Allen Protesten und Solidaritätskundgebungen zum Trotz kündigt Dura jetzt 250 Entlassungen an. Foto: Bernhard Schlütter

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Eine positive Bilanz zieht Gudrun Gerhardt für das abgeschlossene Jahr 2016. „Mit rund 1.200 Neumitgliedern haben wir im Schnitt jeden Monat 100 neue Mitglieder. Das ist ein gutes Zeichen. Denn die IG Metall im Märkischen Kreis bleibt damit eine starke Mitgliederorganisation“, bekräftigt die Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Märkischen Kreis. Auch inhaltlich stehen für sie viele Punkte auf der Habenseite: „Die Metall- und Elektro-Tarifrunde im Mai hat einen guten Abschluss hervorgebracht. Insgesamt 4,8 Prozent haben wir als Lohnplus für die Beschäftigten herausholen können. In einigen Betrieben ohne Tarifbindung konnten wir Standards setzen und auch zum ersten Mal, wie bei der Firma Schulte und Co. in Hemer, überhaupt einen Tarifvertrag durchsetzen.“

Höhen und Tiefen bei Dura in Plettenberg

Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Kreis freut sich über den stetigen Mitgliederzuwachs.
Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Kreis freut sich über den stetigen Mitgliederzuwachs.

Höhen und Tiefen gab es bei der Firma DURA in Plettenberg. Zur Erinnerung: Im November 2015 kündigte der amerikanische Konzern den Abbau von über 900 Arbeitsplätzen bei Plettenbergs größtem Arbeitgeber an. Viele sahen den Standort insgesamt in Gefahr. Belegschaft und Geschäftsleitung fochten zahlreiche Auseinandersetzungen aus. Höhepunkte: Die Sperrung des Werkstors im Sommer, als ein Spediteur eine Plettenberger Maschine nach Portugal liefern wollte. Oder der Einsatz portugiesischer Kollegen als Werkvertrags-Arbeitnehmer für die Wochenendarbeit, was bundesweit für traurige Schlagzeilen sorgte. Dennoch, so Gerhardt, „muss man eben feststellen, dass bis heute keine einzige betriebsbedingte Kündigung vorliegt. Tariflohn, Überstunden, Weihnachts- und Urlaubsgeld wurden ausgezahlt. Das hat sich die Belegschaft erkämpft!“ Dennoch müsse 2017 endlich Klarheit für die Zukunft des DURA-Werks geschaffen werden.

Aktive politische Jugendarbeit

Ein besonderes Augenmerk legt die örtliche IG Metall auf die Jugendarbeit. Über 60 Jugend- und Auszubildendenvertretungen wurden im vergangenen Jahr gewählt. Ein aktiver Ortsjugendausschuss sorgt für aktive politische Jugendarbeit. Mit zahlreichen Seminar- und Freizeitangeboten für junge Leute möchte die Gewerkschaft auf der Höhe der Zeit bleiben. „Wenn wir über Zukunftsfragen der Arbeit diskutieren, reden wir vor allem über die Zukunft der jungen Generation in den Betrieben. Da ist für mich klar, dass wir sie auch verstärkt bei unserer Willensbildung beteiligen müssen“, so Gerhardt. Dazu gehöre auch die Diskussion über ein neues Berufsbildungsgesetz, um die Ausbildung besser zu machen.

Kämpferisch blickt Gerhardt in das neue Jahr. „Wir wollen auch in weiteren Betrieben ohne Tarifbindung für Tarifverträge kämpfen. Im Süd- wie im Nordkreis gibt es in vielen Unternehmen eine so erfreuliche Mitgliederentwicklung, dass wir dort in Kürze auch kampffähig sein werden“, so die Gewerkschafterin. Dabei gehe es nicht darum, mit den Muskeln zu spielen: „Wir wollen, dass die Belegschaften an den positiven Entwicklungen in den Betrieben teilhaben können. Dies wollen wir demokratisch über Tarifverträge regeln. So einfach ist das.“

Fortbildung ist auch bei der IGM-Jugend ein wichtiges Thema. 2016 besuchten Teilnehmer unter anderem ein Seminar am Schliersee.
Fortbildung ist auch bei der IGM-Jugend ein wichtiges Thema. 2016 besuchten Teilnehmer unter anderem ein Seminar am Schliersee.

Sorgenvoller Blick auf die politische Landschaft

Sorgen bereitet der Ersten Bevollmächtigten die politische Landschaft: „Wir werden klar machen müssen, dass manches, was sich ‚Alternative‘ nennt, keine Alternative für Beschäftigte sein kann. Wer über die Privatisierung der Sozialversicherung diskutiert und Toleranz durch Hetze ersetzen möchte, muss mit einer Antwort der Gewerkschaften rechnen. Aber auch die bereits in den Parlamenten vertretenen Parteien müssen hier noch mehr Profil zeigen. Wir werden zur Landtagswahl im Mai sowie zur Bundestagswahl im September genau hinschauen, wer für gute Arbeit Politik machen möchte.“

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