Hagen/Märkischer Kreis. Jochen Marquardt, der Geschäftsführer des DGB in der Region Ruhr-Mark, ist tot. Er starb am Donnerstag, dem 26. Mai, nach kurzer, schwerer Krankheit. Er wurde nur 60 Jahre alt. Mit ihm verliert die Region Hagen einen kraftvollen, überaus engagierten und beliebten Streiter für mehr Menschlichkeit in der Gesellschaft, für mehr soziale Gerechtigkeit, für Frieden, für Weltoffenheit. Der rote Schal war sein Markenzeichen – Jochen Marquardt zeigte, wofür er stand.

Joachen Marquardt; der DGB-Geschäftsführer erlag am Fronleichnamstag einem Krebsleiden. (Foto: DGB)
Joachen Marquardt; der DGB-Geschäftsführer erlag am Fronleichnamstag einem Krebsleiden. (Foto: DGB)

Kenntnisreich und überzeugend

Dabei zählte der DGB-Chef zu den intelligenten Denkern in der Stadt. Er vereinte in seiner Person Tradition und Moderne der Gewerkschaftsbewegung. Ihm gelang es zwar, sowohl draußen als auch im großen Saal ohne Mikrofon sein Wort zu machen, aber deswegen gehörte er noch lange nicht zu den „Lauten“. Vielmehr überzeugte er kenntnisreich mit seinen Argumenten, wusste um die Haltung der Mitstreiter. Die Bündnisse der sozialen und fortschrittlichen Kräfte in der Stadt haben durch sein Wirken erfahren (und hoffentlich auch lernen) können, dass es möglich und besser ist, die Sache voranzustellen. Das solidarische Miteinander – dieser Traum ist dank seines Tuns ein Stückchen weiter Wirklichkeit geworden.

Großer Verantwortungsbereich

Jochen Marquardt wurde 1955 in Remscheid geboren. Als Gewerkschafter hat er über Jahrzehnte ehrenamtlich gewirkt, unter anderem viele Jahre als Kreisvorsitzender des DGB Hagen; in dieses Amt war er 2007 gewählt worden. Im November 2012 wurde er zum Regionsgeschäftsführer für die Region Ruhr-Mark vom Bezirksvorstand gewählt und im Dezember 2013 von der Bezirkskonferenz bestätigt. In dieser Funktion war er verantwortlich für die DGB-Arbeit in Hagen, Bochum, Herne, im Ennepe-Ruhr-Kreis und im Märkischen Kreis. Der DGB-Landesvorsitzende Andreas Meyer-Lauber und seine Stellvertreterin Dr. Sabine Graf schreiben in einem Nachruf unter anderem: „Wir verlieren mit Jochen einen äußerst engagierten, kompetenten, beliebten und außerordentlich aktiven Kollegen, der weit über seine Region hinaus hohes Ansehen genoss. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen, seinen engsten Freunden und den Kolleginnen und Kollegen, die mit ihm arbeiten durften.“

Nächstenliebe und Solidarität

Die „Westfalenpost“ beschreibt Jochen Marquardt in ihrer Würdigung als einen der „profiliertesten politischen Figuren in Hagen, dessen oftmals kommunistisch angehauchte Ideen und Ideale auf dem Traum von einer gerechteren Gesellschaft beruhten, der jedoch mit seinen Ansichten häufig (und gerne) aneckte.“ Die Zeitung erinnert auch daran, dass es Marquardt war, der mit dem früheren katholischen Dechanten Dieter Osthus und dem ehemaligen evangelischen Superintendenten Bernd Becker das „Bündnis Soziale Stadt“ ins Leben rief. „Die Kirchen haben das gleiche Ziel wie wir, nur nennen sie es Nächstenliebe und wir Solidarität“ zitiert die Zeitung Marquardts „Devise“. Sie erkennt damit an, welch große Rolle der Gewerkschafter für die Bürgergesellschaft Hagens gespielt hat.

Gelernter Industriekaufmann

Bevor die Gewerkschaft sein Arbeitgeber wurde, war der gelernte Industriekaufmann unter anderem beim TÜV in Köln und bei der Transfergesellschaft „Peag“ in Dortmund beschäftigt. In Hagen lebte der Vater zweier Kinder seit gut 30 Jahren in Wehringhausen.

Dass Jochen Marquardt so schwer erkrankt war, war erst um Ostern diagnostiziert worden. Nur wenige Wochen später ist er seinem Krebsleiden in einem Letmather Hospiz erlegen.

 

 

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here