Tach-Montage, Fotos: tft

Hagen. Am Ende des Ausbildungsjahres zieht die Arbeitsagentur Hagen Bilanz. Hier die Mitteilung des Hauses vom 2. November 2016 und das Resümee der Ausbildungspartner DGB, Arbeitgeber, Agentur Mark, SIHK:

„Ein massiver Rückgang bei den betrieblichen Ausbildungsstellen kennzeichnet die ohnehin schwierige Situation in der Volmestadt. Abwanderungstendenzen großer Ausbilder in der Region machen sich auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar“, resümiert Marcus Weichert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen, die Entwicklung. „Doch ist auch die Zahl der jungen Menschen, die eine betriebliche Berufsausbildung anstreben, wegen der verlockenden Angebote von Universitäten und Berufskollegs erneut gesunken. Ein Studium zu beginnen oder weiterhin die Schule zu besuchen wünschen sich viele Jugendlichen – und häufig auch ihre Eltern. Jedoch merken einige nach ein paar Wochen, dass dieser Weg nicht der
richtige für sie war. Schade, denn das hätte durch eine andere Entscheidung verhindert werden können.“

Hohe Nachfrage nach gut qualifizierten BewerberInnen

Einerseits gibt es in Hagen eine hohe Nachfrage von gut qualifizierten Bewerbern für anspruchsvolle Ausbildungsberufe, insbesondere im kaufmännischen Bereich, die nicht ausreichend vorhanden sind. Nicht zum Zuge gekommene Bewerber beginnen eher ein Studium, als dass sie auf einen weniger attraktiven Ausbildungsberuf zurückgreifen. Andererseits gibt es Besetzungsprobleme bei Berufen, die in den Augen der Jugendlichen nicht so „sexy“ sind. Die Zahl der unbesetzten Stellen hat sich mehr als verdoppelt. Fatal ist es, wenn diese Stellen unbesetzt bleiben. Für die Wirtschaft bedeutet dies, dass sie in zunehmendem Maße auch „schwächeren“ Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance geben muss. Hierfür empfiehlt die Agentur für Arbeit den Unternehmen die „assistierte Ausbildung“.

Unterschiedliche Entwicklungen – Hagen / Ennepe-Ruhr-Kreis

Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt ist in den beiden Regionen Hagen und Ennepe-Ruhr-Kreis inzwischen sehr unterschiedlich. Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen ist in Hagen leider deutlich um 189 oder 17,8 Prozent auf 875 zurückgegangen. Hier ist der Unterschied zum EN-Kreis besonders deutlich, da es dort eine Zunahme um 215 oder 13,2 Prozent auf 1845 gegeben hat.

Ende September waren in Hagen noch 47 und damit 26 Stellen mehr unbesetzt als 2015. Stellen im Verkauf, in der Nahrungsmittelbranche und im Handwerk können sofort noch vermittelt werden. Ein Ausbildungsbeginn ist jetzt noch möglich. Auch hier ist die Entwicklung in den Regionen vergleichbar, aber unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Ennepe-Ruhr-Kreis sind sogar 127 Ausbildungsstellen übrig.
In Hagen nahmen bis zum Ende des Beratungsjahres 2056 Bewerber die Berufs-beratung in Anspruch. Damit sank ihre Zahl im Vergleich zu 2015 leicht um 1,6 Prozent oder 33. Rund 18 Prozent der Bewerber haben einen Hauptschulabschluss, 33 Prozent verfügen über den Realschulabschluss und 43 Prozent über Fachhochschul- oder Hochschulreife. Die Zahl der Bewerber sank in Hagen mit 1,6 Prozent etwas weniger als im Ennepe-Ruhr-Kreis (2,7 Prozent).
Die Zahl der unversorgten jungen Menschen ist in Hagen mit 119 um ein Fünftel höher als im Vorjahr (im EN-Kreis mit 107 ein Fünftel niedriger). Hier verfügen fast alle Jugendlichen mindestens über den mittleren Bildungsabschluss. Viele werden aber erst nach den Sommerferien so richtig munter und wollen dann doch noch
eine Ausbildung beginnen. Zwar ist es dafür grundsätzlich noch nicht zu spät, aber meistens zu spät für die Erfüllung bestimmter Berufswünsche.
Auch für das nächste Ausbildungsjahr vermittelt die Agentur für Arbeit Hagen
Ausbildungsstellen. Sie hält eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten und Alternativangeboten auch für „schwächere“ Jugendliche und für Arbeitgeber bereit. So appelliert Weichert an die Unternehmen: „Jeder Ausbildungsplatz ist wichtig. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Partnern daran, das Matching von Angebot und Nachfrage zu optimieren. Dazu benötigen wir aber insbesondere die Unterstützung der Wirtschaft in Hagen: Melden Sie der Agentur Ihre Ausbildungsstellen!“

Das Resümee der Ausbildungsmarktpartner für die Region Hagen und Ennepe-Ruhr-Kreis:

DGB: Über andere Modelle zur Steigerung diskutieren

Anne Sandner, stellv. DGB-Regionsgeschäftsführerin Ruhr-Mark: „Trotz großem und anzuerkennendem Engagement der Akteure ist leider festzustellen, dass die gemeldeten Stellen statt der anvisierten Steigerung sogar noch im großen Maße rückläufig sind. Zahlreiche Appelle und zusätzliches Akquisitionspersonal zur Ansprache der Betriebe bringen anscheinend nicht die erhoffte Wirkung. Deshalb können weder die proklamierte schlechte Schulbildung noch die Akademisierungsdebatte darüber hinweg täuschen, dass es an der Ausbildungsbereitschaft vieler Betriebe mangelt. Der oft zitierte Fachkräftemangel scheint demnach wohl eher ein abstraktes Problem zu sein. Aber tausenden jungen Menschen Jahr für Jahr keine berufliche Perspektive bieten zu können, ist sowohl eine volkswirtschaftliche als auch eine soziale Katastrophe. Es ist wohl wieder an der Zeit, über andere Modelle zur Steigerung der Ausbildungsplätze zu diskutieren.“

Arbeitgeber: Entwicklung ist problematisch

Dr. Bettina Schwegmann, Geschäftsführerin des Märkischen Arbeitgeberverbandes: „Die Bilanz des Ausbildungsjahres 2015/2016 in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis ist aus Sicht des Märkischen Arbeitgeberverbandes unbefriedigend. Die Zahl der Bewerber ist zwar demographisch bedingt im Vergleich zu 2014/2015 leicht gesunken; im Gleichschritt ging aber auch die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen noch einmal zurück. Diese Entwicklung ist problematisch. Trotzdem ist das Potenzial für mehr betriebliche Ausbildung in unserer Region auf jeden Fall vorhanden. Das zeigt der Befund, dass im Berichtsjahr 2015/2016 entgegen dem Trend die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze in der Gesamtregion leicht gestiegen ist.“

Agentur Mark: Berufsfelderkundung nutzen

Kirsten Kling, Geschäftsführerin der agentur mark: „Wir möchten insbesondere die Unternehmen, die unbesetzte Ausbildungsstellen haben, ermuntern, über die Berufsfelderkundung Schüler und Schülerinnen bereits während der Schulzeit zu sich zu holen und so Interesse an dem eigenen Unternehmen und den Berufen zu wecken. Hierfür stellt die Region im Rahmen der Initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ein Portal zur Verfügung: www.berufsfelderkundung-ha-en.de. Unternehmen können sich dort über das Instrument Berufsfelderkundung informieren und sich mit konkreten Angeboten registrieren. Im Stadtgebiet Hagen, weil überdurchschnittlich von den sinkenden Zahlen betroffen, werden wir verstärkt für 2017 werben.“

SIHK: Ausbildungsmarkt im Kammerbezirk stabil – 56 neue Ausbildungsbetriebe

Thomas Haensel, Geschäftsführer Bildung der SIHK: „Die betriebliche Berufsausbildung hat für die Schüler nicht an Strahlkraft verloren. Zum Stichtag 30.09.2016 konnten im Kammerbezirk der SIHK zu Hagen 3389 Ausbildungsverträge neu eingetragen werden. Davon entfielen 1275 auf gewerbliche Berufe und 2114 auf den kaufmännischen Bereich. Dies spricht für die große Stabilität des heimischen Ausbildungsmarktes. Trotz der rückläufigen Schulabgängerzahlen ist es der SIHK gelungen, durch gezieltes Ausbildungsmarketing die Jugendlichen für die duale Berufsausbildung in den heimischen Unternehmen zu interessieren. Die vorzügliche Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen findet ihren Ausdruck darüber hinaus darin, dass im Rahmen der Endspurtaktion mehr als 110 noch unbesetzte freie Ausbildungsplätze für das laufende Jahr 2016 zur Verfügung gestellt wurden. Besonders positiv ist aus Sicht der SIHK, dass im Berichtsjahr 56 neue Ausbildungsbetriebe gewonnen werden konnten.“

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