Vertreter der "Kampagne gegen Rechts" trafen sich zu einem gemeinsamen Pressetermin in der evangelischen Kirchengemeinde Oberrahmede. V.l.n.r.: Pastorin Monika Deitenbeck-Gosenberg, Fabian Ferber, Bernd Benscheid, Axel Wendt, Matthias Wagner, Klaus Majoress und Bernd Schildknecht. Fotos: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Eine große „Kampagne gegen Rechts“ startet am 12. April auf dem Sternplatz in Lüdenscheid. Dann nämlich laden die Vertreter von Verbänden, Parteien und Kirchen zu einer gemeinsamen „Aktion für die Erhaltung und Bewahrung der Demokratie in Europa“ ein. Wie Pastorin Monika Deitenbeck-Gosenberg ausdrücklich betonte, ist dies eigentlich nicht eine Kampagne gegen, sondern für etwas. Nämlich für Menschenrechte, für ein gemeinsames friedliches Europa und für eine freiheitliche Grundordnung. Jede Generation muss sich – nach Meinung der in der Oberrahmede versammelten Vertreter dieser Aktion – aufs neue ihre Grundrechte erobern. Und für das Geschaffene einstehen, dafür sorgen, dass einmal Erkämpftes erhalten bleibt. Und das Grundrecht jeder Demokratie in Anspruch nehmen und zu den Wahlen gehen. Um einen Rechtsruck zu verhindern.



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Besondere Brisanz erhält diese Forderung angesichts des Super-Wahljahres 2017, das einige extrem konservative Elemente in ganz Europa gerne zum Anlass nehmen würden, die bestehende Demokratie mit angsteinflößenden Zukunfstszenarien zu demontieren.

Die Würde des Menschen

Die Gewerkschafter Fabian Ferber und Bernd Benscheidt sowie Superintendent Klaus Majoress. (v.l.n.r.)

Aber warum kämpfen? Oder zu den Wahlen gehen? Weil das Grundgesetz Deutschlands z.B. eine direkte Folge aus dem verheerenden Zweiten Weltkrieg ist. Und geschaffen wurde von Frauen und Männern, die Überlebende einer Diktatur waren und noch genau wussten, wie es sich anfühlt, wenn es weder Meinungsfreiheit noch Frieden im Land gibt.

Viele der „Mütter und Väter“ des deutschen Grundgesetzes waren Überlebende aus Konzentratonslagern und aus dem Widerstand, hatten Stalingrad hinter sich oder hatten in den Gefängnissen der Gestapo gesessen. Sie waren sich sehr bewusst, wovon sie redeten, als sie von der unantastbaren Würde des Menschen sprachen.

Heute, 70 Jahre später, ist rechtes Gedankengut wieder salonfähig. Ob in der Türkei, den Niederlanden, Frankreich oder vor der eigenen Haustür, überall hört man sie, die Stimmen derer, die die Menschen davon zu überzeugen suchen, ihre Freiheit und ein Leben in einem geeinten demokratischen Europa, gegen vermeintliche Sicherheiten und Separatismus einzutauschen. Man sehnt sich nach dem „starken Mann“, imaginiert extrem konservative Zeiten, in denen der eigene Staat wieder „was gilt“ in der Welt.

Ein gemeinsamer Nenner

Sie alle haben einen gemeinsamen Nenner gefunden!

Und vergisst dabei, dass Europa eine friedliche Gemeinschaft ist, wie es sie so noch niemals gegeben hat.

Faschistoides Gedankengut ist in manchen Bevölkerungsteilen heute wieder chic, was man an den vielen Hass-Kommentaren z.B. auf Facebook jeden Tag hautnah erlebt.

Dem entgegen zu stehen, hat sich diese Kampagne zusammengefunden. Wer den von Jugendrefent Daniel Scharf kreierten Flyer einmal herumdreht, wird feststellen, dass sich hier außer den beiden Landeskirchen auch sämtliche demokratischen Parteien, die Gewerkschaften, der Integrationsbeirat, die Ge-Denkzellen Lüdenscheid, der Stadtjugendring, der Verein „Wir hier“ und viele, viele andere mehr, diesem Aufruf, am 12. April ein sichtbares Zeichen gegen Rechts zu setzen, angeschlossen haben.

Man hat wohl selten auf einem Flyer die CDU, die Jusos, Verdi, die DKP und die Kirchen so einträchtig nebeneinander präsentiert gesehen. Hier hat man einen gemeinsamen Nenner gefunden, nämlich den unbedingten Willen, etwas so einmaliges wie Europa und seine Demokratie zu schützen und dafür auch öffentlich einzutreten. Man ist versucht „geht doch“ zu sagen und wünscht sich von dieser Einheit unter den sonstigen „Streithähnen“ viel, viel mehr.

Das Programm

Die Veranstaltung am 12. April beginnt um 16.30 Uhr auf dem Sternplatz mit einer Eröffnungsrede durch Monika Deitenbeck-Gosenberg. Sie führt auch als Moderatorin durch die Veranstaltung.

Bürgermeister Dieter Dzewas wird die Anwesenden begrüßen, Tlako Mokgadi vom Verein „Wir hier“ wird das musikalische Rahmenprogramm gestalten. Insgesamt sechs Vertreter der Gewerkschaften und der Kirchen werden jeweils drei Minuten zu den versammelten Menschen reden. Danach geht es weiter mit einer Gedenkminute für Europa und die vielen Opfer des dritten Reiches. Pastor Holger Reinard wird dann die Europahymne auf der Trompete spielen und der Flüchtling „Fischa“ aus Eritrea wird ein Lebens-Zeugnis geben, das deutlich macht, wie wichtig es ist, Menschen wie ihn, bei uns aufzunehmen. Den Ausklang der Veranstaltung wird eine kleine gemeinsame Aktion gestalten, in der sich die Anwesenden gegenseitig Frieden wünschen.

„Kampagne gegen Rechts – für Menschenrechte hier und im gemeinsamen Europa“, 12.April 2017, Sternplatz Lüdenscheid, Beginn 16.30 Uhr, für mehr Information: http://www.wir-gegen-nazis.de

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