Flüchtlingsströme auf dem Weg nach Europa: Die Wirklichkeit hat die Handlung des Films "Der Marsch" aus dem Jahr 1990 längst überholt.

Lüdenscheid. Aus Fiktion wird Wirklichkeit. 1990 fesselte und beunruhigte die BBC-Produktion „Der Marsch“ die Zuschauer. Zehntausende Afrikaner flüchten vor der Dürrekatastophe. Angeführt von ihrem charismatischen Führer Isa-el-Mahdi wollen sie nach Europa. „Ihr sollt sehen, wie wir sterben“ schmetterte der Nordafrikaner der Politik entgegen. Mit kleinen Booten durchqueren die Flüchtlinge schließlich die Straße von Gibraltar. Keiner hatte diesen Marsch für möglich gehalten.

Dudas: „Straße von Gibraltar heißt heute Ungarn“

„Die Straße von Gibraltar heißt heute Ungarn“, sagte am Mittwochabend Gordan Dudas. Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete hatte im Rahmen der SPD-Ferienaktion zum zweiten politischen Abendessen mit Filmvorstellung ins „Ciccolina“ eingeladen.

Weltgeschichte vor Ort angekommen

Was 1990 als schwarzmalerisches Zukunftsszenario kritisiert worden war, sei heute „Symbol einer neuen Realität“, so Gordan Dudas. Und: „Weltgeschichte ist vor Ort angekommen.“ Davon zeugten die Notaufnahmelager in Lüdenscheid und in anderen Ortes des Märkischen Kreises.

Beklemmung und „Kloß im Hals“

Der bewegende Film und die aktuelle Notsituation lösten bei machen Beklemmung aus. „Ich habe gerade einen dicken Kloß im Hals und kann kaum sprechen“, bekannte Karin Löhr in der offenen Diskussion im Anschluss an den Film. Nur zu erklären „Wir schaffen das“, wie es Kanzlerin Angela Merkel getan habe, sagte ein anderer Sprecher, reiche nicht aus. „Die Menschen wollen Erklärungen, wie wir das schaffen sollen“, sagte er.

Kritik an Landrat Thomas Gemke

Fabian Ferber kritisierte Landrat Thomas Gemke, der zusammen mit vier weiteren südwestfälischen Landräten in einem Brief an die Bundeskanzlerin gefordert hat, die Grenzen zu schließen.

„Wir uns ist klar: Wir müssen helfen und als Partei klar Position beziehen“, sagte Gordan Dudas.

Das ist leicht gesagt und schwer getan. Europa ist sich nicht einig, wie Fluchtursachen wie Krieg, Elend und Verfolgung bekämpft werden sollen. Claire, die EU-Kommissarin im Film „Der Marsch, sagt gegen Ende des Films zu Isa-el-Mahdi: „Wir sind verängstigt. Wir brauchen Zeit. Wir sind noch nicht bereit für Euch.“ Eine Filmszene – vor 25 Jahren. Auch heute ist Europa noch nicht bereit.

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here