Die junge Lüdenscheiderin auf dem Wrack der Capella. Foto: Privat/ Märkischer Kreis

Lüdenscheid. So netten Besuch bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisleitstelle der Feuerwehr auch nicht alle Tage. Eine junge Dame war gekommen, um sich mit Norderneyer Wurstwaren für die Hilfe aus der Feuerwehrzentrale des Märkischen Kreises am Dukatenweg in Lüdenscheid zu bedanken, die ihr wahrscheinlich das Leben rettete.

Ausflug zum Capella-Wrack

Und das war passiert. Die 22-jährige Lüdenscheiderin, die ihren Namen nicht nennen möchte, war zwischen den Feiertagen mit ihrem zwei Jahre jüngeren Freund auf der Nordseeinsel Norderney, um einige entspannte Tage zu verbringen. Auch der 28. Dezember begann verheißungsvoll. „Wir waren um 14 Uhr am Leuchtturm und wollten dann noch zum Wrack der Capella.“ Ganz am Ende, an der Ostspitze Norderneys, befindet sich das Wrack des ehemaligen Schillsaugers Capella. Es liegt seit Frühjahr 1968 inmitten unberührter Natur im Naturschutzgebiet und ist nur zu Fuß zu erreichen.

Abholen funktioniert nicht

Im Internet darauf hingewiesen, dass es kein kurzer Spaziergang ist. Weiter heißt es dort: „Man sollte so gut zu Fuß sein, dass man die 14 km schafft, denn abholen funktioniert nicht. Wenn die Flut höher als normal angekündigt ist, sollte man erst Einheimische fragen, bevor man losgeht. Hubschrauberbergungen waren schon erforderlich.“

Mutter hatte gewarnt

Ein kurzer Anruf per Handy in die Heimat, dann sollte es auf den Fußmarsch zum Wrack ge-hen. „Meine Mutter hatte uns noch gewarnt“, erinnert sich die 22-Jährige. Es wird schnell dunkel in dieser Jahreszeit, und dann verliert man die Orientierung. Einige Tage zuvor hatte es eine Sturmflut gegeben, die hatte das Gelände verändert.

„Wir waren uns sicher, das passt schon. Es war ja erst 15 Uhr“, erinnert sich die junge Frau. Weil sie aber um die zunehmend volllaufenden Priele herumlaufen mussten, verlängerte sich der Weg deutlich. Außerdem wurde es von Minute zu Minute dunkler. „Ab 17 Uhr konnten wir nur noch mit dem Licht unserer Taschenlampe den Fußspuren der vor uns Gelaufenen folgen. Das ging aber auch nicht mehr lange“, erzählt die Lüdenscheiderin.

Wo ist das Meer, wo ist der Strand?

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Die Priele liefen schnell voll Wasser. Foto: privat/Märkischer Kreis

Inzwischen stieg das Wasser immer stärker, die Flut kam. „Wir wussten nicht mehr, wo ist das Meer, wo der Strand war, und wo es zurück zum Parkplatz geht.“ Die 22-Jährige rief in Panik ihre Mutter, eine Norderney erfahrene Frau, per Handy in der Heimat an. Es war schon weit nach 18 Uhr.

Jetzt kam die Kreisleistelle in Lüdenscheid ins Spiel. Disponent Christian Hesse und Lagedienstführer Falk Sebening hatten Dienst, als der Hilferuf der Mutter um 18:57 Uhr einging. Sie nahmen Kontakt zur zuständigen Feuerwehr-Leitstelle Friesland in Aurich auf, schilderten die Notlage. Von dort wurde die Freiwillige Feuerwehr auf Norderney alarmiert.

Handy-Ortung

„Davon wussten wir gar nichts. Wir hatten gedacht, Mutter ruft selbst die Feuerwehr auf Norderney an“, erinnert sich die 22-Jährige. Die Rettungsmannschaft sendete eine SMS auf das Handy des Lüdenscheider Pärchens. „Die mussten wir aktivieren, dadurch konnten sie uns orten.“

Nur 15 Minuten nachdem der Notruf der Mutter in der Kreisleitstelle der Feuerwehr am Dukatenweg in Lüdenscheid eingegangen war, konnte das Paar gerettet und wohlbehalten zurück zur Ferienwohnung gebracht werden. Für die Hilfe bedankten sich die Kurzurlauber mit einer Kiste Bier und einer Packung Schokolade bei der Freiwilligen Feuerwehr auf Norderney. Die Wurstwaren lieferten sie mit einem dicken Dankeschön an der Leitstelle in Lüdenscheid ab.

Ob die Rettungsaktion für die beiden ein finanzielles Nachspiel hat, weiß die junge Frau noch nicht. „Das entscheidet die Stadt Norderney. Von dort bekommen wir eventuell eine Rechnung.“

 

 

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