Ida Gerhardi - das Leben der Malerin ist eng mit Lüdenscheid verbunden.

Lüdenscheid. Seit 1990 stiftet die Sparkasse Lüdenscheid den Ida Gerhardi Förderpreis für junge Künstler. Mit der Vergabe des Preises ist eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Lüdenscheid verbunden. In diesem Jahr wird der Preis wieder ausgelobt. Seit 24. Oktober bauen die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler ihre Werke in der Städtischen Galerie auf. Die Ausstellung ´mit dem Titel „Kunst jetzt!“ wird am 18. November eröffnet. Dann erfolgt auch die Preisverleihung.

Preis ist mit 5000 Euro dotiert

Gesine Grundmann gehört als Preisträgerin 2013 mit zur Jury. Foto: Wolfgang Teipel
Gesine Grundmann gehört als Preisträgerin 2013 mit zur Jury. Foto: Wolfgang Teipel

Die Jury ermittelt den/die Preisträger/in anhand der ausgestellten Arbeiten. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Weitere 3.000 Euro stehen als Produktionskosten für eine Edition bereit, die in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Lüdenscheid produziert wird.

In diesem Jahr besteht die Jury aus: Prof. Dirk Löbbert (Künstler, Köln), Rouven Lotz (Emil Schumacher Museum Hagen), Prof. Udo Dziersk (Kunstakademie Düsseldorf), Gesine Grundmann (Künstlerin, Köln, Preisträgerin 2013) und Dr. Susanne Conzen (Leiterin Städtische Galerie Lüdenscheid).

Der Name Ida Gerhardi hat in Westfalen und insbesondere in Lüdenscheid einen guten Klang.
Der Name Ida Gerhardi hat in Westfalen und insbesondere in Lüdenscheid einen guten Klang.

Der Name Ida Gerhardi hat in Westfalen und insbesondere in Lüdenscheid einen guten Klang. Wer war diese Frau, zu deren Gedenken die Sparkasse Lüdenscheid 1990 den Ida-Gerhardi-Preis gestiftet hat? Hier ein Steckbrief.

Familie: Idas Vater, der Hagener Arzt August Gerhardi, stirbt 1896. Da ist Ida gerade sieben Jahre alt. Mutter Mathilde siedelt mit Sohn Karl August und der neugeborenen Lilly nach Detmold um. Hier lebt die Familie bei Verwandten. Für Ida wird die Mutter später zum Problemfall. Sie wird depressiv und bereitet der Malerin große Sorgen. Zu ihrem Bruder hält sie immer Kontakt und zieht 1912 ins Haus seiner Familie.

Wünsche: Ida will malen und nimmt Zeichenunterricht. „Wozu die ganze Welt, wenn ich nicht malte“, sagt sie. Sie möchte nach der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff zur zweitbekanntesten Frau in Westfalen werden. Dieser Wunsch erfüllt sich nicht.

Die Frau: „Ich möchte eine Ente sein, eine Ente, die allein schwimmt“, schreibt sie einmal. Dieses Zitat ist ein Dokument für Ida Gerhardis Streben nach Unabhängigkeit. Sie wählt den Weg in die Malerei und schreibt sich 1928 an der Münchener Damenakademie für Malerei ein. Schnell wird ihr in der bayerischen Metropole langweilig. Sie will mehr, packt ihre Koffer und geht nach Paris an die Académie Colarossi. Das Studiengeld stiftet die Hagenerin Emilie Elbers – eine Freundin von Idas Mutter.

Paris: Die französische Hauptstadt wird zum Lebensmittelpunkt der jungen Malerin. Sie lernt die deutsche Grafikerin, Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz kennen und zieht mit ihr durch die Clubs der sich mondän gebenden Halbwelt von Paris. Die junge Frau glaubt an sich. Sie ist fest davon überzeugt, dass es ihr gelingen wird, mit der Malerei ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Für Männer war das damals ein Kraftakt. Für Frauen nahezu ein Unding. Immerhin: Ida malt und lernt viele Künstlerinnen und Künstler kennen. „Der Kreis, in denen ich augenblicklich verkehre ist außergewöhnlich intelligent und begabt“, hält sie fest.

Bilder: Sie malt Porträts, stimmungsvolle Landschaftsbilder, kraftvolle Szenen der Großstadt, Szenen aus den Kneipen im Pariser Künstlerviertel, Bilder von Tänzern, alle spätimpressionistisch voller Farbenpracht. Sie lässt sich dabei unter anderem von Henri de Toulouse-Lautrec inspirieren. Wie er malt sie unmittelbar vor Ort.

Gesine Grundmann, Dr. Susanne Conzen und Sparklassendirektor Markus Hacke mit der Edition der Preisträgerin 2013. Foto: Wolfgang Teipel
Gesine Grundmann, Dr. Susanne Conzen und Sparklassendirektor Markus Hacke mit der Edition der Preisträgerin 2013. Foto: Wolfgang Teipel

Erfolg: Hin und wieder Anerkennung. Aber: „Meine Geldbörse ist leer“, klagt sie oft. Ida Gerhardi kann sich auf dem von Männern dominierten Kunstmarkt nicht durchsetzen. Auch der Versuch, sich in Paris und Berlin durchzusetzen bringt sie nicht weiter. Sie organisiert Ausstellungen und pflegt Kontakt zum populärsten Kunstmäzen jener Zeit, dem Hagener Karl Ernst Osthaus.

Ihr Leben: Ida Gerhardi war eine mutige Frau, die sich voller Kraft ins Leben stürzte. Paris hat sie genossen. Sie wetterte aus sicherer Entfernung gegen die reaktionäre Kulturpolitik in der Kaiserzeit und gegen die Ja-Sager, die damals das Ruder übernommen hatten. „Bei uns ist man ja geradezu servil. Man wird nicht Professor, wenn man nicht tut, was der Kaiser will“, schreibt sie einmal. Später wird sie ruhiger und legt beinahe konservative Züge an den Tag. Ihren jüngeren Bruder Karl August warnt sie: „Sozi solltest Du aber auch nicht werden.“ Er ist Sanitätsrat in Lüdenscheid und verfasst philosophische sowie literarische Schriften.

Was bleibt: Heute schätzen Kenner ihre tiefgründigen Porträts, auch die Selbstporträts mit Brille. Ihre Tanzbilder gelten aus die aussagekräftigsten Werke aus der Pariser Schaffenszeit (Susanne Conzen/Annegret Rittmann).Für viele ist sie auch eine Pionierin der Moderne. Dafür stehen ihre Bilder. Aber auch das für die Zeit um 1900 unkonventionelle Frauenleben.

 

 

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