Hajo Hoffmann ist Deutschlands Ukulele-Crossover-Künstler. Sein neues Programm heißt "Ukulele - a magic sound".

Schalksmühle. Hajo Hoffmann wirkt entspannt. Das war’s für heute. Für gut fünf Stunden hat sich Deutschlands Ukulele-Crossover-Spieler in sein Studio zurückgezogen. Das bedeutet volle Konzentration. Unter anderem bereitet sich Hajo intensiv auf das Konzert mit dem Streichquartett DASKwartett  in der Meinerzhagener Jesus-Christus-Kirche am 14. September (Beginn 17 Uhr/Eintritt 15 Euro) vor. Für den gemeinsamen Auftritt mit Fritz Schmid (Saxofon) und Tobias Link (Posaune) hat er eigens neue Stücke komponiert. Jetzt freut er sich auf die Zeit mit seiner kleinen Tochter Lovis. Hajo Hoffmann wirkt locker und wartet auf die Fragen von UnserLünsche.

In der Meinerzhagener Jesus-Christus-Kirche gastiert Hajo Hoffmann am Sonntag mit dem Streichquartett DASKwartett. Das Konzert beginnt um 17 Uhr.
In der Meinerzhagener Jesus-Christus-Kirche gastiert Hajo Hoffmann (Ukulele) am Sonntag mit dem Streichquartett DASKwartett. Das Konzert beginnt um 17 Uhr.

Hallo Hajo, Israel Kamakawiwo’ole hat sich mit seiner Stimme und seiner Ukulele in die Herzen der Menschen gespielt. Seine Interpretation von „Somewhere over the rainbow“ war nach dem Tod des Hawaiianers weltweit in Riesen-Hit. Ihre Musik klingt so völlig anders.

Hajo Hoffmann: Ich bewundere Musiker wie ihn. Beispielsweise auch Jake Shimabukuro. Aber meine Musik ist tatsächlich anders. Die hawaiianische Stimmung der Ukulele ist hervorragend zur Vokalbegleitung geeignet. Ich möchte der Ukulele mehr Geltung als Soloinstrument verschaffen.

Ein ehrgeiziges Vorhaben.

Hajo Hoffmann: Das kann man wohl sagen. Aber es läuft gut. Mein neues Programm „Ukulele – a magic sound“ berührt das Publikum. Es sieht das Instrument zunächst als Exotin im Konzertsaal und ist dann völlig überrascht, wie intensiv eine Ukulele klingen kann.

Woran liegt das?

Hajo Hoffmann: Sicher ist es die liebliche und weiche aber auch percussive Klangart einer Konzertukulele. Ich habe mich selbst in diesen Sound verliebt. Dann habe ich verschiedene Instrumente ausprobiert und festgestellt: Wenn ich meine übliche Quinttstimmung (d-a-e-h) einsetze, kann ich den Tonumfang der Ukulele enorm erweitern.

Das ist alles?

Hajo Hoffmann: Naja, so einfach ist es selbstverständlich nicht. Dazu kommt die Idee des Crossover. Ich möchte Brücken zwischen den Musikgenres bauen, Klassik mit Jazz verbinden und Musik von allen Kontinenten verschmelzen. Dabei kamen mir die Erfahrungen aus meinen Mandolinen-Soloprojekt „Mandovocale“ zugute.

Woher stammen die Einflüsse?

Ich habe fünf Jahre lang in Rio de Janeiro, dem wichtigsten Kulturzentrum Brasiliens, gelebt und dort die Mandoline studiert. Ich war als Musiker im Auftrag des Goetheinstituts in Indien unterwegs, habe Afrika bereist und immer gern mit Musikern aller Nationalitäten zusammengespielt.

Studien bei Zbigniew Seifert

Seit meiner Kindheit hat mich die Geige begleitet. Nach privaten Jazzstudien bei Zbigniew Seifert und Stéphane Grapelli habe ich Klassik und Jazz an der Musikhochschule Köln studiert. All diese Einflüsse begegnen sich jetzt in meinen Soloprogrammen und in der Zusammenarbeit mit dem Streichquartett DASKwartett.

2012 spielte Hajo Hoffmann mit der amerikanischen Sängerin Melva Houston im Schalksmühler Bauernhaus Wippekühl.
2012 spielte Hajo Hoffmann mit der amerikanischen Sängerin Melva Houston im Schalksmühler Bauernhaus Wippekühl.

Das klingt nach einem sehr eigenen Ding.

Hajo Hoffmann: Das soll es auch sein. Klar: Ich bewundere Männer wie Jake Shimabukuro. Sein Spiel ist ja vor allem durch Jazz, Rock und Pop geprägt. Bei mir kommt eben noch das klassische Element hinzu.

Will keine Kopie sein

Auch der Gitarrist John McLaughlin zählt zu meinen Vorbildern. Er ist ein absoluter Virtuose. Aber ich will keine Kopie dieser Musiker sein. Ich lasse mich aber gern von ihnen und anderen inspirieren.

Wo liegen die Grenzen der Ukulele?

Hajo Hoffmann: Das weiß ich nicht. Ich teste sie ja gerade aus und entdecke immer neue Möglichkeiten. Beispielsweise begleite ich mich mit Hilfe einer Loop-Station selbst. Mit diesem Effektgerät kann ich live zusätzliche Stimmen oder auch Percussions-Elemente einspielen. Das erweitert meine Möglichkeiten enorm.

Klingt die Ukulele dann noch wie eine Ukulele?

Hajo Hoffmann: Das ureigene Klangbild bleibt erhalten, auch wenn ich auf Nylonsaiten spiele und mich so an den Sound einer Gitarre anlehne. Die Interpretationweise sorgt aber dafür, dass nicht von der warmen vollen Klangfarbe der Tenorukulele verloren geht.

Reicht das, um die Ukulele auch die Konzert-Bühnen zu bringen?

Hajo Hoffmann: Ich denke schon. Die Reaktionen des Publikums und Stimmen aus der Fachwelt sind jedenfalls sehr ermutigend. Dazu kommt ein weiteres Projekt: Zurzeit bin ich mit dem Damen-Streichquartett „DASKwartett“ unterwegs. Wir spielen unter anderem Stücke, die wir eigens für diese Besetzung komponiert haben. Durch die Kombination von Streichinstrumenten und Ukulele entstehen völlig neue Klangfarben. So entwickelt sich eine zeitgenössische Musik mit einen faszinierendem Sound.

Erzählen Sie ein wenig über Ihre musikalische Vergangenheit.

Hajo Hoffmann: Da müssen Sie viel Zeit mitbringen. Nehmen wir einfach einige Aktivitäten aus den vergangenen fünf Jahren. Das Publikum aus Meinerzhagen und Kierspe erinnert sich sicher noch an das Konzert von Heinz-Rudolf Kunzes-Formation „Räuberzivil“ Stadthalle. Da war ich als Geiger von Heinz Rudolf Kunze mit dabei. Als Jazz-Violinist begleite ich auch die amerikanische Sängerin Melva Houston auf ihren Europa-Tourneen. 2012 waren wir im Bauernhaus Wippekühl in Schalksmühle.

Teufelsgeier - in Meinerzhagen trat Hajo mit Heinz Rudolf Kunzes Projekt "Räuberzivil" auf.
Teufelsgeier – in Meinerzhagen trat Hajo mit Heinz Rudolf Kunzes Projekt „Räuberzivil“ auf.

Gibt es noch andere Projekte?

Dazu kommt die Zusammenarbeit mit „Marea“ einer Band des Hannoveraner Gitarristen Wolfgang Stute. Mit ihm habe ich viele Auftritte in den deutschen GOP-Varietee-Theatern absolviert und mit Spitzen-Artisten aus aller Welt zusammengearbeitet. Faszinierend ist auch die Zusammenarbeit mit Jutta Seifert. Ich begleite die Schauspielerin bei Rezitationsabenden. Ganz frisch sind die musikalischen Ausflüge mit dem Jazz-Gitarristen Charlie Eitner und dem Jan Bierther-Quartett. Mit diesen fantastischen Musikern habe ich kürzlich beim Riverboat-Shuffle des Jazzclub Lüdenscheid gespielt.

Mit Fritz Schmid und Tobias Link kommen in Meinerzhagen sogar noch zwei neue Musiker dazu.

Hajo Hoffmann: Ja. Ich habe bei den Proben festgestellt, dass wir sehr gut zusammen passen. Ich bin sehr gespannt, wie das Publikum reagieren wird. Mir macht die Zusammenarbeit mit allen Musikern großen Spaß. Mit Fritz Schmid und Tobias Link kommen wieder zwei neue Musiker dazu. Es ist wie bei der Langen Nacht der Saiten, ein Konzept, das ebenfalls die unterschiedlichsten Musiker zusammenbringt. Jazz und Klassik, Blues und Pop, Folklore hat Heavy Metal, alles mit akustischen Instrumenten und mit Künstlern aus der Region. Das wäre ein tolles Projekt auch für Ihre Gegend.

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