Das Foto zeigt Mitglieder der IGM-Jugend Märkischer Kreis auf einem Seminar in Oer-Erkenschwick, auf dem auch das Thema Berufsausbildung großes Gewicht einnahm.

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Jedes Jahr im August und September beginnt für viele junge Menschen ein neuer Lebensabschnitt. Mit dem Beginn der Berufsausbildung treten sie ins Berufsleben ein. In den heimischen Betrieben im Betreuungsbereich der IG Metall werden etwa 800 neue Azubis erwartet.

Ziel der Berufsausbildung ist das Erlernen eines Berufsbildes. „Das ist auch in der absoluten Regel der Fall“, erklärt Fabian Ferber, zuständig für Jugendliche und Auszubildende bei der IG Metall im Märkischen Kreis. Dennoch sei die Verwendung von Azubis als billige Hilfskräfte keine Seltenheit. Hier müsse man noch stärker über die Rechte der Berufsstarter informieren. Ausbildungsfremde Tätigkeiten, sittenwidrige Ausbildungsvergütungen oder willkürliche Bewertungen seien nicht hinzunehmen. „Aber es kommt vor“, weiß Ferber aus seiner Arbeit zu berichten.

„Die hohe Belastung führt nicht selten zu Problemen im Alltag.“ (Fabian Ferber)

Immer mehr Betriebe bilden heutzutage auch sogenannte Dual Studierende aus. Zeitgleich zu einer IHK-Ausbildung oder Praxisphasen im Betrieb absolvieren sie ein Studium. Ferber: „Auf den ersten Blick klingt das sicherlich attraktiv. Aber in der Realität findet das Studium neben Arbeit und Ausbildung am Wochenende statt, da sind dann schnell 70 Stunden pro Woche hinzunehmen. Die hohe Belastung führt nicht selten zu Problemen im Alltag.“ Außerdem sei das Duale Studium für Schulabsolventen mit Haupt- oder Realabschluss nicht zugänglich. „Und da beginnt die Schizophrenie: Einerseits beklagen die Arbeitgeber einen Fachkräftemangel, andererseits versperren sie für viele mögliche Fachkräfte den Weg zur Ausbildung“, stellt Ferber fest.

Schlechte Perspektiven sprechen sich herum

Kammern und Arbeitsagentur haben in den letzten Wochen darüber informiert, dass im Märkischen Kreis über 600 Ausbildungsplätze vakant seien. „Warum ist das so?“, fragt Ferber. Und liefert eine mögliche Erklärung: „Junge Leute reden miteinander. Sie wissen ganz genau, dass es in manchen Betrieben keine guten Perspektiven für Auszubildende gibt. Keine Übernahme, schlechte Ausbildungsvergütung und weniger Urlaub sind da ein paar Stichwörter.“ Mittlerweile gebe es zwischen den Berufen und Branchen Unterschiede, die beispielsweise beim Thema Ausbildungsvergütung bei 700 Euro pro Monat liegen. Das sind bei dreijährigen Ausbildungsgängen Unterschiede von insgesamt 25.000 Euro.

Betriebliche Ausbildung aufwerten

Oftmals fehlen auch Rahmenbedingungen, weiß die IG Metall zu berichten. Man könnte darüber nachdenken, einer dreieinhalbjährigen IHK-Ausbildung auch den Rang eines Bachelor-Abschlusses zu geben. Das würde die betriebliche Ausbildung aufwerten. Außerdem sei festzustellen, dass einige Auszubildende zum Teil weite Strecken auf sich nehmen müssen, um ihren Ausbildungsbetrieb zu erreichen. „Hier könnten Kammern, städtische Wohnungsgesellschaften und vielleicht auch das Studentenwerk für die Fachhochschule Südwestfalen überlegen, ob die Errichtung von Azubi- und Studierenden-Wohnheimen in unserer Region nicht ein sinnvolles Angebot darstellen könnte. Wir glauben daran“, sagt Fabian Ferber.

Gewerkschaftarbeit: In über 220 Betrieben betreut die örtliche IG Metall Betriebsratsgremien. In 80 Betrieben sind Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) gewählt worden. Ab fünf Auszubildenden können JAVen gewählt werden für die Amtszeit von zwei Jahren. Dieses Jahr (von Oktober bis November) stehen wieder turnusmäßige JAV-Wahlen an.

 

 

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here