Bei Jung, Boucke werden unter anderem Teile für die Automobilindustrie gefertigt.

Halver. Der Automobilzulieferer Jung, Boucke aus Halver führt seinen Geschäftsbetrieb fort, obwohl zwei Investoren die erfolgsversprechenden Kaufverhandlungen beendet haben. Die eigenverwaltende Geschäftsführung um Hans Ulrich Volz hatte intensiv und über Monate versucht, einen Investor für Jung, Boucke zu finden. „Insbesondere durch die Unterstützung aus der Belegschaft, die in dieser schwierigen Phase die zuverlässige Produktion und Lieferung aufrecht hielt und zu persönlichen Verzichten bereit war, konnte eine überdurchschnittliche Zahl ernsthafter Interessenten gefunden werden“, erklärt Geschäftsführer Volz. Insgesamt hätten 16 Unternehmen durch konkrete Angebote ihr Interesse an dem Automobilzulieferer bekundet, heißt es in einer Mitteilung von Jung, Boucke.

Kaufvertrag war bereits abgeschlossen

Jung, Boucke hatte bereits mit einem in Deutschland ansässigen, global tätigen Unternehmen einen Kaufvertrag geschlossen. Unmittelbar vor dem Übergang des Unternehmens trat dieser Käufer vom Kaufvertrag zurück. Hintergrund war, dass sich der Investor trotz positiver Signale aus dem Kundenkreis, insbesondere von den Automobilherstellern, nicht mit der notwendigen Anzahl der Kunden von Jung, Boucke über Abnahmemengen und Preise einigen konnte, die für ein tragfähiges Weiterführungskonzept maßgeblich gewesen wären. Auch ein weiterer Interessent zog sich nach beiderseits ernsthaft geführten Verhandlungen in dieser Woche aus den gleichen Gründen von den Kaufverhandlungen zurück.

Weiter Suche nach Investoren

Das Unternehmen wird nun die Beendigung der Eigenverwaltung beim Amtsgericht Hagen beantragen und in ein Regelinsolvenzverfahren wechseln. „Jung, Boucke wird diese Zeit weiterhin für die Suche eines Investors für das gesamte Unternehmen oder auch für Unternehmensteile nutzen“, erklärt Volz.

Mitarbeiter am Mittwoch informiert

Bei einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung wurden die Jung, Boucke-Mitarbeiter am Mittwoch über die aktuelle Lage informiert. Danach liegen Absprachen und Garantieerklärungen vor, die eine Auftragsabwicklung bis in den Oktober sichern. Bis dahin werden keine Kündigungen erfolgen, weil die gesamte Belegschaft für die korrekte Abwicklung der Aufträge benötigt wird. Dennoch sind die Mitarbeiter besorgt. Die Lage in der Branche seit schwierig, hieß es aus Belegschaftskreisen.

Im Herbst 2014 Sanierungskonzept erarbeitet

Noch im Herbst 2014 hatte das Unternehmen mit der auf Sanierung spezialisierten Kanzlei Buchalik Brömmekamp ein Konzept erarbeitet, in dem die Maßnahmen zur Fortführung des Unternehmens dargestellt sind. In einer Mitteilung der Kanzlei Buchalik Brömmekamp hieß es zu diesen Zeitpunkt, dass insbesondere die politische Krise zwischen Russland und der Ukraine sowie der wirtschaftliche Abschwung in Brasilien haben zu einem unerwarteten Umsatzrückgang bei Jung, Boucke geführt hätten. Zudem belasteten die Rückführungsquoten aus dem Insolvenzverfahren im Jahr 2011 das Unternehmen.

Über Jung, Boucke GmbH & Co. Jung, Boucke beliefert direkt und über Systemlieferanten größtenteils namhafte Kunden der Automobilindustrie im PKW- und Nutzfahrzeugbereich, aber auch aus dem Anlagenbau, dem Maschinenbau, der Bauindustrie und anderen Branchen mit Schmiedeteilen. Der Fokus liegt dabei auf der Herstellung einbaufertiger Komponenten. Am Standort Halver erwirtschafteten im letzten Jahr 215 Mitarbeiter einen Umsatz von rund 22 Millionen Euro.

 

 

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