Von links: Sigrid Wiese-Bertels, Thomas Bell, Michael Schröder, Ausschussvorsitzender Klaus Salscheider, Hans-Peter Kapitain, Christoph Wilk, Daniel Paschke und Mike Waller Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Am 3. Mai wird ein Jugendforum zur Landtagswahl stattfinden. Das kündigte Thomas Bell vom Jugendzentrum Plettenberg in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Mittwoch (8. März) an.

„Wir haben die Zusagen von fünf Politikern“, berichtete Bell. Die Plettenberger Jugendlichen können ihre ganz persönlichen Themenwünsche für das Forum äußern. Dafür steht eine Wunschbox im Jugendzentrum Alte Feuerwache. Darüber hinaus können Themenwünsche per E-Mail an jugendzentrum@plettenberg.de oder über die Facebookseite des Jugendzentrums geschickt werden. Den Ablauf der Veranstaltung macht das Organisationsteam von der Beteiligung der Jugendlichen abhängig. „Wir stellen uns vor, dass die Jugendlichen in kleinen Gruppen eine Art Speed Dating mit den einzelnen Politikern machen können“, erläuterte Thomas Bell. Sollte das junge Publikum nicht so zahlreich sein, würde eine gemeinsame Runde mit allen Politikern durchgeführt. Eingeladen sind alle interessierten Jugendlichen ab etwa 16 Jahre, vor allem Erstwähler, die gerade 18 geworden sind.

Das Jugendforum zur Landtagswahl 2017 findet statt am 3. Mai ab 17 Uhr im Jugendzentrum Alte Feuerwache, Im Wieden 2.

Jugendliche wünschen bessere Busanbindung und WLAN-Ausbau

Daniel Paschke und Mike Waller berichteten vom Jugendforum im November. Foto: Bernhard Schlütter

Beim Jugendforum im November 2016 waren Mike Waller und Daniel Paschke von den Jugendlichen als ihre Vertreter gewählt worden. Die beiden gehören dem Jugendhilfeausschuss als beratende Mitglieder an. Am Dienstag berichteten sie über die Anregungen und Wünsche, die im November besprochen worden waren. „Wir hatten die mangelnde Pflege der Familienwiese am Aqua Magis kritisiert. Da hat sich inzwischen schon etwas getan“, freute sich Daniel Paschke.

Darüber hinaus hatten die Jugendlichen die ÖPNV-Anbindungen der Ortsteile (z.B. Oesterau) kritisiert. Die Anruflinienfahrten, kurz Alf, der MVG seinen keine geeignete Alternative zu regelmäßigen Linienfahrten. „So lange plant doch keiner im Voraus“, stellte Mike Waller fest. Er berichtete auch, dass nach Ende der Spätschicht in den Betrieben im Industriegebiet Köbbinghauser Hammer kein Linienbus mehr in die Stadt fahre. „Der letzte Bus fährt um 21.45 Uhr.“ Ausschussmitglied Helge Staat (SPD), der Plettenberg im Aufsichtsrat der MVG vertritt, hörte genau zu und versprach, sich um das Thema zu kümmern.

Eine weitere Anregung der Jugendlichen betrifft das im vergangenen Jahr eingerichtete öffentliche WLAN in Plettenberg. Hier wünschen sie sich nach Beendigung der Testphase einen Ausbau der jetzt auf 300 MB pro Tag begrenzten Nutzbarkeit.

Waldkindergarten ab Januar 2018

Im Kindergartenjahr 2017/2018 werde es nach jetzigem Stand 791 Plätze in 14 Kindertageseinrichtungen (Waldkindergarten-Inbetriebnahme in Holthausen geplant ab 1. Januar 2018) geben, erklärte Fachgebietsleiter Hans-Peter Kapitain. Davon stehen 166 Plätze für unter dreijährige Kinder zur Verfügung. Weitere 20 Plätze können durch die Kindertagespflege gedeckt werden. Außerdem seien die Träger der Kindertageseinrichtungen bereit, für eine Übergangszeit über die genehmigte Platzzahl zusätzliche Kinder aufzunehmen. Auch für die folgenden Jahren weist die Kindergartenplanung eine Abdeckung von über 90 Prozent für das Stadtgebiet aus. Vor diesem Hintergrund stimmten die Ausschussmitglieder dieser Planung einstimmig zu.

86 Jugendliche wurden 2016 straffällig

Aus der Jugendgerichtshilfe berichtete Sigrid Wiese-Bertels, dass im vergangenen Jahr 86 Jugendliche und Heranwachsende straffällig geworden seien. Bei insgesamt 1859 Jugendlichen in Plettenberg entspreche das einem Anteil von 4,6 Prozent. „Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vorjahren“, stellte Sigrid Wiese-Bertels fest. „Wirklich erklären können wir das nicht“, möchte sie keinen Trend daraus herleiten. Es könne daran liegen, dass einige Intensiv- und Wiederholungstäter inzwischen in Haft seien, genauso aber auch an der geringer gewordenen Polizeipräsenz in Plettenberg, heißt schlicht: Es werden weniger erwischt.

Der überwiegende Anteil der straffälligen Jugendlichen seien nach wie vor Jungs, nämlich 79 der 86. An erster Stelle der Delikte ständen Körperverletzungen oft unter Alkoholeinfluss, gefolgt von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dabei handele es sich vorrangig um den Konsum von Cannabis, aber die Zahl der Fälle von Amphetaminmissbrauch steige. „Das müssen wir beobachten.“

Foto: Bernhard Schlütter

Die Jugendgerichtshilfe begleitet die Jugendlichen bei den Strafverfahren. „Ich führe Gespräche mit den Jugendlichen und stelle fest, wie das Umfeld, die Familie beschaffen ist“, beschrieb Sigrid Wiese-Bertels ihre Tätigkeit. Aufgrund ihrer dabei gewonnenen Eindrücke spreche sie Empfehlungen ans Gericht aus. „Das vorrangige Ziel ist, durch erzieherische Maßnahmen auf die Jugendlichen einzuwirken. Dabei ist es ganz wichtig, dass der Jugendliche sich freiwillig darauf einlässt.“ Freiheitsentzug stände erst ganz am Ende der Reihe möglicher Maßnahmen. Allerdings müsse das in jedem Fall angepasst entschieden werden.

Auf Nachfrage erklärte Sigrid Wiese-Bertels, dass sie Kundschaft aus allen sozialen Schichten und aus allen Schulformen habe. Häufigste Ursache für Straftaten und soziale Auffälligkeiten sei, dass der Kontakt zum Elternhaus gestört oder verloren gegangen sei. In diesem Zusammenhang bemerkte Dietmar Rottmann (CDU), dass kriminelle Karrieren oft vorgezeichnet seien. „Wir müssen sehen, wo wir da eingreifen können, sonst verwalten wir nur die Zahlen.“

Hinter jeder Zahl ein Schicksal

Über die Arbeit des Allgemeinen Sozialen Dienstes gab Michael Schröder einen Tätigkeitsbericht ab, der hier (PDF) nachgelesen werden kann. Er stellte fest, dass die Fallzahlen in den vergangenen Jahren verhältnismäßig stabil seien, betonte aber: „Hinter jeder Zahl verbirgt sich ein Schicksal!“ Immer mehr Jugendliche würden zudem komplexe Verhaltensauffälligkeiten aufweisen. Das mache ihre Betreuung aufwändiger und damit letztendlich auch teurer.

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