Die Wohnungen an der Gartenstraße, ein Klassiker. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Die Stadt muss ran. Pro Jahr müssen 100 bis 130 Wohneinheiten gebaut werden, davon 50 Prozent Ein- und Zweifamilienhäuser und 50 Prozent Mehrfamilienhäuser. Klare Worte von Thomas Abraham, Diplom-Geograph vom Büro empirica. Am Mittwochabend informierte Abraham rund 30 interessierte Bürger, Politiker, Vertreter aus Organisationen, Vereinen und der Immobilien- und Wohnungswirtschaft über das Handlungskonzept Wohnen. Die Stadt Lüdenscheid hatte es in Auftrag gegeben, um Wege zu finden, wie die Zukunft der Stadt gesichert werden kann.



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Martin Bärwolf (Fachbereichsleiter Planen und Bauen), Martin Aßmann (Fachdienst Stadtplanung und Verkehr) und Christian Vöcks (Fachdienstleiter Stadtplanung und Verkehr) boten sich einmal mehr als Gesprächspartner an.

Thomas Abraham (Büro empirica), Christian Vöcks, Martin Bärwolf und Martin Aßmann (Stadt Lüdenscheid) informierten über das Handlungskonzept Wohnen. Foto: Elke Teipel

„Krank geschrumpft“

Das Ziel ist klar formuliert: Die Zahl von 75.000 Einwohnern halten und neue anziehen. Zurzeit sieht es mau aus, denn es fehlt Wohnraum. Martin Bärwolf räumte ein, die Stadt habe das Thema eher gebremst behandelt. „Krank geschrumpft“ kommentierte Thomas Abraham die Bauaktivitäten. 60 Wohneinheiten pro Jahr – das Niveau sei „ungesund wenig“, im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Größe „nicht exorbitant hoch“.

Weiterdenken, innovative Wohnformen

Zur Lage der Stadt: Der Wohnungsbestand ist relativ alt, Bindungen für Sozialwohnungen laufen aus, kaum neue in Sicht. Es gibt viel zu tun. Familien, junge Menschen – Hochschulstandort Lüdenscheid – ältere Menschen, sie alle brauchen Wohnraum, der auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Also auf der einen Seite Bestandsentwicklung, d.h. Umbau, Renovierung, Sanierung von Häusern und Wohnungen. Unterstützung und Beratung solle ein Netzwerk geben (Architekten, Energieberatung, Finanzierer und Wohnungsunternehmen). Auf der anderen Seite: Neubau.

Netzwerk und Kümmerer

Neben den Wohnungsbaugesellschaften sollen private Eigentümer angesprochen werden. Viele Häuser gehören Privatleuten. Ganz wichtig findet der Fachmann von empirica ein Weiterdenken. Modellprojekte und innovative Wohnformen sollten mit einbezogen werden. Pflege sollte stärker integriert werden. Die Stichworte lauten Quartierspflegekerne, Servicestützpunkte, Nachbarschaftscafé. Diese Bereiche sollten von Anfang an berücksichtigt werden, empfahl Thomas Abraham mit Blick auf die Bebauung der Rätherwiese.

Am Vogelberg wird gebaut. Foto: Wolfgang Teipel

Die Stadt müsse auch in die Zukunft blicken: „Was passiert nach 2020?“ Es müssen Perspektiven entwickelt werden und heute schon angestoßen werden, mahnte Abraham. Fachbereichsleiter Martin Bärwolf stellte fest: „Wir kommen an unsere Grenzen“ und blickte dabei u.a. auf den Klassiker der Wohnbebauung an der Gartenstraße.

Umwandlung ist teuer

Bärwolf ist davon überzeugt: „Es geht nur über Neubauten“. Für Neubauten braucht die Stadt neue Flächen. „Umwandlung ist schwierig, im Regelfall unglaublich teuer“, sagt der Fachbereichsleiter. Die Stadt stehe für verantwortungsvollen  Umgang mit Flächen. Aber auch mit Blick auf den Klimaschutz müsse die „elende Gurkerei“ der Einpendler verringert werden.

„Elende Gurkerei“ beenden

Und nun? „Wir müssen uns kümmern“, sagen Stadt und die Autoren des Handlungskonzeptes. Sie machen deutlich: Für die Umsetzung braucht man den Kümmerer. Das ist eine Person in der Verwaltung, die am Ball bleibt, die immer wieder analysiert „wo stehen wir?“, die die Diskussion mit der Bevölkerung führt, die den Wohnungsmarkt beobachtet, die die Dynamik in die Planungen mit einbezieht. Martin Bärwolf: „Wir müssen uns dem Thema mehr als bisher widmen“. Jetzt sind die Fachausschüsse gefragt.

 

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