Friedlicher Protest gegen die AfD-Kundgebung im Kulturhaus. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Der Protest blieb friedlich – in der Sache blieben die Teilnehmer hart. Rund 250 Teilnehmer solidarisierten sich am Dienstag anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) bei einer Kundgebung am Kulturhaus. „Das ist keine Alternative für Deutschland“, rief IG Metall-Jugendsekretär Fabian Ferber unter dem Beifall des Publikums.

Anlass für die Kundgebung, zu der das „Bündnis für Menschenrechte hier und im gemeinsamen Europa“ aufgerufen hatte, war eine Wahlkampfveranstaltung der AfD. Sie lief unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen und weitgehend störungsfrei ab.

Verzögerter Veranstaltungsbeginn

Mitglieder des „Bündnis gegen Rechts“ hatten sich am Eingang des Kulturhauses aufgebaut. Foto: Wolfgang Teipel

Lediglich der Beginn der Veranstaltung mit AfD-MdL Christian Blex, Dr. Roland Hartwig und dem heimischen AfD-Kandidaten verzögerte sich ein wenig, weil sich Vertreter des Lüdenscheider „Bündnis gegen Rechts“ und engagierte Lüdenscheider am Eingang des Kulturhauses aufgebaut hatten.

Einigen Interessenten ohne AfD-Parteibuch gelang es, sich Zutritt zur Veranstaltung zu verschaffen. Wenig später wurden alle abgewiesen, die sich nicht als AfD-Mitglied ausweisen konnten. „Dabei hätte ich wahrscheinlich nur mit roten Ohren gehört, was da vom Podium aus verkündet wurde“, sagte ein Lüdenscheider, der nicht in den Roten Saal gelangte.

Benkhofer: Überkommenes Frauenbild

Beifall für die Redner. Foto: Wolfgang Teipel

„Was die AfD will, wird meinem Lebensentwurf nicht gerecht“, sagte Dr. Gudrun Benkhofer bei der Kundgebung im Kulturhausgarten. Die Partei sei rassistisch, islamophob und homophob, sowie fremdenfeindlich. Sie stilisiere ein längst überkommenes Frauenbild von der „gebärfreudigen Köchin“, orientiere sich am Rechtsradikalismus und arbeite auf ein „faschistisches System“ hin.

Die gegenkundgebung fand im Garten des Kultuerhauses statt. Foto: Wolfgang Teipel

Autoritärer Staat auf völkischer Basis

Fabian Ferber kritisierte: „Wenn die AfD von der Demokratie spricht, meint sie das Recht des Stärkeren.“ Aus Sicht von Hermann Morisse, der nach eigenen Angaben als Lüdenscheider Bürger sprach, plant die AfD einen autoritären Staat auf völkischer Basis. Führende Mitglieder begingen einen Tabubruch nach dem anderen, um die Debatte in Deutschland nach rechts zu drücken. Dagegen helfe nur ein demokratisches Bildungssystem, das den Blick über die AfD hinauslenke. Sein Appell: „Gehen sie am 24. September wählen und wählen Sie eine demokratische Partei.“

National-egoistische Lösungen

Hermann Morisse (rechts neben DGB-Kreisvorsitzendem Bernd Schildknecht) sprach als Lüdenscheider Bürger. Foto: Wolfgang Teipel

Matthias Wagner vom Ge-Denk-Zellen-Verein warf der AfD vor, sie setze in Sachen Klimawandel, Flüchtlinge und Globalisierung auf einfache national-egoistische Lösungen.

Während die Veranstalter von rund 250 Teilnehmern sprachen, ging die Polizei von etwa 150 Demonstranten aus. Ihr Einsatz wurde im Rahmen einer sogenannten „Besonderen Aufbauorganisation“ bewältigt, um den Schutz der Veranstaltung und deren störungsfreien Ablauf zu gewährleisten. Oberstes Ziel war es, ein Aufeinandertreffen rivalisierender Gruppen und Einzelpersonen zu verhindern. Sie musste lediglich eingreifen, als eiinige Teilnehmer lautstark gegen die Saalwände schlugen.

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3 KOMMENTARE

  1. Ich würde gern anmerken, dass ich es äußerst unglücklich finde den Protest im Kulturhaus vor dem Roten Saal in Ihrem Bericht nur als Protest der „Linken Szene“ einzuordnen. Ich selbst und auch einige andere waren dort nicht als Linke oder Autonome sondern als Bürger der Stadt Lüdenscheid, denen es wichtig ist gegen diese Partei Wort zu erheben und zu zeigen, dass wir keine rechtsorientierte Politik wünschen. Gegen Rechts zu sein bedeutet im umkehrschluss nicht gleich der Linken Szene anzugehören und m. E. schwächt diese Formulierung des Artikels für viele Leser den Protest ab. Dann heisst es „ach wieder die Linken“ aber das ist nur die halbe Wahrheit.

    • GUten Tag, Sie haben recht. Selbstverständlich konnte ich nicht jeden befragen, aus welchen Gründen er teilgenommen hat. Deshalb habe ich habe den Text aktualisiert. Der Begriff linke Szene ist tatsächlich stark auf ganz bestimmte Gruppierungen zugeschnitten.

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