10. Sept. 2015: Lesung "Hauptschae Rom" mit Reinhold Joppich und Mario DI Leo (Gitarre) in der Buchhandlung Schmitz. Foto: Rüdiger Kahlke

Meinerzhagen. „Hauptsache Rom“ heißt das Programm, mit dem Reinhold Joppich und Mario Di Leo erneut zu Gast in der Buchhandlung Schmitz waren. „Hauptsache Joppich und Di Leo“ mögen sich die Besucher im rappelvollen Buchladen gedacht haben. Bereits im März hatte das Duo mit „Amore, amore“ einen Abend voller Leichtigkeit geboten. Und so konnte Wolfgang Schmitz, der mit den Lesungen auch das 50-jährige Bestehen seines Geschäfts feiert, wieder „viele bekannte Gesichter“ begrüßen.

Kleine Anekdoten

Reinhold Joppich Kölner, aber Rom-Fan, las in der Buchhandlung Schmitz.  Foto: Rüdiger Kahlke
Reinhold Joppich Kölner, aber Rom-Fan, las in der Buchhandlung Schmitz.

Foto: Rüdiger Kahlke

Joppich, Kölner, Rom-Fan und „ein Urgestein des deutschen Buchhandels“, so Wolfgang Schmitz, las Texte verschiedener Autoren. Tiefe, sonore Stimme, passende Modulation. Ein Genuss, ihm zuzuhören, zumal er mit den Geschichten und deren Autoren oft noch persönliche Anekdoten verknüpft. Mario Di Leo übernahm den Gesangspart, begleitet sich auf der Gitarre und kam dem Wunsch aus dem Publikum nach, als Zugabe noch „Arrivederci Roma“ anzustimmen. Dass er das Lied angeblich nicht mag, ließ er sich nicht anmerken.

Bürokratie hoch drei

Viele Lesungen, unter anderem mit Elke Heidenreich, ließ den Wunsch nach einem neuen Programm wachsen. Nach dem Amore-Abend im März diesmal also „Rom“. Für Joppich ist „ein Jahr ohne Rom wie ein Espresso ohne Zucker“. Die Auswahl seiner Texte: bunt, verschmitzt, faszinierend, widersprüchlich wie die Metropole selbst. Die langjährige ARD-Korrespondentin Franca Magnani etwa hat sich den Brunnen der Ewigen Stadt und dem emotionalen Verhältnis der Römer mit ihnen beschäftigt. Uwe Timm hat seine Erlebnisse in einer Bank aufgeschrieben samt der Wirren, die es mit sich bringt, dort ein Konto zu eröffnen. Es wurde ein

Mario DI Leo sorgte mit der Gitarre für italienisches Flair. Foto: Rüdiger Kahlke
Mario DI Leo sorgte mit der Gitarre für italienisches Flair.
Foto: Rüdiger Kahlke

Streifzug durch die Hierarchie der Bank und ihren inneren Prunk. Es war auch eine Abrechnung mit einer Bürokratie angesichts derer es nicht verwunderte, dass Joppich bei seinen Rom-Besuchen nur eines vermisst: die deutsche Bürokratie. – Ein gelobtes Land verglichen mit dem italienischen Pendant.

Wiedersehen im Herbst

In „Das Hirngespinst“ beschreibt Alberto Moravia Stolz und Pfiffigkeit einer Römerin. „Am Strand von Ostia“, der römischen Badewanne, taucht schließlich ein skurriler Sonnenanbeter mit fliegendem Sonnenschirm auf. Ernsthaft, frivol, witzig. – Joppich weiß jede Geschichte amüsant zu erzählen. Das Dolce-Vita-Gefühl mit Fingerfood und Rotwein perfektioniert Mario Di Leo mit seinen Songs, oft alten Volksliedern.

Man glaubt Joppich, dass er gerne nach Meinerzhagen kommt. Das Publikum machte deutlich, dass es das Duo gerne hier hat. Nach der Buchmesse im Oktober kommt zumindest Joppich wieder – mit einer jungen Autorin, die er vorstellen wird. Ein italienischer Abend in der Buchhandlung Schmitz wird das nicht wieder, aber sicher ein lohnender.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT