Sozialdezernent Thomas Ruschin und Annette Moldenhauer als Vorstandsvertreterin der Sparkasse unternahmen mit Dr. Carolin Krüger-Bahr und Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen (hier vor einem Bild von Diana Rattray) eine Vorbesichtigung.

Lüdenscheid. Die Städtische Galerie Lüdenscheid zeigt vom 24. Oktober 2015 bis 7. Februar 2016 die Ausstellung „KinderLeben – einst und jetzt“. Ausstellungbesucher können anhand ausgezeichneter Werke eine kunstgeschichtliche Zeitreise zum Thema Kinderporträts und –Darstellungen unternehmen. Die Gemälde öffnen den Blick auf den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Kindern.

Dreijährige als Ehekandidatin

„Gleich der Knaller“, sagt Dr. Susanne Conzen, Leiterin der Städtischen Galerie, bei der Vorbesichtigung. Ein großformatiges Gemälde im ersten Ausstellungsraum zeigt ein etwa dreijähriges Kind, ausstaffiert mit allen Attributen einer jungen Frau mit Blumen und blütenverzierten Haar und einem Hund. Die Blumen verweisen auf Flora, in der römischen Mythologie die Göttin der Blüte. Der Hund galt ehemals als Symbol für Treue und Unschuld – ein Werk mit einer klaren Absicht. „Schon als kleines Kind wird dieses Mädchen aus ideale Ehekandidatin angepriesen“, sagt Susanne Conzen.

Die Brüder Friedrich Wilhelm und Werner Berg - ein Werk von Frederick Vezin aus dem Jahr 1904.
Die Brüder Friedrich Wilhelm und Werner Berg – ein Werk von Frederick Vezin aus dem Jahr 1904.

Tatsächlich wurden solche Kinderporträts von der Aristokratie und anderen begüterten Familien in Auftrag geben, um den Nachwuchs standesgemäß zu präsentieren und ihn später standesgemäß vermählen zu können

Die Auswahl der Exponate erstreckt sich von Gemälden des 17. Jahrhunderts über Kinderdarstellungen Anton Graffs, Johannes H. W. Tischbeins bis zu Werken von Käthe Kollwitz, Edvard Munch und Conrad Felixmüller.

Anmalen gegen das Heile-Welt-Klischee

Sein Bild „Kinderbewahranstalt“ zeigt ein offenbar aggressives Kinder vor einem baufälligen Gebäude. So stellt Felixmüller das gängige Heile-Welt-Klischee in Frage. Ganz anders das Bild der Brüder Friedrich Wilhelm und Werner Berg von Frederick Vezin aus dem Jahr 1904. Die Abkömmlinge der Lüdenscheider Familie präsentieren sich im Matrosenanzug und stolzer Pose als die künftigen Macher.

Sozialpolitische Relevanz

Die Gegenwartskunst, etwa von Hongku Kwon, einem Schüler von Erich Reusch, Simone Lucas oder Diana Rattray thematisieren die Gefahren und Verwundungen, denen Kinder in der heutigen Gesellschaft ausgeliefert sind. „Eine Ausstellung auch von sozialpolitischer Relevanz mit Blick auf die Rechte von Kindern“, sagt Thomas Ruschin, Sozialdezernent der Stadt Lüdenscheid. Für Vergangenheit und Gegenwart gelte gleichermaßen: „Es ist durchaus keine Selbstverständlichkeit, dass Kinderrechte umgesetzt werden.“

Ausstellung für alle Generationen

Er wünscht sich, dass möglichst viele junge Menschen und Entscheidungsträger aus dem Bereich der Sozial- und Jugendpolitik diese Bilder sehen. „Es ist eine Ausstellung für alle Generationen“, betonte Susanne Conzen. Das spiegele sich auch im umfangreichen Begleitprogramm wider.

KinderLeben
Ein Werk von Hongku Kwon, einem Schüler von Erich Reusch.

So soll bei einer Veranstaltung am 13. Januar die Galerie zum direkten Begegnungsort und Brückenkopf zwischen den Generationen werden. In einer Art Workshop werden an diesem Tag Schüler eines Lüdenscheider Gymnasiums und Bewohner eines Seniorenzentrums miteinander ins Gespräch kommen.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Land NRW, Ministerium für Familie, Kinder, Kultur und Sport, die Sparkasse Lüdenscheid sowie die Kunstfreunde e. V. Lüdenscheid und die Firma Fischer elektronik Lüdenscheid.

Öffentliche Führungen jeweils sonntags am 25. Oktober, 8. und 22. November, 6. und 12. Dezember, 3., 17. und 31. Januar sowie 7. Februar (Beginn jeweils umm 15 Uhr).

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