Lüdenscheid. Kaum ein Club im Lüdenscheider Nachtleben freut sich aktuell über so viel Zulauf wie das Johnny Mauser unter dem Forum am Sternplatz. In diesen Tagen feiern Clubbetreiber Fabian Kärnbach und Phillip Nieland ihren 5. Geburtstag mit dem Johnny Mauser.

Ein Geburtstag, der nach anstrengenden ersten Jahren durchaus gefeiert werden darf. Seit einigen Jahren erfreut sich das Johnny Mauser wachsender Beliebtheit. Das führen die beiden Männer hinter dem Club vor allem auf ihr authentisches Auftreten, die faire Behandlung ihrer Gäste und ein in Lüdenscheid einzigartiges Club-Konzept zurück welches viel Wert auf Qualität legt und damit offenbar auch beim Publikum genau den Nerv der Zeit trifft.

Wir haben uns mit den beiden getroffen und sie zu, Johnny Mauser, ihrem neuen Club, dem Franz von Hahn in Menden, und dem Lüdenscheider Nachtleben im Allgemeinen befragt.

Wie seid Ihr dazu gekommen das Johnny Mauser zu eröffnen und warum sind für Euch andere Locations für Eure Partys nicht in Frage gekommen?

Fabian: Wir waren ja beide vorher schon in anderen Locations mit Partys vertreten. Phillip vor allem mit seinen Rock Inc.-Partys im Capitol/Pearl und ich mit einem Partner damals noch im Miaow-Club und im STOCK.

Phillip: Also die grundsätzliche Idee zu etwas Eigenem hatten wir schon gut 1 bis 1 1/2 Jahre vorher. Das ganze Thema lag lange bei uns auf dem Schreibtisch und Fabian meinte zu mir: „Bevor wir hier noch weiter rumlabern, lass es uns einfach machen.“ Und dann sind wir das damals relativ unbeholfen angegangen. Wir hatten einfach Bock auf was Eigenes und wollten mal was anderes machen. Vor allem auch anders als alle anderen in der Region. Und wir wollten uns an das Thema einfach ran wagen.

Als Veranstalter stößt Du irgendwann halt auch an Deine Grenzen. Du kannst Dich nie so verwirklichen, wie Du es vielleicht gerne würdest. Du kommst in eine Location rein und änderst im Kern nichts bis wenig an der Location an sich, vor allem an der Philosophie, wie so ein Laden betrieben wird. Auch wenn Du versuchst, der Veranstaltung den größtmöglichen, eigenen Charakter zu geben, stößt Du an Grenzen. Auch finanziell! Mit einer guten und erfolgreichen Party machst Du den Betreibern die Läden voll, verdienst aber eigentlich kaum Geld. Und irgendwann trittst Du als Veranstalter nur noch auf der Stelle. Und machst Dir Gedanken, wie es weitergehen könnte. Wo Entwicklungsmöglichkeiten sind. An diesem Punkt waren auch wir angekommen.

Was macht Euer Konzept im Johnny Mauser aus Eurer Sicht seit 5 Jahren erfolgreich?

Viel Arbeit war nötig um das Johnny Mauser wieder in einen herzeigbaren Club zu verwandeln als Nieland und Kärnbach in vor 5 Jahren übernommen haben. Foto: Johnny Mauser
Viel Arbeit war nötig um das Johnny Mauser wieder in einen herzeigbaren Club zu verwandeln als Nieland und Kärnbach in vor 5 Jahren übernommen haben. Foto: Johnny Mauser

Fabian: Ich denke, dass liegt zum Großteil daran, dass es in Lüdenscheid keine vergleichbaren Alternativen zu unserem Konzept gibt. Das klingt jetzt doof, ich will auch niemandem zu nahe treten, aber andere Läden legen zum Teil offenbar nicht so viel Wert auf Qualität, gute Acts und gute Partys, wie wir es im Johnny Mauser tun, sondern gehen da mehr auf Masse und Flatrate. Es ist halt keiner da, der versucht, den Lüdenscheidern mal etwas anderes zu bieten oder mal auf Subkulturen einzugehen. Vor allem im elektronischen Musikbereich gibt es da keine Location in Lüdenscheid, die so etwas bietet. Das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund für unseren Erfolg. Dass wir nicht jedes Wochenende die gleichen Leute ansprechen, sondern halt versuchen, jedes Wochenende andere Zielgruppen zu erreichen.

Das Johnny Mauser nach teilweise Abgeschlossenen Renovierungsarbeiten im Januar 2014. Foto: Johnny Mauser
Das Johnny Mauser nach teilweise Abgeschlossenen Renovierungsarbeiten im Januar 2014. Foto: Johnny Mauser

Phillip: Ich denke es ist noch ausschlaggebend, dass wir das, was wir machen authentisch machen, weil wir selbst noch Spaß daran haben. Wir kennen natürlich nicht mehr jeden Gast persönlich, aber wir und auch unser Personal bemühen uns immer, jedem Gast das Gefühl zu geben, willkommen zu sein und, dass wir ihn zu schätzen wissen. Zudem bieten wir auch Qualität zu einem fairen Preis. Es ist nicht so, dass wir versuchen aus unseren Gästen möglichst viel Geld heraus zu kitzeln. Bei uns gibt es fair-gemixte Getränke zu fairen Preisen. So fühlen sich die Gäste ehrlich und gerecht behandelt und darauf kommt es meiner Meinung nach auch an.

Der Hauptgrund warum wir das alles machen, ist tatsächlich aber noch der Spaß an der Sache. Natürlich müssen wir am Ende des Monats auch gucken, wo wir bleiben, aber die Hauptmotivation ist immer noch der Spaß an der Sache selbst. Und ich glaube, das ist nicht mehr bei allen Betreibern der Fall. Da wird oft mehr über Budgets gesprochen und Möglichkeiten diskutiert, wie man noch mehr Umsatz fahren kann. Wir wissen: wenn es mal nicht so läuft, müssen wir einfach noch mehr Gas geben. Und andere denken sich eben, jetzt läuft es grade nicht so gut – wir schrauben die Kosten runter. Das sind so Gedankengänge, die bei uns eindeutig anders sind.
Und wir sind gerne anders.

Es ist ja nicht so, dass wir eröffnet haben und dann ist das Konzept durch die Decke gegangen. Wir hatten früher von 8 Öffnungstagen vielleicht 2 gute. Natürlich haben wir unser Programm immer wieder diskutiert, aber wir wären nie von unserem Kurs abgewichen. Und unser Team hat einzigartig mitgezogen und an uns und unser Konzept geglaubt! Auch Lüdenscheid kann urban sein. Es gibt, bzw. gab ja auch andere Läden in Lüdenscheid. Die haben eröffnet, haben gesehen das Programm läuft nicht so gut und haben direkt das gesamte Konzept umgeworfen. Wir haben uns die Zeit aber gegeben und haben unser Ding, allen wirtschaftlichen Umständen zum Trotz, durchgezogen. Sicherlich haben auch wir im Laufe der Zeit das ein- oder andere geändert, sind dabei aber von unserem grundlegenden Weg nie abgewichen. Dann hat es drei Jahre gedauert und jetzt sind wir auch echt zufrieden, wie es läuft. Wir kämen nie auf die Idee Freitags das Eintrittsalter auf 16 zu reduzieren oder mit 2 für 1 Aktionen den Durchlauf zu erhöhen. Wir wollen auch weiterhin Metal, Goa, Reggae und Techno machen. Auch wenn wir wissen, dass wir an solchen Abenden manchmal nicht mehr als 100-150 Leute im Durchlauf haben. Aber damit sind wir zufrieden. Wir bedienen eine Zielgruppe und bekommen dafür ein positives Feedback und ehrliche Dankbarkeit! Unbezahlbar.

Vom Veranstalter zum Clubbetreiber. Ein großer Sprung. Was habt Ihr in 5 Jahren Johnny Mauser übers Nachtleben gelernt? Habt Ihr heute eine andere Sichtweise auf manche Dinge bekommen?

Phillip: Ich glaube, nicht wirklich. Das, was man schon als Veranstalter kennengelernt hat, hat sich weiter gefestigt und vertieft. Zum Beispiel, dass man nichts zu ernst nehmen darf, was im Nachtleben passiert. Für die Leute ist das immer noch wie ein Kurzurlaub. Sie gehen vor die Tür, weil sie abschalten wollen und Menschen kennenlernen wollen. Das darfst Du nie vergessen! Besucher benehmen sich auch gern mal daneben. Aber das darfst Du einfach nicht auf die Goldwaage legen. Aber das wussten wir halt auch vorher schon.

Und die eigene Authentizität und Leidenschaft für das Event- und Clubleben ist und bleibt die beste Basis für einen erfolgreichen Geschäftsbetrieb. Du musst das schon Leben, was Du da machst.

Das Wochenende gehört für Euch als Clubbetreiber ja nun zu den arbeitsreichsten Zeiten in der Woche. Wie sieht für Euch ein ganz normales Wochenende aus und was treibt Ihr in der Woche so?

Regelmäßige Ausflüge mit dem gesamten Team des johnny Mausers gehören zur Philosophie und stärken das "Wir Gefühl" im Team. Foto: Johnny Mauser
Regelmäßige Ausflüge mit dem gesamten Team des johnny Mausers gehören zur Philosophie und stärken das „Wir Gefühl“ im Team. Foto: Johnny Mauser

Phillip (grinst): Mein Wochenende sieht im Grunde so aus: Ich komme Freitagabend genervt aus dem Büro nach Hause, während andere Wochenende haben und dann geht es bei uns erst richtig los. Ein normales Wochenende ist oft viel Arbeit. Besorgungen machen, zur Bank fahren, Nachrichten und E-Mails checken. Wenig Schlaf! Ich lasse mir auch oft nachts noch die Besucherzahlen schicken. Fabian ist da entspannter. Manchmal mach ich mir meinem Kopf aber auch ein wenig mehr kaputt, als es sein müsste…

Fabian: Man muss aber auch mal sagen, dass wir super Personal haben. Wenn man bei anderen guckt, da stehen die Betreiber jeden Abend im Laden, schließen auf und schließen ab. Wir haben den Luxus, wirklich gutes Personal gefunden zu haben, was zum Teil von Anfang an dabei ist und worauf man sich wirklich verlassen kann. So können wir am Wochenende auch mal abschalten und müssen nicht unbedingt immer im Club stehen.

Phillip: Es kommt ja auch dazu, dass wir beide noch gerne selber vor die Tür gehen und feiern gehen, auch wenn das mittlerweile wahrer Luxus geworden ist. Das ist natürlich nicht so ausgeprägt, wie es früher war, weil die Zeit es einfach nicht mehr zulässt, aber zum Glück haben wir unsere Leute, die uns ab und zu die Verantwortung abnehmen und denen wir voll vertrauen können.

Unter der Woche haben wir natürlich eine ganz normale 5-Tage-Woche. Hier sind wir viel mit den Planungen und Vorbereitungen fürs Wochenende, aber auch die nächsten Wochen und Monate beschäftigt. Zurzeit haben wir zum Beispiel die große Baustelle mit unserem neuen Laden „Franz von Hahn“ in Menden, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Da kümmern wir uns auch um vieles selbst. Einmal die Woche meinen Betriebsleiter anrufen und mich nach den Zahlen erkundigen, wäre nicht meine Philosophie von guter Gastronomie. Ich will schon noch wissen was am Puls der Zeit vor Ort gerade passiert, wie die Stimmung bei Publikum und Personal ist. Wir machen auch unser Programm noch komplett selbst. Es gibt Läden, die lassen sich ihr Programm planen aber bei uns machen wir das noch selbst und diskutieren jeden Termin gemeinsam.

Du hattest Euer neues Baby „Franz von Hahn“ in Menden ja bereits kurz angesprochen, Phillip. Welche Rolle spielte das Johnny Mauser bei dem Konzept Eurer neuen Location?

Fabian: Viel. Der Laden ist halt größer und Du musst anders planen. Da ist es schon was anderes ob du jetzt für eine gute Party 200 Leute brauchst oder ob du 500 brauchst. Aber da sind wir grade noch etwas in der Findungsphase.

Phillip: Wir hatten zum Glück vorher viel Erfahrung durch das Johnny Mauser, das war denke ich auch hilfreich für Menden. Sonst hätte man da auch innerhalb von einem halben Jahr schon gut untergehen können. Der neue Laden hat viel Charakter von dem was wir auch in Lüdenscheid umgesetzt haben, garkeine Frage. Aber es ist schon anders. Wir gehen ganz anders an Termine ran, planen und bewerben die viel eher im Voraus. In Menden haben wir auch nicht so eine Regelmäßigkeit wie in Lüdenscheid. Das Johnny Mauser ist ja ganz anders belegt mit Veranstaltungsreihen, dadurch hat das schon eine gewisse Eigendynamik entwickelt. In Menden ist das so: Du hast eine Veranstaltung und musst die bewerben wie ein Großevent. Sonst bekommt es keiner mit.

Wo seht ihr das Johnny Mauser in weiteren 5 Jahren?

Am 29.11. wird der 5. Geburtstag gefeiert.
Am 29.11. wird der 5. Geburtstag gefeiert.

Phillip: Da entscheidet glaube ich ganz alleine der Gast, wo die Reise hingeht. Wir werden uns auf jeden Fall treu bleiben und uns nicht verbiegen. Wenn alles so bleibt, wie es jetzt läuft, wären wir zumindest schon mal sehr zufrieden.

Wobei es in Lüdenscheid natürlich auch davon abhängt, wie es generell weitergeht. Ob und wie das Forum weitergenutzt wird. Ob es eventuell irgendwann abgerissen wird und wir uns nach neuen Räumen umsehen müssen.

Auch das merklich veränderte Ausgehverhalten spielt da eine große Rolle. Das beobachten wir schon länger und sind gespannt, wie da die Entwicklung weiter geht. Aber ich glaube fest daran, dass die Leute bereit sind für Qualität angemessenes Geld zu bezahlen und diese auch zu schätzen wissen. Ich denke auch, dass es wichtiger wird, noch intensiver auf seine Gäste einzugehen.

Das Ausgehverhalten ist ein gutes Stichwort. Wie beobachtet Ihr aktuell die Entwicklung des Lüdenscheider Nachtlebens in den letzten Monaten /Jahren?

Phillip: Ich finde es grenzwertig. Ohne irgendjemanden zu nahe treten zu wollen. Wir haben hier eigentlich so viele Möglichkeiten. Wir haben ja auch viele Clubs/Discos hier in Lüdenscheid…

Zu viele vielleicht?

Phillip: Nein auf gar keinen Fall. Eher zu viel Quantität.

Fabian: Ich finde, es ist grade eine Entwicklung da, die sich mit der Neueröffnung verschiedener Läden bemerkbar macht und Lüdenscheid neu belebt. Wir würden uns auch freuen, wenn die Oberstadt bzw. die Stadt an sich etwas mehr belebt wäre. Wir sehen das nicht so als Konkurrenzding, sondern für uns ist es wichtiger, dass die Leute überhaupt mal wieder mehr vor die Tür gehen. Schaden würde es meiner Meinung nach nicht, wenn es ein paar mehr Läden geben würde in Lüdenscheid, die auch qualitativ auf einem anderen Level spielen.

Phillip: Man muss ja mit seinem eigenen Laden auch so selbstbewusst umgehen, dass man sagt, „ich weiß warum die Leute gerne zu mir kommen“ und, dass sie das auch tun, wenn es fünf Läden mehr gibt. Weil ich sie über mein Programm, meinen Charme erreiche. Momentan ist die Entwicklung ja eher so, dass es weniger und weniger wird. Und keiner traut sich auch mal was Neues zu wagen. Für Leute im Alter von 25 bis 35 fehlen in Lüdenscheid meiner Meinung nach gute Alternativen. Ich stelle mir, wenn ich über das Thema nachdenke, manchmal selbst die Frage: Wo kannst du hingehen wenn Du am Wochenende frei hast. Johnny Mauser, Lönneberga, Dahlmann, aber dann wird es für mich auch schon eng…

Was sollte sich speziell in der Lüdenscheider Clubszene ändern damit die Leute, die noch hier sind, wieder vor die Tür gehen bzw. öfter vor die Tür gehen ?

Phillip: Der Lüdenscheider Gastronomie würde es ganz gut tun, wenn alle Macher mal an einem Strang ziehen würden. Oft ist es ja so: Es macht was Neues auf und viele Gastronomen denken „jetzt hab ich weniger Leute hier“. Das kann es ja nicht sein. Wenn die Leute mehr zusammen arbeiten würden, könnte man in Lüdenscheid viel mehr machen und viel mehr auf die Beine stellen.

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