Meinerzhagen – Heinz Rudolf Kunze hat viele Hits geschrieben. „Dein ist mein ganzes Herz“ ist nur einer davon. Kunze kann Schlager. Kunze kann Rock’n Roll. Das beweist er auf seinem neuen Album „Stein vom Herzen“. Der Mann aus Hannover hat viele Seiten. Darunter eine ganz besondere. Und um die zu zeigen, kommt er in „Räuberzivil“. So heißt die Formation, in der HRK Poetisches, Abstruses, Bissiges, Lustiges, Philosophisches auslebt.



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Eine unterhaltsame Mischung. Das Publikum in der Meinerzhagener Stadthalle feierte am Samstagabend den streitbaren Songwriter und Wortspieler mit Standing Ovations. Wenn Kunze in räuberzivil, der legeren, dem Anlass nicht angemessenen Kleidung erscheint, dann hat er drei Räuberzivilisten dabei. Hajo Hoffmann (Mandoline, Violine und Keyboard), Wolfgang Stute (Gitarre und Percussion) sowie Peter Pichl (Bass) begleiten den Räuberhauptmann und schlagen das Publikum unplugged in den Bann.

Kunze macht auf der Bühne keine große Show. Er lässt seine Musik sprechen. Und seine Texte. Die sind nicht gerade hitparadenkompatibel. Kunze lästert über dümmliche Luxusweibchen, die sich als „Spielerfrau“ als Beruf erkoren haben. Er macht sich Gedanken darüber, wie es sich als Toter so lebt, und kommt zu dem Schluss: „Eigentlich war es angenehm, nichts war mehr wichtig.“ Dann schwadroniert er reichlich abstrus von einer Vergewaltigung durch einen Waschbären, von der man sich nichts mehr wünscht, als dass das possierliche Tier wieder kommt, nachdem es spurlos verschwunden ist.

Das Publikum ist amüsiert. Kunze stellt fest: „Sie sind sehr freundlich.“ Er lässt aber auch kräftig Dampf ab. „Ich kann nichts mehr ertragen“, brüllt er ins Mikrofon und behauptet, dass er beim Schauen von Nachrichten das Bedürfnis entwickele, einen Attentäter zu adoptieren. Recht zornig auch klingt auch das von Kunze ins Deutsche übertragene „Working Class Hero“ von John Lennons ersten Soloalbum. Bei ihm heißt der Song „Mach es wie ich“.

Dann singt er vom Pony auf der Weide, dem alles ganz egal ist. Country-Klänge, bereichert vom unnachahmlichen Groove, den Hajo Hoffmann mit der Geige beisteuert. Dann wieder Kunze-Worte. Er veralbert Hundehalter. „Mach schön Kuschimuschi. Ja magst Du denn ein Leckerli.“

Und mitten in diese Nummer platzt die Geburtstagsüberraschung der Band. Üblicherweise sitzt ein kleiner Wackeldackel auf dem Keyboard und lässt Kunzes Wortkaskaden über sich ergehen. Stattdessen, wird „Baba“ hereingeschoben. Eine junge englische Bulldogge. Sie bleibt von der Szenerie weitgehend unbeeindruckt. Das Publikum aber jubelt und bringt Kunze wenig später sogar ein Ständchen zu dessen 57. Geburtstag. Kunze nimmt es hin.

Dann der von vielen ersehnte Moment. Heinz Rudolf Kunze und seine Band spielen einen Zusammenschnitt beliebter HRK-Hits. Das Medley endet einer stürmischen Version von „Finden Sie Mabel“.

„Meinerzhagen hat sich gut geschlagen“, reimt er spontan zum Abschluss des Konzerts. Kunze und seine Formation „Räuberzivil“ auch.

Fotostrecke:


© Text & Fotos: Wolfgang Teipel / unserLünsche.de

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