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Lüdenscheid. Schüsse, Schläge, Einschüchterungen – mit solchen Methoden arbeitete das Quartett, das bei einer spektakulären Aktion am 17. Dezember in der Lüdenscheider Altstadt festgenommen werden. Ab 30. Mai wird den drei Männern und einer Frau vor der 4. Großen Strafkammer des Hagener Landgerichts der Prozess gemacht. Bis zum 18. November sind insgesamt 35 Verhandlungstage angesetzt.

Bei den Angeklagten handelt es sich um den 37-jährigen Murat S. aus Lüdenscheid, den 23-jährigen Murat Yasin H. aus Lüdenscheid, die 30-jährige Filiz S. aus Köln und den 42-jährigen Ziya Y. aus Köln. Der Mann aus Köln soll Mitglied der Gruppierung „Hell´s Angels“ sein.

Alle bereits vorbestraft

In einer Pressemitteilung des Gerichts heißt es, die Angeklagten seien wegen verschiedener Straftaten (zumeist Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung) bereits vorbestraft und hätten teilweise bereits Haftstrafen verbüßt.

Die Mitglieder der Bande befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Hagen wirft den Angeklagten vor, von Ende 2014 bis Ende 2015 in Lüdenscheid in insgesamt zehn Fällen unter anderem Schutzgelder erpresst zu haben. Als Anführer gilt Murat S. Er betreibt mehrere Spielhallen. S. soll als Bandenchef mit seiner Schwester Filiz S., den beiden weiteren Angeklagten und weiteren, teilweise noch unbekannten, teilweise gesondert verfolgten Personen abgesprochen haben, Geschäftsleute in Lüdenscheid um Umgebung körperlich zu drangsalieren und ihren Geschäftsbetrieb empfindlich stören zu wollen, wenn sie den Forderungen der Bande nicht nachkommen würden.

Schuss im Sportwetten-Lokal

Nach dem Schuss in der Kersting-Passage im September 2015 hatte die Polizei verdeckte Ermittlungen aufgenommen.
Nach dem Schuss in der Kersting-Passage im September 2015 hatte die Polizei verdeckte Ermittlungen aufgenommen.

So sollen sie zu Beginn des Jahres 2015 ein Café in Lüdenscheid aufgesucht und den dortigen Inhaber erpresst haben, damit dieser eine Wettfirma des Murat S. in seinem Café platziere und den anderen Betreibern kündige.

Als sich der Inhaber des Cafés unbeeindruckt zeigte und auf die Erpressung nicht einging, sollen schließlich zwei der Angeklagten und eine weitere Person im September 2015 einen Schuss in einem anderen Sportwetten-Geschäftslokal des Geschädigten am Rathausplatz abgegeben haben, um ihn und die Kunden Angst einzujagen.

Mit „Hell’s Angels“ gedroht

Wenig später soll die Angeklagte Filiz S. den Geschädigten aufgefordert haben, ihm die Videoaufzeichnung des Vorfalls auszuhändigen. Dabei soll sie damit gedroht haben, dass „noch am selben Tag 100 Hell´s Angels aus Köln kommen würden, um ihn platt zu machen“ (Zitat aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschat Hagen vom 14.03.2016).

In einem weiteren Fall soll die Bande zunächst zwei Schläger beauftragt haben, einen weiteren Geschädigten zu verprügeln. Sodann soll sie von dem Geschädigten regelmäßige Geldzahlungen gefordert und teilweise auch erhalten haben. Insgesamt sollen Zahlungen in Höhe von 2.550 Euro geflossen sein.

Wer sich weigert, wird verprügelt

Als der Geschädigte weitere Zahlungen verweigert hat, soll Murat S. ihn mehrfach geschlagen und unter Druck gesetzt haben. Daraufhin zahlte der Mann wohl wieder. Dabei geht es laut Anklageschrift um einen Betrag von 1800 Euro.

Außerdem soll die Bande im Juli 2015 den Inhaber eines Cafés in Hagen-Hohenlimburg dazu genötigt haben, auf seinen Gewinnanteil aus Geldspielautomaten von 60 Prozent zu verzichten und es an Murat S. abzugeben. Außerdem soll der Geschädigte auf die Rückzahlung eines Darlehens von ursprünglich 23.000 Euro verzichtet haben.

Während dieser Tat sollen sich die Angeklagten Murat S., Ziya Y. und Filiz S. in Begleitung zweier auf Grund ihrer Kleidung eindeutig als Mitglieder der Gruppierung „Hell´s Angels“ zu erkennender Begleiter gefunden habe. Der Geschädigte soll unter anderem gefragt worden sein, ob er wisse, mit wem er sich anlege. Ende des Jahres 2015 soll die Bande eine weitere Zahlung von dem Geschädigten verlangt und ihn massiv bedroht haben.

Immer wieder Gewalt

Ähnlich soll die Bande bei einem weiteren Geschädigten vorgegangen sein. Dieser soll durch massive Drohungen – unter anderem der Konfrontation mit einem gerade übel zugerichteten anderen Geschädigten – zur Zahlung von insgesamt 4.600 Euro genötigt worden sein. Zur Auszahlung eines weiteren Betrages von 7.000 Euro soll es auf Grund der Festnahme der Angeklagten nicht gekommen sein.

Nach dem Vorfall im September 2015, bei dem in dem Café in Lüdenscheid ein Schuss gefallen war, hatte die Polizei verdeckte Ermittlungen aufgenommen. Sie führten letztlich zur vorläufigen Festnahme und Inhaftierung der Angeklagten. Inwieweit tatsächlich in größerem Umfang Verbindungen der Bande mit der Gruppierung „Hell´s Angels“ bestehen, ist nicht bekannt.

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