Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigte der IG Metall, halt eine grundlegende Reform des Berufsbildungsgesetzes für dringend geboten. Foto: pixabay.com

Märkischer Kreis. Unter dem Motto „Modern bilden – Ausbildung besser machen“ läuft aktuell eine Kampagne der IG Metall-Jugend auf Bundesebene. Damit möchte die Gewerkschaftsjugend auf notwendige Veränderungen im Berufsbildungsgesetz hinweisen, dessen Erneuerung gerade im Bundestag beraten wird. Dass das Thema Ausbildungsqualität nicht nur im Bundestag, sondern auch vor Ort in aller Breite diskutiert werden soll, macht die IG Metall-Jugend aus dem Märkischen Kreis am 1. Mai klar: Ihre Aktion im Demonstrationszug zum Tag der Arbeit in Lüdenscheid wird sich diesem Thema widmen.

Übernahme nach der Lehre wichtig

Für Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigte der heimischen Metaller, ist die betriebliche Qualität vielerorts verbesserungswürdig: „Ich wundere mich manchmal, wenn sich manche Firma über die Bewerbungslage im Bereich Ausbildung beklagt. In Zeiten von Facebook und Twitter erfahren die jungen Leute ganz schnell, wo die Ausbildung eine gute Qualität hat und wo nicht. Und viel wichtiger noch: Welcher Ausbildungsbetrieb nach der Lehre übernimmt und welcher nicht. Das ist Thema bei der Jugendmannschaft in der Umkleidekabine oder in der Whatsapp-Gruppe in der Clique.“ Es gebe immer noch zu viele Betriebe, die ihre Personalplanung schleifen lassen. „Die Wirtschaft redet über Fachkräftemangel und den Druck durch den demografischen Wandel und gleichzeitig tut sie sich schwer beim Thema Übernahme nach der Ausbildung. Das passt nicht zusammen“, so Gerhardt.

Grundlegende Reformen notwendig

Eine grundlegende Reform des Berufsbildungsgesetzes hält die Gewerkschafterin für dringend geboten. Es gebe Regelungen, die nicht mit der Zeit gegangen seien. Gerhardt: „In vielen Betrieben gibt es mittlerweile sogenannte Verbundstudierende. Die verkürzen ihre Berufsausbildung und schließen im Nachgang noch ein betriebsbezogenes Studium ab. In keinem Gesetz wird die Frage beantwortet, ob die Studienarbeit Arbeitszeit ist oder nicht. Die Bildung von eigenen Klassen für Verbundstudierende kennt das Gesetz nicht. Ebenfalls ist nicht geklärt, wer sie im Betrieb schlussendlich vertreten soll. Auch Verbundstudierende brauchen Freiraum!“ An anderer Stelle gelten jahrzehntelange Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes, die viele Neu-Azubis ausschließen. „Wir müssen die Schutzregeln für Auszubildende endlich erweitern. Die Auszubildenden sind oft älter als 16 bei Ausbildungsbeginn. Selbst im ersten Lehrjahr gelten für 18-jährige Auszubildende deutlich härtere Regeln zur Arbeitszeit und zur Berufsschule. Hier sollte man mit der Zeit gehen“, findet Gudrun Gerhardt.

Kluft bei den Vergütungen kaum zu erklären

Abschließend fordert sie die Arbeitgeber auf, dem Thema Ausbildungsqualität und Wertschätzung mehr Raum zu geben. Gerhardt: „Die Kluft bei den Ausbildungsvergütungen ist mit Worten kaum zu erklären. Im KFZ-Handwerk arbeiten Azubis mal für 250 Euro brutto und mal für 500. Mit den Vergütungen nach dem Metall-Tarifvertrag, die etwa um das Doppelte besser liegen, kann man das nicht vergleichen.“ Dabei seien die Unterschiede auch in der Industrie sehr unterschiedlich. In einem tarifgebundenen Unternehmen gelten die 35-Stunden-Woche, 900 Euro brutto im ersten Lehrjahr und 30 Tage Urlaub im Jahr. „Und in nicht tarifgebundenen Unternehmen arbeiten die Auszubildenden fünf Stunden mehr, bekommen bis zu 200 Euro weniger und haben nicht so viel Urlaub. Ich würde mir da auch gut überlegen, wo ich als Jugendlicher meine Ausbildung beginnen möchte“, stellt Gerhardt klar.

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