Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Die lokalen Wirtschaftsgespräche der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) werden von Unternehmern und Geschäftsführern gerne genutzt, um zu netzwerken, Erfahrungen auszutauschen, neue Informationen zu erhalten. So auch am Mittwoch (15. November) im Plettenberger Ratssaal, in dem SIHK-Vollversammlungsmitglied Dirk Alte und Hausherr Bürgermeister Ulrich Schulte eine große Runde aus Industrie, Handwerk und Handel der Vier-Täler-Stadt begrüßten.

PS müssen auf die Straße können

Dr. Ralf Geruschkat
Foto: Bernhard Schlütter

SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat zeigte sich einmal mehr beeindruckt von der wirtschaftlichen Potenz in Plettenberg, die er als typisch für die komplette Region Südwestfalen ansieht. „Hier wird ein charmantes Understatement gepflegt. Dabei gibt es Weltmarktführer und sehr erfolgreiche Unternehmen, die allesamt dem Mittelstand angehören. Hier schlägt das industrielle Herz Nordrhein-Westfalens.“ Das trage er auch immer wieder nach Düsseldorf und Berlin. Denn die Politik müsse für entsprechende Rahmenbedingungen sorgen, „damit wir die PS auf die Straße bringen können“. Als Hauptaufgaben für die Region nennt Geruschkat ein vernünftiges Gewerbeflächenangebot, das dem Firmenbestand Erweiterungs- und neuen Firmen Ansiedlungsmöglichkeiten bietet, sowie die Gewinnung von Fachkräften insbesondere für die technischen Berufe in Industrie und Handwerk.

Philipp André Klever
Foto: Bernhard Schlütter

Das Thema Fachkräfte beschäftigt alle Unternehmen in Plettenberg. Das wurde bei den Situationsberichten deutlich, die Philipp A. Klever (Wilhelm Schulte-Wiese Gesenkschmiede) und Angelo Castrignano (Schürholz Stanztechnik) gaben. Bei zurzeit sehr guter Geschäftslage bilde die Personalgewinnung ein Problem für die Zukunft.

Es muss nicht Abitur sein

„Es muss nicht unbedingt Abitur und Studium sein“, betonte Klever. Gerade in Plettenberg gebe es hervorragende Möglichkeiten für junge Leute, um eine tolle Karriere in der Industrie zu starten. Darüber hinaus stellte er fest, dass an den Hochschulen kaum Werbung für eine Laufbahn in mittelständischen Unternehmen gemacht würde. „Meine Erfahrung ist, dass Professoren nur auf die Konzerne hinweisen, wenn es um Laufbahnperspektiven geht.“

Knowhow sitzt in Plettenberg

Angelo Castrignano Foto: Bernhard Schlütter

Castrignano berichtete, dass die Schürholz-Gruppe ihre Jahresumsätze in den vergangenen etwa sechs Jahren von 21 auf 85 Millionen Euro gesteigert habe. Zur Gruppe gehören neben zwei Standorten in Deutschland auch Produktionsniederlassungen in China und Polen. „Das gesamte Knowhow sitzt aber hier in Plettenberg und das bleibt auch so“, betonte er und merkte in Richtung Bürgermeister Ulrich Schulte an, dass er sich über Hinweise auf Erweiterungsmöglichkeiten in Plettenberg freuen würde.

Kreditvergaben sind gesichert

Kai Hagen, Vorstandssprecher der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis, sind berufsbedingt die Niedrigzinsen ein Dorn im

Auge. Sie seien zwar gut für die Unternehmer, aber auf Sicht werde das Gesamtsystem dadurch gefährdet. Für sein Institut stellte er fest, dass die Sparkasse 2017 ein gutes Ergebnis erzielen werde. „Das ist wichtig für die Kreditvergabe in der Region.“ Die heimischen Unternehmen sieht er gut aufgestellt für die Herausforderungen, die da hießen: E-Mobilität, Arbeitskräfte gewinnen, Erweiterungsnotwendigkeit am Standort und Digitalisierung.

Absolute Sicherheit gibt’s nur offline

Prof. Dr.-Ing. Martin Botteck Foto: Bernhard Schlütter

Dem Thema Industrie 4.0 widmete sich Prof. Dr.-Ing. Martin Botteck von Fachhochschule Südwestfalen (Meschede). Er zerpflückte die große Vision von der über das Internet vernetzten Produktion, die von künstlicher Intelligenz gesteuert wird. Anschaulich erklärte Botteck die Methode „Data Mining“ als von purem Zufall bestimmt, wenn auch verblüffend präzise. „Aber wollen sie die Kontrolle aus der Hand geben und sie einem Computer überantworten?“ Ein weiteres Risiko stellt das Hacking dar. Alle Systeme, die mit dem Internet verbunden sind, sind potenzielle Hacking-Ziele. „Gehen sie davon aus, dass ihre Onlinedaten gehackt sind. Absolute Sicherheit gibt es nur offline“, stellte Botteck klar.

Ist Industrie 4.0 also tot, bevor die Entwicklung richtig in Gang gekommen ist? Mitnichten, aber Botteck empfiehlt, einer kleinen Vision zu folgen. So können digitale Entscheidungen auf risikoarme Bereiche beschränkt werden; die Entscheidungskontrolle und ggf. Freigabe sollte in Menschenhand sein. Geschäftsprozesse durch Maschinen unterstützen, aber nicht ersetzen – so könne die Devise lauten.

Und noch etwas machte der Professor für Kommunikationsdienste und -anwendungen klar: „Wer vertrauliche E-Mail-Anhänge nicht zum Beispiel mit einem digitalen Schlüssel sichert, kann die Geschäftsgeheimnisse auch gleich per Postkarte verschicken!“

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