"Lasset die Kindlein zu mir kommen . . ." -Diese prächtige Glasmalerei ist in Eiringhausen in der Kirche Johannes Baptist zu sehen.

Plettenberg. Im Wohnzimmer von Renate Martin-Schröder hängen zwei Glasmedaillons. Sie leuchten im Wechsel des Tageslichts im Wohnzimmer an der Schwarzenbergstraße, hoch über dem Plettenberger Ortskern. Die Buntglasbilder sind ein Hochzeitgeschenk. Renate Martin-Schröder und ihr Mann Wilfried halten sie hoch in Ehren. Die im Sonnenlicht funkelnden Szenen mit Symbolen aus der Kaufmannswelt und dem Arbeitsalltag des Technikers erinnern die Eheleute tagtäglich an den Bund, den sie fürs Leben geschlossen haben und an den Onkel aus Ostende. Cor Westerduin (1901 – 1980) führte eine Glasmaler-Werkstatt und hat vor vielen Jahren bei Renate Martin-Schröder die Leidenschaft für Buntglasfenster geweckt.

Begeisterung für Buntglasbilder

„Ein faszinierender Beruf“, sagt Renate Martin-Schröder. Sie bewunderte den Onkel für sein handwerkliches Geschick und die Gabe, das Leben von Heiligen in zeitgemäße Darstellungen zu verwandeln. „Oft versenkte er sich tagelang in Legenden und Erzählungen.“ Die Begeisterung für Buntglasbilder in Kirchen und Profanbauten hat Renate Martin-Schröder bis heute nicht losgelassen. Zu Recht: Keine andere Malart kann eine so hohe Farbleuchtkraft und Helligkeitsunterschiede entwickeln wie ein durchsichtiges Glasbild.

Bunte und Bildhafte Auferstehungsszene

Ein weiteres Fenster aus der Eiringhauser Kirche Johannes Baptist.
Ein weiteres Fenster aus der Eiringhauser Kirche Johannes Baptist.

Davon gibt es in Plettenberg, Herscheid und Umgebung jede Menge. „Man muss sie allerdings entdecken.“ Viele Plettenberger kennen die Fensterbilder in der Christuskirche, die in den 1950er von Wolfgang Fentsch gestaltet worden sind. Manch Kleinod versteckt sich aber auch in Sakristeien, kleinen Bethäusern oder Friedhofskapellen. So sehen Trauernde in der Friedhofskapelle auf dem Hirtenböhl eine beeindruckende Auferstehungsszene – bildhaft und bunt. Eher abstrakt der Kampf zwischen Gut und Böse in der katholischen St.-Bonifatius-Kirche in Plettenberg-Oesterau. Das Werk (Entwurf von Franz Pauli, Ausführung durch Otto Peters, Paderborn) ist ganz in Rot und Blau gehalten und weit entfernt von der sehr gegenständlichen Abendmahlsszene in der Eiringhauser evangelischen Johannis-Kirche mit ihren vielen dekorativen Elementen. So spiegeln die Fenster nicht nur die Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer, sondern auch Geschichte und Zeitgeschmack.

Die Fenster leben vom Lichteinfall

Die Glasfenster leben vom Lichteinfall. Die bunten Scheiben verwandeln das weiße Tageslicht in vielfarbiges Licht und verändern immer wieder die Atomsphäre im Kirchenraum und lassen das religiöse Geschehen buchstäblich in einem anderen Licht erscheinen. Anders als bei Wandmalereien, die beleuchtet werden, strahlen die Glasfenster von innen heraus.

Renate Martin-Schröder ist tief in die Kunst der Glasmalerei und ihre Geschichte eingetaucht und hat ihren Mann Wilfried gleich mitgenommen. Er hat mit Liebe zum Detail und Können viele dieser einzigartigen Kunstwerke fotografiert. Die Leidenschaft seiner Frau Renate nimmt er mit Gelassenheit und Humor. „Wenn meine Frau in einer fremden Stadt verschwunden ist, findet man sie garantiert in der nächsten Kirche“, schmunzelt er.

Info: Renate Martin-Schröder bietet neben ihren Stadtführungen als zertifizierte Kirchenführerin auch eine Plettenberger Kirchenwanderung an, bei der sie gern auch über die prachtvollen Fenster berichtet. Diese Wanderungen können individuell zusammengestellt werden. Außerdem sind auch Führungen durch einzelne Kirchen möglich.

Kontakt: Renate Martin-Schröder, Telefon: 0 23 91/ 29 58, mobil: 0171 422 80 58 oder Mail: renmaschroe@gmx.de

Fotos: © Wilfried Martin

 

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