Die Augen des Malers mit dem klaren und durchdringenden Blick - ein Selbstbildnis Wevers um 1960. ©NL Wever/Foto: N. Schönherr

Lüdenscheid. Der Maler Heinz Wever – vielen gilt er als ein „Künstler der Heimat“. In den 1950er und 1960er Jahren hat er sich selbst gern auch so inszeniert. Sein scharfer Blick und die durchdringenden Augen lassen ahnen, dass Wever mehr war, als jemand der seine engere Umgebung abbildete und Heimatzeitungen mit plattdeutschen Gedichten und den dazu passenden Bildern versorgte. Wevers Frühwerk geriet darüber fast in Vergessenheit. Die Ausstellung „Illustration, Propaganda, Porträt“, die am Sonntag um 11.30 Uhr in den Museen der Stadt Lüdenscheid eröffnet wird, präsentiert Heinz Wever als Zeugen des 20. Jahrhunderts.

Der tiefgreifende politische Wandel in dieser Zeit hat seinen Lebensweg von und sein Schaffen von 1890 bis 1960 geprägt und mehrfach verändert. Das zeigen die rund 250 Exponate, die in dieser ersten gemeinsamen Ausstellung von Städtischer Galerie und Museum zu sehen sind. „Für die nächsten fünf Monate werden die Städtischen Museen so zum Heinz-Wever-Museum.“ Diese scherzhafte Bemerkung von Museumsleiter Dr. Eckhard Trox können Besucher bis zum 9. Oktober wörtlich nehmen. In keinem Raum kommen sie an dem Mann aus Herscheid vorbei. Außerdem sollten sie sich Zeit nehmen, um die „ganzen Wever“ (Dr. Eckhard Trox) in der umfangreisten Ausstellung der vergangenen Jahre zu entdecken.

Heinz Wever
Zu Kriegszeiten malte Heinz Wever diese und zahlreiche weitere Kinderporträts. Foto: Wolfgang Teipel

Die Städtische Galerie zeigt das Frühwerk Heinz Wevers. Bilder aus seiner Zeit als Student in Düsseldorf, darunter das beeindruckende und bedrückende Werk „Parasitenzug“. Geradezu allegorische Monstermenschen schweben prassend über einem Stadt-Moloch – einer Steinwüste mit Fabriken, Wohnblocks, Sportstätten und emsigen Menschen. So sah der Mann vom Dorf die große Stadt. Er zeichnete aber auch liebe die Düsseldorfer Legende die Galeristin Johanna Ey („Mutter Ey“). Sie betrieb eine Kaffeestube, gewährte „ihren“ Studenten Kredit und bekochte sie. Reiseskizzen zeugen von Wevers Ausflügen nach Italien, Nordafrika und in die USA.

„Er wusste sich zu verkaufen und hat zeitweise richtig Geld verdient“

In der „neuen Welt“ war Wever zeitweise ein gefragter Mann. Davon zeugt das großformatige vierteilige Werk „“Dämon der Liebe“ (Tusche auf braunem Papier), das er für einen wohlhabenden New Yorker Arzt anfertigte. Auch in Deutschland verdiente Wever sein Geld mit Gebrauchsgrafik, beispielsweise 1926 mit Plakaten und Zeichnungen für die „Gesolei“, die große Ausstellung für Gesundheit, soziale Fürsorge und Leibesübungen. „Wever war durchaus kein Künstler im stillen Kämmerlein. Er wusste sich zu verkaufen und hat zeitweise richtig Geld verdient“, erklärte Galerieleisterin Dr. Susanne Conzen.

In Berlin wollte Wever den endgültigen Durchbruch erzielen. Er zeichnet für die „Deutsche Illustrierte“, den Stahlhelm, eine nationalkonservative Organisation und entdeckt sein Talent zur Zuspitzung. Dennoch kehrt er Berlin den Rücken. Sein Traum, als Zeichner für den Ullstein-Verlag zeichnen zu dürfen, erfüllt sich nicht. Die Konkurrenz ist zu groß.

Heinz Wever als Landschaftsmaler: hier der markante Selvebogen in Altena. Foto: Wolfgang Teipel
Heinz Wever als Landschaftsmaler: hier der markante Selvebogen in Altena. Foto: Wolfgang Teipel

Ab 1936 lebte er wieder in Herscheid, baut sein ein weitverzweigtes Netzwerk auf und arbeitet fortan auch als Industriezeichner. Er porträtiert hunderte von Angestellten, Arbeitern und Arbeiterinnen an ihren Arbeitsplätzen und überliefert so die Industriekultur einer längst vergangenen Zeit. Er zeichnet und malt, die komplette Lüdenscheider Hotop-Riege, in der sich die städtische Elite der damaligen Zeit versammelt hat und liefert als Auftragsarbeiten Kinderporträts ab. Ein Beispiel für den Pragmatismus Heinz Wevers. „Er war eben kein Visionär, aber er wollte als Künstler leben.“ So beschreibt es Museumsleiter Dr. Eckhard Trox.

Die Exponate stammen aus Privatbesitz und aus dem Familiennachlass. Das große Werk „Dämonen der Liebe“ wurde für die Ausstellung eigens aus Amerika herbeigeschafft.

Aus Sicht von Dr. Susanne Conzen und Dr. Eckhard Trox tragen die Ausstellung und der dazu entwickelten Begleitband dazu bei, Heinz Wever als  wichtigen Zeugen des 20. Jahrhunderts, als viel beschäftigten Porträtmaler und zuspitzenden Illustrator neu zu entdecken. Hier ein Film über die „Heimatkünstler“ Heinz Wever.

Heinz Wever
Eine komplette Wand ist der legendären Lüdenscheider Hotop-Riege gewidmet. Hier ein Ausschnitt. Foto: Wolfgang Teipel

 

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