„Wer immer wieder dasselbe sagt, hat Recht.“ Schnarrend wie aus einem Volksempfänger kommt der Satz aus einem Lautsprecher, mit dem sich Max Uthoff Richtung Bühne bewegt. Eine Behauptung eines Einpeitschers-. – Der Münchner Kabarettist belegt in seinem zweistündigen Programm in Meinerzhagen, dass der Mechanismus funktioniert.

Max Uthoffs „Gegendarstellung“ in Meinerzhagen

Uthoff, der zusammen mit Claus von Wagner seit einem Jahr die ZDF-Sendung „Die Anstalt“ präsentiert, rechnete auch in Meinerzhagen mit Politik und Religion ab. Seine Zielscheibe vor allem: der Kapitalismus und seine neoliberalen Stichwortgeber. Seit 2007 ist der Jurist, der Bühnenerfahrung im Münchner Rationaltheater sammelte, das sein Vater führte, mit Solo-Programmen unterwegs. Die Lüdenscheider Lüsterklemme war 2008 einer der ersten bekannteren Preise für den Newcomer. Nicht so bekannt wie Volker Pispers oder Hagen Rether, hat sich Uthoff längst in die Champions League deutschsprachiger Kabarettisten gespielt. 2011 erhielt er den Deutschen Kabarettpreis, ein Jahr darauf den Deutschen Kleinkunstpreis.

Analyse und Enttarnung
Max Uthoff: „Wer immer wieder dasselbe sagt, hat Recht.“ Foto: Rüdiger Kahlke

Völlig zu Recht. Schneidend scharf, hintergründig, faktensicher analysiert er, verunsichert, enttarnt Tricks, Täuscher und Ideologen. Mautgebühren entstanden aus „einem Abrieb bayerischer Stammtische“ oder die CSU-Forderung, dass in der Familien deutsch gesprochen werden sollte, demaskierte er. Angesichts der blau-weißen Unabhängigkeitsrituale folgert Uthoff, dass „Separatismus keine schlechte Sache sein muss.“ Den Grünen bescheinigt er angesichts der Option auf Schwarz-Grün bei nächsten Wahl von der SPD gelernt zu haben. „Wer in den Hafen der großen Koalition segeln will, muss zuerst seine Grundsätze über Bord werfen.“ Demokratiefeindliche Tendenzen machte er bei der AFD aus, deren wirtschaftlicher Berater empfohlen habe, den unteren Einkommensschichten das Wahlrecht u entziehen.

Als scheinheilig entlarvt er Restriktionen bei Waffenexporten, schildert die Kreisläufe des Todes und die Doppelmoral. Während sich alle Welt über die Gräueltaten und Enthaupten durch die IS aufregt, sind Hinrichtungen in Saudi-Arabien auch in der Presse kaum ein Thema. „Wenn der Handelspartner Leuten den Kopf abschlägt macht das ja der Vertragspartner“, weiß Uthoff um die Nachsicht gegenüber Katar oder Saudi-Arabien. Aber mit dem Argument der Gefährdung von Arbeitsplätzen lasse sich alles begründen, abgenickt auch von den Gewerkschaften.

Der Mythos vom Leistungsträger
2015_Uthoff_Kabarett
In der Zugabe zeigte Max Uthoff: Witzig kann er auch. Foto: Rüdiger kKhlke

Den Kapitalismus schildert er als die Religion schlechthin. Dem freien Markt werde mehr Intelligenz zugesprochen als den Menschen. Seine Gotteshäuser sin die Filialen von Deutscher Bank und anderen Geldhäusern, die Propheten sind die Wirtschaftsweisen, die Rituale das Glockengeläut zum Börsenschluss, die Heilige Schrift Magazine wie „Capital“ und alles wird durchweht vom Mythos der Leistungsträger und der immer gleichen Warnung vor Belastung durch Steuern. Dabei dürfte keiner mehr verdienen als eine Krankenschwester. – Die arbeitet hart bei hoher Verantwortung. Und der Begriff „Generationengerechtigkeit“ wird zur Legitimation für sozialstaatlichen Kahlschlag. Auch wenn all diese stets wiedergekäuten Wirtschaftstheorien längt widerlegt sind: „Wer immer dasselbe sagt, hat Recht“. Da taucht sie wieder auf die Suggestion aus dem Lautsprecher.

Mittelstand gefügig gemacht

Der Kapitalismus ist die Religion, die den Gläubigen ihre Moral abtrainiert. Die Cheftrainer sind für den Kabarettisten Gerhard Schröder und Franz Müntefering. Sie haben es geschafft, die Arbeitslosen als Feinde des Systems zu brandmarken. Die Folge: Der Mittelstand hat Angst vor Arbeitslosigkeit und Abstieg. Angst aber macht gefügig.

Zwei Stunden harte Kosten, Fakten. Zwei Stunden, an dem auch der Lack von Hans-Joachim Gauck Risse bekommt („Präsidentenhaubhitze aus Rostock“). Viel zu lachen hatte das Publikum in der Stadthalle nicht. Reichlich Beifall für Max Uthoff gab es trotzdem. Endlich mal wieder einer, der Klartext redet. Der aber auch Verständnis dafür hat, dass sich Menschen mal amüsieren wollen. Dieses Bedürfnis bediente er dann auch noch – in der Zugabe. Witzig kann er auch.

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here