Start Lennetal Plettenberg Innenstadterneuerung – „Wer eine Verbesserung will, muss auch eine Veränderung zulassen“

Innenstadterneuerung – „Wer eine Verbesserung will, muss auch eine Veränderung zulassen“

Stellungnahme von Bürgermeister Ulrich Schulte zu den geplanten Baumfällungen in der Plettenberger Innenstadt

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Plettenberg. Die Planungen des Büros bbz Landschaftsarchitekten für die Plettenberger Innenstadt sorgen für Diskussions- und Streitstoff in Plettenberg. Vor allem die vorgeschlagene Fällung von Bäumen erhitzt die Gemüter.

Unterschriftenlisten und Online-Petition

Die „Initiative Stadtbäume“ sammelt Unterschriften für den Erhalt der vorhandenen Bäume in der Innenstadt. Dazu liegen Listen im Café K 16 am Kirchplatz aus (bis zum 13. August) sowie am Stand des Tierschutzvereins auf dem Wochenmarkt am 11. August. Ansprechpartnerin der „Initiative Stadtbäume“, die von 17 Personen gegründet wurde, ist Karin Carrels (Tel. 02391/14453). Eine weitere Unterschriftensammlung hat Jörg Zabrowski initiiert. Seine Petition „Finger weg von unseren alten Bäumen“ ist im Internet zu finden.

Stellungnahme

Bürgermeister Ulrich Schulte bezieht Stellung zu den Leserbriefen und Beiträgen in sozialen Medien:

„Plettenberg ist eine Kleinstadt im Sauerland. Von seiner über 96 Quadratkilometer großen Fläche sind 62% Waldfläche. Der Baum ist also das dominierende Merkmal unserer Stadt, auch wenn es oft nicht so aussieht, weil wir uns hauptsächlich außerhalb der Forstflächen bewegen. Plettenberg ist aber auch Industriestadt und aufgrund des demographischen Wandels sehr stark vom Fachkräftemangel betroffen. Es fehlen aber nicht nur industrielle Fachkräfte, auch bei den Ärzten ist heute schon ein Mangel erkennbar, bei anderen Berufsgruppen wird er ebenfalls kommen.

Bei dem Fachkräftemangel spielt unsere Innenstadt eine große Rolle. Schon mehrmals wurde mir von Geschäftsführern von heimischen Firmen oder Ärzten, die ihre Praxen abgeben wollen, gesagt, dass ein Wohnortwechsel der Bewerber nach Plettenberg nach einem Blick auf unsere Innenstadt ad acta gelegt wurde. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, sollte schon 2008 mit einer Innenstadtsanierung begonnen werden. Leider hat die damalige Finanzkrise die Pläne zunichte gemacht.

Nun sind wir endlich soweit und können bald loslegen, der Innenstadt ein neues Gesicht zu geben. Die Pläne des Büros bbz wurden daher in der Bürgerversammlung Mitte Juli der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei gab es zwar keinen grundlegenden Widerstand gegen die Gestaltung; die Absicht 43 Bäume zu fällen, wurde aber heftig kritisiert. Wobei darauf hinzuweisen ist, dass damit nicht alle Bäume aus der Innenstadt verschwinden und 21 Bäume an anderen Stellen neu gepflanzt werden sollen. Die vielfach propagierte Betonwüste sieht anders aus.

Da es aber Sinn und Zweck einer solchen Bürgerversammlung ist, Anregungen, Kritik und Hinweise aus der Bevölkerung aufzunehmen, gehen Verwaltung und das Büro bbz noch mal mit anderen Augen an die bisher geplanten Baumfällungen heran. Darüber hinaus erwarte ich, dass das Thema auch zentraler Punkt in der politischen Diskussion im Planungsausschuss und im Rat wird. Ob eine Umrahmung mit Platanen für den Stephansdachstuhl von Vorteil ist und ob jeder Baum am Kirchplatz stehen bleiben muss, darüber lässt sich trefflich streiten und das sollten wir auch im Interesse einer gelebten Demokratie. Es muss aber klar sein, dass der Erhalt aller 43 Bäume zwangsläufig auch den Kern der Planungen berührt. Eine geänderte Verkehrsführung auf dem Maiplatz ist dann nicht mehr möglich. Ebenso wird das Verlegen von neuem Pflaster behindert, wenn dieses schon durch Wurzeln angehoben wurde. Neue Standorte für Leuchten oder Versorgungsschächte werden ebenfalls erschwert. Beim Erhalt aller 43 Bäume läuft die Innenstadtsanierung zwangsläufig auf eine Sparversion hinaus. Dabei wird aber das Geld nicht wirklich gespart, sondern hinausgeschmissen, denn wenn wir nicht den gewünschten Effekt mit der Sanierung erzielen, können wir es auch sein lassen. Wer eine Verbesserung will, muss auch eine Veränderung zulassen.

Ein immer wieder angeführtes Argument ist es, dass das planende Büro bbz aus Berlin kommt und damit die Plettenberger Verhältnisse nicht kennt und ungeeignet ist. Das ist komplett der falsche Denkansatz. Das Büro bbz hat den Wettbewerb gewonnen, weil es den besten Entwurf geliefert hat, nicht weil es aus Berlin kommt. Und wie oben schon erwähnt soll die neue Innenstadtgestaltung nicht nur den Plettenbergern gefallen, sondern auch denen, die hier eine neue Arbeitsstelle und Heimat suchen und die Jahre vorher in Großstädten gelebt haben. Da ist ein Berliner Büro mit dem Blick von außen eher hilfreich und nicht ungeeignet.

Ebenso wie mit der „Betonwüste“ wird mit den „Berlinern“ versucht, ein einfach strukturiertes Feindbild aufzubauen, gegen das sich leichter protestieren lässt. Das ist aber billige Polemik, die bei einem so wichtigen als auch schwierigen Thema wie der Innenstadtsanierung nicht angebracht ist. Vielmehr müssen sachliche Argumente im Vordergrund stehen, dann lässt sich auch leichter gemeinsam diskutieren.

Wir haben nur einen Schuss und wenn der nicht trifft, beklagen wir in einigen Jahren wieder eine leblose Innenstadt und suchen die Schuld dafür beim Anderen. Sowas können wir gut in Plettenberg.“

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