansania an der Grenze zu Mosambik und oftmals an der Grenze dessen was Menschen psychisch verkraften können. Dennoch: „Carsten und seine Frau Sandra sind überzeugt, dass sie genau am richtigen Platz sind.“ Das berichteten Helmut und Rosemarie Seckelmann, die Eltern des Mediziners, bei einem Vortragsabend im offenen Gesprächskreis der Evangelischen Kirchengemeinde Schalksmühle-Dahlerbrück.

Zwei Besuche im Buschkrankenhaus

Helmut und Rosemarie Seckelmann sind auch die Großeltern der drei Kinder des Mediziner-Ehepaares. „Wir hätten unsere Enkel gern öfter bei uns“, räumten sie ein. Aber aller Voraussicht wird die Familie nach einem sechsmonatigen Deutschland-Aufenthalt wieder ins Buschkrankenhaus Mbesa Missions Hospital zurückkehren.

Abgelegenes Gebiet

Im ehemaligen Deutsch-Ostafrika gibt es für Carsten und Sandra Seckelmann jede Menge zu tun. Während ihres Hilfseinsatzes im Dienste des Forum Wiedenest, einem christlichen Werk innerhalb der Brüdergemeinden, haben sie die medizinische Betreuung in einem abgelegenen Gebiet übernommen, das von einheimischen Ärzten gemieden wird. „Die wollen alle in den zivilisierteren Norden“, sagt Helmut Seckelmann. Das Paar hat die Familie bereits zweimal besucht. Es berichtete anschaulich von der Arbeit und den Lebensumständen in Mbesa.

Geburt kostet 2,50 Euro

Die Eltern von Carsten Seckelmann mit landestypischen Tüchern und Armbändern aus Tansania. Foto: Wolfgang Teipel
Die Eltern von Carsten Seckelmann mit landestypischen Tüchern und Armbändern aus Tansania. Foto: Wolfgang Teipel

Für wenig Geld brächten die Ärzte in Mbesa den Menschen spürbare Hilfe. „Eine Geburt kostet 2,50 Euro, ein Kaiserschnitt 25 Euro, eine Lungenentzündung lässt sich für 1,50 Euro behandeln.“ Ultraschallgel wird – hierzulande undenkbar – in gut verschließbaren Currysaucen-Flaschen aufbewahrt, wie auf einem Bild zu sehen war. Gebrochene Beine werden mit Steinen als Gewichte ruhig gestellt.

„Die einheimischen Mitarbeiter werden bezahlt. Die Deutschen werden von Spenden finanziert“, erklärte das Ehepaar. Carsten Seckelmann habe sich seinen eigenen Spenderkreis suchen müssen. „Da muss man eine Berufung verspüren. Aus reiner Abenteuerlust kann man das nicht machen“, unterstrich Helmut Seckelmann.

Viele Aidswaisen

Er und seine Frau Rosemarie zeigten zahlreiche Bilder von der Arbeit im Buschkrankenhaus und aus dem Süden Tansanias. In Auszügen aus Briefen, die Helmut Seckelmann vorlas, kam auch Carsten Seckelmann zu Wort. Aus seinen Worten spricht großes Gottvertrauen aber auch Unsicherheit. „Es gibt so viele Gelegenheiten, etwas falsch zu machen und wahrscheinlich lassen wir nur wenige aus“, hieß es an einer Stelle. Improvisation sein alles. „Mit begrenzten Mitteln können wir aber einiges bewirken.“ Unklar sei, wie mit Korruption, Vernachlässigung von Kindern, Trägheit oder Dummheit umzugehen sei. Bedauernswert seien vor allem die vielen Aidswaisen, sagte Rosemarie Seckelmann. Ohnehin würden viele Kinder einfach ihrem Schicksal überlassen.

„Wir sind als Ausländer oft einsam“

Ihre eigene Situation („Wir sind als Ausländer oft einsam.“) hat der Familie geholfen, offen und tolerant zu leben. Das ist einer Empfehlung zu entnehmen, die Carsten Seckelmann in einem Brief nach Deutschland notierte. „Seid geduldig mit Ausländern und lasst eure Kinder mit Migranten-Kindern spielen“, rät er. Die Gäste im Gesprächskreis zeigten sich beeindruckt. Hans Lau vom Leitungsteam fasste zusammen: „Selten haben wir einen so spannenden und langen Abend erlebt.“  Zum Abschluss der Veranstaltung spendeten die Besucher für das Krankenhaus, das allen Kranken – unabhängig von Religion, Einkommen oder Stammeszugehörigkeit – Hilfe gewährt.

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