Sabine Plate-Ernst, Gerd Pilgermann, Klaus Lomnitz, Martin Barth, und Frank Holthaus berichteten über ihre Erfahrungen mit dem Hüttenbau-Projekt. Foto: Wolfgang Teipel

Herscheid. In der Do-it-Yourself-Werkstatt des Herscheider Unternehmers Siggi Bruns knarren Akku-Schrauber. Auch die Säge läuft an diesem Mittwoch. Das ist durchaus nicht ungewöhnlich. Außergewöhnlich allerdings: Zusammen mit Gerd Pilgermann bauen Flüchtlinge, die in Herscheid leben, am Müggenbruch Holzhütten für die Gemeinde. Am vergangenen Mittwoch legten sie zum dritten Mal Hand an. Auf freiwilliger Basis entstehen hier zunächst zwei stabile Holzbuden, die die Gemeinde bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen einsetzen möchte.

Regionalforstamt ist federführend

„Eine typische Win-Win-Situation“, sagt Sabine Plate-Ernst, die als Vertreterin des Bürgermeisters zusammen mit Barbara Sauerland von der Gemeinde sowie Claus Lomnitz, Leiter des Regionalforstamtes Kurkölnisches Sauerland, die Hüttenbauern über die Schulter schauten. „Die Gemeinde bekommt etwas, das sie gut gebrauchen kann und die jungen Männer haben etwas zu tun.“

„Es läuft“, freut sich Claus Lomnitz. Dafür garantieren Gerd Pilgermann, Ausbildungsleiter des Regionalforstamtes und Waldpädagoge Martin Barth. Die Forstleute sind federführend und ein Eckpfeiler im Projekt. Martin Barth ist für die pädagogische Betreuung zuständig. Gerd Pilgermann übernimmt die Rolle des Mannes für alle Fälle. Er hat den Bau- und Materialplan für die wetterfesten Hütten zusammengestellt, leitet die Flüchtlinge an den Maschinen an und packt selbst kräftig mit an.

Fester Kern von fünf Flüchtlingen

Jeden Mittwoch wird in der Do-it-Yourself-Werkstatt von Siggi Bruns kräftig angepackt. Foto: Wolfgang Teipel
Jeden Mittwoch wird in der Do-it-Yourself-Werkstatt von Siggi Bruns kräftig angepackt. Foto: Wolfgang Teipel

„Inzwischen hat sich ein fester Kern von Flüchtlingen herausgebildet, die freiwillig dabei sind“, sagt Frank Holthaus. Er ist bei der Gemeinde für Kultur und Tourismus zuständig und ist der Ideengeber für das Projekt. Zu den fünf Männern gehört der 25-jährige Ahmed. Ein Mann vom Fach.

In seiner Heimat war er Architekt. Jetzt steht für ihn neben dem Sprachunterricht immer mittwochs die praktische Arbeit auf dem Programm. Inzwischen interessiert sich auch seine Frau für die Hüttenbau. Sie ist ausgebildete Umweltingenieurin und begleitete ihren Mann am Mittwoch zum ersten Mal.

Auch Beitrag zur Integration

Für Claus Lomnitz ist das Projekt ein wichtiger Beitrag zur Integration. Er findet: „Die jungen Männer müssen etwas zu tun haben. Nichts ist schlimmer als Landeweile.“ Die Mitarbeit am Projekt sei für den ein oder anderen vielleicht der erste kleine Schritt zur Fachkraft. Die Forstleute wollen den Beteiligten deshalb weitere Angebote machen. Ein Besuch im Wald, ein Abstecher in ein Sägewerk. So könnten die Flüchtlinge Die Aufgaben des Landesbetriebes Wald und Holz NRW besser kennenlernen.

„Alles Schritte auf dem Weg zur Integration. Diese Arbeit wird uns über die nächsten Jahre begleiten“, sagt Sabine Plate-Ernst. Sie hat wie Claus Lomnitz die Hoffnung, dass sich ein Teil der Neuankömmlinge in der Region niederlässt und heimisch wird. Ein Ziel, das noch in weiter Ferne liegt. Ein Nahziel rückt allerdings näher. Sind die beiden ersten Hütten erst geschafft, geht’s weiter. Schließlich sollen es mal zehn werden . . .

Unterstützer: Landesbetrieb Wald und Holz NRW (Regionalforstamtes Kurkölnisches Sauerland) und der Herscheider Unternehmer Siggi Bruns mit seiner Do-it-Yourself-Werkstatt stellt seine Halle zur Verfügung.

Während das benötigte Holz, zunächst für zwei Bauten, vom Forstamt gestiftet wurde, haben sich andere Firmen eingebracht um anderweitiges Material beizusteuern.

Die Firma SPAX stellt die nötigen Holzschrauben, die Firma GAH Alberts die Winkel und weiteres Material, Firma Lueg (Unterlegscheiben) und die Firma Schrauben Otto Geck.

 

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