Am Dura-Standort Plettenberg sollen in diesem Jahr rund 240 Stellen abgebaut werden. Foto: Komplett-Magazin/Heiko Höfner

Plettenberg. Der Versuch von Dura-Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern, Gespräche über die Zukunft der Dura-Standorte Plettenberg und Selbecke zu führen, ist am Freitag (8. Juli) erneut abgebrochen worden. Während die Dura-Verhandlungsführer „inakzeptable Forderungen“ von IG Metall und Betriebsrat als Grund für den Gesprächsabbruch anführen, sprechen die Arbeitnehmervertreter vom „Aufbau einer Drohkulisse“ und „unwahren Behauptungen“ der „Gegenseite“.

lavine
Jerry Lavine, Duras Executive Vice President und Chief Program Officer Foto: www.duraauto.com

Nachdem die Dura-Delegation am vergangenen Dienstag gar nicht erst zum Gesprächstermin erschienen war, kehrte sie gestern zunächst an den Verhandlungstisch zurück. „Wir sind zu enormen Zugeständnissen bereit gewesen. Wir haben stets betont, dass wir bereit sind, über Abfindungen zu sprechen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies jedoch verfrüht, da zunächst das wirtschaftliche Überleben von Dura in Plettenberg sichergestellt werden muss“, so Verhandlungsführer Jerry Lavine, Duras Executive Vice President und Chief Program Officer. Nach seiner Darstellung provozierten die Arbeitnehmervertreter den Abbruch der Verhandlungen. „Das kontraproduktive Verhalten der IG Metall und des Betriebsrates haben die Verhandlungen erneut scheitern lassen. Das ist für uns unverständlich und könnte sehr negative Konsequenzen für die Mitarbeiter haben.“

Torsten Kasubke
Torsten Kasubke

Laut IG-Metall-Verhandlungsführer Torsten Kasubke wollten die Arbeitnehmer das Themenfeld Sozialplan und Abfindung gar nicht aufmachen, „allerdings unter der Prämisse, dass wir eine Zusage für den Abschluss eines sicher finanzierten Sozialplans in der Zukunft erhalten.“ Bei einem möglichen Stellenabbau dieser Größenordnung sei ein Sozialplan nach Gesetz sogar Pflicht. „Insofern ist das keine überzogene Forderung. Es kann auch nicht sein, dass die Beschäftigten weiterhin Mehrarbeit leisten sollen – gleichzeitig könnten sie im Falle einer möglichen Insolvenz mit dem Arbeitsplatzverlust komplett leer ausgehen. Diese Schieflage können wir nicht akzeptieren.“

Bezugnehmend auf die Stellungnahme der Dura-Leitung stellt der Gewerkschaftsvertreter klar, dass die Arbeitnehmer nicht mit neuen Forderungen zum Gespräch am Freitagmittag gegangen sein. Kasubke: „Im Gegenteil: Es waren wir, die entgegen gekommen sind. Die Gegenseite sollte auch aufhören, mit solch unwahren Behauptungen und Gebärden zur Zukunft der Dura-Standorte eine Drohkulisse aufzubauen, die das Vertrauen in weitere Gespräche tief erschüttern können.“

Geschäftsführung appelliert an Mitarbeiter:
Produktion aufrechterhalten

Befremdlich findet Kasubke den Umstand, dass der Arbeitgeber die Belegschaft ohne Genehmigung des Betriebsrats zur Mehrarbeit am Wochenende auffordert. „Man kann unterschiedlicher Auffassung sein. Aber geltendes Recht darf nicht gebrochen werden. Diese Grenze wird hier überschritten“, stellt Kasubke fest.

Er bezieht sich damit auf ein Schreiben, mit dem sich die Geschäftsführung am Freitag per Aushang an die Mitarbeiter wandte. Das Schreiben liegt der TACH-Redaktion vor. Darin heißt es u.a.: „Die wirtschaftliche Lage der Standorte ist weiter angespannt. Umso wichtiger ist es, die Produktion aufrechtzuerhalten und nicht zu gefährden. Ohne die Mehrarbeit ist die ordnungsgemäße Abarbeitung unserer Aufträge nicht möglich. Es droht der Verlust unserer Kunden, wenn wir nicht zeitgerecht und Teile von hoher Qualität liefern. Das verschlimmert die Lage weiter und wird am Ende dazu führen, dass die Einschnitte noch drastischer ausfallen müssen. Gleiches gilt für Streiks. Wir können die Arbeitsausfälle nur schwer auffangen. Das ist unverantwortlich unseren Kunden gegenüber. Und am Ende zahlen sie unser Gehalt!“

Der Betriebsrat hatte als Konsequenz der am Dienstag gescheiterten Gespräche die Genehmigung von Mehr- und Wochenendarbeit verweigert.

Arbeitnehmer wollen weiter verhandeln

IG Metall und Betriebsräte hoffen trotz aller Gegensätze weiterhin, eine Lösung über Gespräche herbeiführen zu können. „Wir sind bereit, über die Zukunft von Dura im Sauerland zu verhandeln. Die Gespräche der vergangenen Woche stimmten uns eigentlich zuversichtlich. Die Mitarbeiter haben es nicht verdient, dass nach der Ankündigung des großen Stellenabbaus aus dem letzten November weitere Monate vergehen“, stellt Kasubke fest.

 

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here