Onkel Fisch
"Onkel Fisch" gaben von der ersten Sekunde bis zum Ende ihres Programms einschließlich mehrerer Zugaben einfach alles. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Das Duo Onkel Fisch gibt alles. Von der ersten Sekunde bis zum Ende ihres Programms einschließlich mehrerer Zugaben hielten Adrian Engels und Markus Riedinger am Samstagabend das Publikum der Lüdenscheider Kleinkunsttage in Atem. Egal, was die beiden Comedians anpackten: Der Beifall war ihnen sicher.

Die schwarzen Anzüge sind nur eins ihrer Markenzeichen. Sie lieferten den Einstieg in eine furiose Show. „Trump-Streetware“ heißt der neue Look. Eigentlich braucht ihn jeder. „Das Besondere ist, dass an diesem Anzug alles abperlt“, pries Adrian Engels das Wunder-Textil. Das sei wichtig für Deutschlands Lobbyisten. Diese Einflüsterer, denen kein Trick zu billig ist, ziehen Onkel Fisch gekonnt durch den Kakao.

Damit es jeder sehen kann, wechselt der prall mit Geld gefüllte Umschlag seinen Besitzer in Zeitlupe. In Wirklichkeit geht’s natürlich in Sekundenschnelle. Foto: Wolfgang Teipel

Die Vollblut-Kabarettisten sprechen in ihrer Show „Neues aus der Lobbythek“ das aus, was manche nicht mal zu denken wagen. Natürlich müsse man wissen, wie man den typischen Lobbyisten erkennen kann. Zum besseren Verständnis dafür nehmen sie sich die Tierwelt zu Hilfe, damit man diese besondere Spezies Mensch auch in freier Wildbahn erkennt: „Der Lobbyist aus der Familie der Raffzähne ist ein Beuteltier. Ein Beuteltier, das sich den kleinen Beutel den lieben langen Tag lang vollstopft“, erklären die zwei in bester Heinz-Sielmann-Manier. Es folgt anschauliche Slowmotion-Präsentation der Spezies in der Paarungszeit. Jeder soll schließlich sehen, wie der mit Geld prall gefüllte Umschlag den Besitzer wechselt.

Der Hintergrund ist meistens bitterernst

Der Hintergrund bei Onkel Fisch ist meistens bitter ernst. Warum leiden mehr als 35 Millionen Menschen in Deutschland an Bluthochdruck? Na klar: Weil es die Lobbyisten zusammen mit der Medizin geschafft haben, den Grenzwert immer weiter zu senken. Und warum das? Weil die Pharmaindustrie immer weiter wachsen muss.

Weltmeister, Weltmeister – dank perfektem Lobbyismus. Foto: Wolfgang Teipel

Und deshalb ist Deutschland Weltmeister oder zumindest Top beim Verkauf von Pillen für das Wohlbefinden bis zum Handel mit Panzern oder Munition. Die Sache mit den militärischen Export-Artikeln aller Art ist eigentlich ganz einfach. „Onkel Fisch“ zitieren Joachim Pfeiffer, den wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Wir verkaufen den Frieden in die Welt.“ Mit Waffen. Da bleibt einem das Lachen schon mal im Hals stecken.

Die böse Lügenpresse

Onkel Fisch setzen immer wieder noch einen drauf. Da ist die böse Lügenpresse, die den weinenden „Würstchen-Uli“ Hoeneß oder die arme Alice Schwarzer durchs ganze Land gejagt hatte, ohne sich dabei über die Gefühle der beiden Gedanken zu machen. Und weil die ARD sich mehr darüber mokiert, wenn ein Karnickel in den Wald furzt, anstatt über gebeutelte Milliardäre zu berichten, übernehmen die beiden Comedians diese Aufgabe kurzerhand selber und machen ihren eigenen „Brennpunkt“. Menschen auf 137 Meter langen Yachten stranden an Sonneninseln und landen als erstes in der Champagner-Lounge. Wie furchtbar.

„Let’s Werdohl make great again“

Adrian Engels und Markus Riedinger haben selbst einen Riesen-Spaß an ihrer Show. Das überträgt sich auf das Publikum. Als Markus Riedinger, kostümiert wie ein sichtlich verwirrter Donald Trum, ruft: „Let’s make Werdohl great again“, seinen Irrtum bemerkt und schnaubt „Fuck Werdohl“ und eine Mauer zum Lennetal bauen will, tobt das Publikum. Es merkt: Hier läuft Kabarett vom Feinsten.

Beim Wettbewerb um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“ der Sparkasse Lüdenscheid in der zur Kleinstkunstbühne umgebauten Theatergarderobe des Kulturhauses tritt am Sonntag, 5. März, Thorsten Bär auf. Lucy van Kuhl präsentiert ihr Programm „Fliegen mit dir“ am Dienstag, 7. März. Den Schlusspunkt im Kabarettisten- und Comedian-Wettbewerb setzt am Samstag, 11. März, Jacqueline Feldmann. Das Publikum ermittelt den Gewinner. Bei den Vorstellungen liegen Stimmkarten aus.

Tickets sind an der Abendkasse zu erhalten.

„Onkel Fisch“ ist immer in Action. Foto: Wolfgang Teipel

 

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