Schwester Petra erledigt die letzten Handgriffe. Dann ist auch dieser neue OP-Saal für den ersten Patienten bereit. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Das Herz des Klinikums Hellersen schlägt wieder voll im Takt. Ein paar letzte Hygiene-Tests, die Überprüfung der Lüftungsanlage, dann gehen auch die beiden letzten neuen Operationssäle in Betrieb. „Die Säle sind das Leistungszentrum unserer Klinik“, sagt Dr. Thorsten Kehe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Märkischen Kliniken. Nur rund 60 Wochen wurden benötigt, den OP-Trakt zu erweitern und ihn auf den technisch neusten Stand zu bringen. Alles im laufenden Betrieb.

In diesem Jahr 12.500 Operationen

Jetzt verfügt das Klinikum Hellersen über zehn statt wie bisher acht Operationssäle. „Wir stellen uns auf eine steigende Zahl von Operationen ein“, sagt der Geschäftsführer. Er rechnet für 2017 mit rund 12.500 Eingriffen. Und damit sei das Klinikum noch nicht an seiner Kapazitätsgrenze angekommen. Die Klinik-Landschaft in der Region sei in Bewegung. Dr. Thorsten Kehe erinnert an die Schließung des Vinzenz-Krankenhauses in Altena und an den Verkauf des Krankenhauses Elsey in Hagen-Hohenlimburg. Es soll in eine Suchtklinik umgewandelt werden. „Wir beobachten das sehr genau“, betont Dr. Thorsten Kehe, „und rechnen durchaus mit noch mehr Operationen.“

14 Fertigmodule verbaut

Bilder unter der decke: Patienten und Personal sollen es schön haben. Foto: Wolfgang Teipel
Bilder unter der decke: Patienten und Personal sollen es schön haben. Foto: Wolfgang Teipel

Ein Blick zurück in den Oktober 2016. Ein riesiger Kran dockt 20 Tonnen schwere Bauteile an den OP-Trakt an der Südseite des Klinikkomplexes in Hellersen an. Aus insgesamt 14 Fertigmodulen werden insgesamt vier neue Operationseinheiten zusammengebaut. Das spart Zeit. Immerhin musste die komplette Modernisierung und Erweiterung im laufenden Betrieb gestemmt werden. Bauarbeiter sowie Handwerker und Mediziner waren gleichermaßen aktiv. Zug um Zug wurden die OPs erneuert. Während parallel dazu operiert wurde. 2016 immerhin rund 700 Mal im Monat. Künftig werde die Kapazität bei monatlich 900 bis 1000 Operationen liegen, schätzt Prof. Dr. Dr. Thomas Uhlig.

8,5 Millionen Euro investiert

Finanz- und Zeitbudget wurden eingehalten. In 60 Monaten wurden 8,5 Millionen Euro verbaut. „Wir sind froh, dass wir alle Vorgaben eingehalten haben“, unterstreicht Projektleiter Prof. Dr. Dr. Thomas Uhlig.

OP-Manager Stephan Haarmann im neuen zweigeschossigen Zwischenlager für OP-Bedarf. Inzwischen ist es eingeräumt. Foto: Wolfgang Teipel
OP-Manager Stephan Haarmann im neuen zweigeschossigen Zwischenlager für OP-Bedarf. Inzwischen ist es eingeräumt. Foto: Wolfgang Teipel

Dazu haben nicht nur Andreas Herzhoff, der Technische Leiter des Klinikums, und OP-Manager Stephan Haarmann beigetragen. „Am Bau waren rund 200 Leute beteiligt. Wir waren einfach ein Super-Team“, schwärmt der Mediziner. Er selbst hat den Job „on top“ gemacht. Seine Arbeit als Direktor der Klinik für Anästhesie, Operative Intensivmedizin, Schmerztherapie und Rettungswesen lief unterdessen weiter. Immerhin: Der vielseitige Mediziner konnte sich auf die Erfahrung aus 30 Jahren Projektarbeit stützen.

Bewegungsfreiheit fürs OP-Team

Die neuen Räume erstrahlen in neuem Glanz und hochmoderner Technik. Highlight: Ein beweglicher OP-Tisch im Zentrum des Raumes. Je nach Behandlungsbedarf kann der Tisch beliebig im Raum positioniert werden. Die Ausstattung schafft somit Bewegungsfreiheit für das gesamte OP-Team.

Jeder Saal ist in verschiedene Bereiche eingeteilt. So bietet er beispielsweise Platz für die Anästhesie und die Geräte der minimalinvasiven Eingriffe. An der Wand befestigte Bildschirme lassen schnell und unkompliziert die jeweiligen Befunde abrufen. Für die verschiedenen technischen Module wurde an der Decke ein sicherer Halt geschaffen. Die schwebenden medizinischen Türme können flexibel im Raum bewegt werden. Vorteil: Der nun freiliegende Boden bietet ideale hygienische Bedingungen ohne Schmutzfänge. Die Farbwahl fiel auf die Farbe Blau. Eine spezielle Beschichtung ermöglicht die einfache tägliche Desinfektion der OP-Wände.

Projektleiter Prof. Dr. Dr. Thomas Uhlig freut sich über die OP-Säle mit Tageslicht. "Eine Rarität in Deutschland", sagt er. Foto: Wolfgang Teipel
Projektleiter Prof. Dr. Dr. Thomas Uhlig freut sich über die OP-Säle mit Tageslicht. „Eine Rarität in Deutschland“, sagt er. Foto: Wolfgang Teipel

Alles ist streng funktional ausgerichtet. Ein wenig Luxus für Patienten und Mediziner muss allerdings sein. Vier der neuen OP-Säle im Klinikum Hellersen verfügen über Tageslicht. „Eine Rarität in Deutschland“, sagt Prof. Dr. Dr. Uhlig. Während er sich bei der Arbeit am kurzen Blick aus dem Fenster erfreut, können Patienten bei der Einfahrt in die Schleuse zu den Operationssälen schnell noch einen Blick zwei beruhigend wirkende Tiefsee-Szenarien werfen. Bunte Fische schweben durchs Wasser, eine Meeresschildkröte bahnt sich den Weg – in manchen Momenten kann Krankenhaus durchaus schön sein . . .

Neues zweigeschossiges Zwischenlager

Seit Montag sind auch die beiden letzten OP-Säle eingeräumt. Das neue zweigeschossige Zwischenlager, in dem OP-Zubehör aller Art vorgehalten wird, ist befüllt. Grund genug für OP-Manager Stephan Haarmann einen Moment der Entspannung zu gönnen. Der TACH!-Redakteur entließ er am Montag mit einem breiten Grinsen und deutete auf die OP-Säle: „Auf Wiedersehen, aber hoffentlich nicht so bald.“ Ehrlich gesagt: Bei allem Vertrauen in die Technik und die Hellersen-Mitarbeiter – ein gemütliches Treffen in der Cafeteria wäre mir auch lieber . . .

Hellersen
Beruhigende Bilder am Eigang der OP-Schleuse, hochauflösende Monitore in den OPs, perfekt eingeräumte Schränke, letzte Handgriffe und ein Päuschen im neuen Personalraum. Collage: Wolfgang Teipel

 

Unterstütze uns auf Steady

1 KOMMENTAR

  1. Hat das Klinikum nicht sowieso ein Hygieneproblem? Ich konnte es nicht fassen, als ich die Bilder der neuen Op-Conainer sah und Rippenheizungen verbaut sah. Das kennt doch jeder von zu Hause, daß das eine Tummelplatz für Staub und Bakterien ist.Wie oft und wie gründlich soll den dazwischen saubergemacht werden? Also ich persönlich möchte dort nicht offen herumliegen…

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here