Pflege im Alter
Hilde Mattheis, Petra Crone, Udo Terschanski und Brigitte von Germeten-Ortmann diskutierten über das 1. Pflegestärkungsgsetz.

Lüdenscheid. Der Einsatz für eine gute Pflege im Alter lohnt sich. „Endlich ist das Thema in der Politik angekommen“, sagte eine Teilnehmerin zum Schluss der Informationsveranstaltung im Roten Saal des Lüdenscheider Kulturhauses. Wie ernst es die Politik mit einer verbesserten Pflege im Alter meint, hatte zuvor hatte die Kiersper SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone in der Veranstaltungsreihe „Fraktion vor Ort“ verdeutlich. „Das ist eine riesige Herausforderung für die gesamte Gesellschaft“, sagte sie bei der Podiumsveranstaltung am Dienstag.

Gute Pflege im Alter kostet auch gutes Geld

Unterstützt wurde sie von ihrer Kollegin Hilde Mattheis. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion redete Klartext. „Gute Pflege im Alter kostet auch gutes Geld“. Verbesserungen seien nur durch die geplanten Beitragsanhebungen in der Pflegeversicherung zu erreichen. Aber: „Die Pflege ist ein Thema, mit dem die SPD ihre Idee von Solidarität und Gerechtigkeit dokumentieren kann. Das haben wir im Koalitionsvertrag gut hinbekommen“, stellte die Parlamentarierin aus Ulm fest.

Pflege im Alter
Petra Crone: „Gute Pflege ist eine riesige Herausforderung für die gesamte Gesellschaft.“

Mit dem ersten Pflegestärkungsgesetz soll eine Vielzahl von Verbesserungen im finanziellen Leistungsumfang von rund 2,4 Milliarden Euro erreicht werden. So soll etwa die häusliche Pflege gestärkt und die Betreuung in den Pflegeheim (verbesserter Personalschlüssel) verbessert werden. Ein weiterer Punkt ist der Ausbau von Leistungen für Pflegebedürftige, die an psychischen Störungen leiden oder an Demenz erkrankt sind.

Bezahlte Auszeit

Ein weiteres Gesetz, das zum 1. Januar 2015 in Kraft treten soll, soll regeln, das Menschen, die kurzfristig die Pflege eines Angehörigen organisieren müssen, eine bezahlte Auszeit von ihrer Berufstätigkeit von bis zu zehn Tagen nehmen können. Weiter sollen höhere Zuschüsse für die altersgerechte Umrüstung von Wohnungen gewährt werden. Auch Pflegemittel sollen besser bezuschusst werden. Neue Regelungen sollen auch bei der sogenannten Verhinderungspflege eingeführt werden.

Gesetz weist Lücken auf

Für Udo Terschanski, Leiter des Bonhoeffer-Altenzentrums und des Amalie Sieveking-Hauses, sowie Brigitte von Germeten-Ortmann vom Caritasverband für das Erzbistum Paderborn ist das 1. Pflegestärkungsgesetz „ein Schritt nach vorn“. Allerdings, so Terschanski, weise es Lücken auf. Es berücksichtige nicht, dass die stationären Einrichtungen viele Hochaltrige und Sterbende aufnähmen, dass deutlich mehr Zeit als früher für die Aufklärung von Angehörigen verwendet werden müsse und das die medizinische Behandlungspflege nicht refinanziert sei.

Überbordende Bürokratie

Brigitte von Germeten-Ortmann machte sich für den Abbau von überflüssiger Bürokratie insbesondere in der Dokumentation und für eine differenzierte Ausbildung in den Pflegeberufen stark.

Rund 100 Interessenten verfolgten die Ausführungen zum Thema gute Pflege im Alter. Einige von ihnen nahmen an der lebhaften Diskussion teil. So wurden beispielsweise Fälle von krassem Fehlverhalten von Pflegepersonal geschildert. Die die beiden Politikerinnen reagierten bestürzt.

Das Problem: Seit 1995, dem Jahr der Einführung der Pflegeversicherung, ist die Zahl der Pflegebedürftigen ständig gestiegen. Derzeit sind rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. 2030 werden es rund 3,31 Millionen und 2050 sogar 4,36 Millionen sein. Dieser steigenden Zahl steht ein eklatanter Mangel an Pflegekräften gegenüber. Im Jahr 2050 könnten nach jüngsten Schätzungen rund 152 000 Fachkräfte fehlen.

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