In den ersten Lebenswochen genießen die Kälbchen die Muttermilch.

Halver. Die heimischen Bauern haben den größten Teil der Ernte 2015 eingefahren. Der Mais steht noch. Die Häcksler werden in Kürze angeworfen. Manche bringen sogar noch schnell einen fünften Grasschnitt ein. Für Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis und die meisten seiner Kollegen zwischen Volme und Hönne war 2015 „ein gutes Erntejahr“.

Medien drängen Landwirtschaft in Schmuddelecke

Ganz ungetrübt ist die Freude des Vorsitzenden allerdings nicht. Im Bauernstand herrsche gedrückte Stimmung, sagte er bei der traditionellen Erntedank-Pressekonferenz des Kreisverbandes. Sie fand in diesem Jahr auf dem Hof der Familie Berbecker in Halver statt. Buttighoffer Stellvertreter Ulrich Brinkmann drückte es ein wenig drastischer aus. „Zwischen Wohlgefallen und Würgen“. So beschreibt er seine eigene Gemütslage. Auch er ist mit der Ernte zufrieden. Das Würgen bekomme er „wenn unsere andere sagen, wie wir uns verhalten sollen.“ Viele Medien drängten die Landwirtschaft in die Schmuddelecke. Stichwort Gülle. Das Medienecho auf Verfehlungen einzelner sei oftmals so heftig, dass der gesamte Berufsstand darunter leide. „Dabei versorgen wir die Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln“, unterstrich Ernst Berbecker.

Preise total im Keller

Nahmen an der traditionellen Pressekonferenz zum Erntedankfest teil: Ulrich Brinkmann (stellvertretender Kreisvorsitzender), Ludwig Krämer (Geschäftsführer des Kreisverbandes), Günter Buttighoffer (Vorsitzender des Kreisverbandes) sowie Ernst, Doris und Marie Berbecker.
Nahmen an der traditionellen Pressekonferenz zum Erntedankfest teil: Ulrich Brinkmann (stellvertretender Kreisvorsitzender), Ludwig Krämer (Geschäftsführer des Kreisverbandes), Günter Buttighoffer (Vorsitzender des Kreisverbandes) sowie Ernst, Doris und Marie Berbecker.

Das werde allerdings auch vom Markt allerdings nicht ausreichend gewürdigt. „Die Preise für Ferkel, Schweinefleisch und für Milch befinden sich derzeit total im Keller“, klagt Günter Buttighoffer.

Damit hat auch Ernst Berbecker zu kämpfen. Seit klar ist, dass der Hof in Familienhand bleibt, hat der Halveraner Landwirt kräftig investierter hat einen neuen Stall für 250 Tiere gebaut. Hier wir4d seit 2011 mit Melkrobotern gemolken. „Das Umfeld ist so für Menschen und Tiere besser geworden“, bekräftigte er. Seit kurzem verfügt sein Betrieb zudem über eine Hofbiogasanlage. Aus betriebseigener Gülle und dem anfallenden Mist erzeigt sie Strom und Wärme.

„Geht’s den Tieren gut, geht’s auch dem Betrieb gut“

Ihre landwirtschaftliche Nutzfläche nutzen Doris und Ernst Berbecker als Grünland sowie für den Anbau von Silomais, Feldgras und Futtergetreide. Das Credo der Berbeckers lautet: „Geht’s den Tieren gut, geht’s auch dem Betrieb gut.“ Berbeckers Gattin schwört: „Mein Mann kennt alle Tiere und weiß, wie es ihnen geht.“ Die Daten aus dem Melkroboter brauche er tatsächlich nur als letzte Kontrolle.

Buttighoffer: „Wir sind kein Streichelzoo“

Ohne Technik und den wirtschaftlichen Einsatz aller Betriebsmittel könne kein Landwirt überleben“, betonte Günter Buttighoffer. „Wir sind kein Streichelzoo.“

Marie Berbecker in der Kälberaufzucht, dem Kindergarten der Berbeckers.
Marie Berbecker in der Kälberaufzucht, dem Kindergarten der Berbeckers.

Im Kindergarten der Berbeckers sieht das allerdings ein wenig anders aus. Die Kälbchen erfahren die liebevolle Zuwendung von Doris Berbecker. Der weibliche Rindernachwuchs begleitet die Familie oft über viele Jahre. Die Tiere werden zur Nachzucht und zur Auffüllung des Bestandes benötigt. Die männlichen Kälber werden aber in der Regel verkauft.

In Sachen Milchpreis schaut Ernst Berbecker inzwischen wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. „Ich gehe von einem leichten Anstieg aus“, sagte er. Zum Erntedankfest sind das zumindest wieder versöhnlicher Aussichten.

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