Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen weiter um den Fortbestand der DURA-Standorte Plettenberg und Selbecke bangen. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Im Rahmen eines Treffens der deutschen DURA-Betriebsräte im niedersächsischen Einbeck kamen die Verhandlungsspitzen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite zusammen, um über die Zukunft von DURA in Plettenberg und Selbecke zu diskutieren. Die IG Metall im Märkischen Kreis gab dazu folgende Pressemitteilung heraus:

Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall im MK Foto: Bernhard Schlütter
Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall im MK Foto: Bernhard Schlütter

Die Arbeitnehmervertreter äußerten das Angebot, von einem Stopp von Überstunden und Sonntagsarbeit abzusehen. Im Gegenzug soll der Arbeitgeber die vor kurzem gekündigten Gewinnabführungsvereinbarungen wieder in Kraft setzen. Außerdem wurde begehrt, die Stundenkonten der DURA-Beschäftigten bis zum 12. Juni durch Geldzahlung auszugleichen. „Die DURA-Verhandler waren dazu nicht bereit, sofern die Mehr- und Sonntagsarbeit nicht über einen unerheblichen Zeitraum genehmigt wird. Wenn es nach der DURA-Spitze geht, sollen die Leute weiter Überstunden anhäufen – ohne die Sicherheit, sie überhaupt vergütet zu bekommen. Wenn die Gewinnabführungsvereinbarung weiterhin außer Kraft gesetzt bleibt, ist diese Befürchtung durchaus begründet“, erklärt Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis und Verhandlungsführer für die Arbeitnehmerseite. Durch die Gewinnabführung sei in der Vergangenheit gewährleistet worden, dass mögliche Verluste im DURA-Verbund ausgeglichen werden können.

Während des Gesprächs forderten die Arbeitnehmer dazu auf, über einen „dritten Weg“ zur Zukunft von DURA im Sauerland zu verhandeln. Seit Wochen arbeiten Experten im Bereich Arbeitswissenschaften und Betriebswirtschaft im Auftrag des Betriebsrats an einem Alternativkonzept zum Erhalt der heimischen Standorte. Kasubke: „Wir haben konkrete Verhandlungen in Aussicht gestellt. Bis zu den Ferien hätten wir fertig sein können. Leider ist auch dieses Angebot vom Arbeitgeber ausgeschlagen worden. Das erweckt erneut den Eindruck, dass die Unternehmensführung nur zum Schein verhandeln und Zeit rausschlagen wolle. Das ist gegenüber den 1.400 Beschäftigten nicht redlich. Das lassen wir uns auch nicht gefallen.“

Die Verhandlungen indes endeten abrupt. Auf Antrag der Arbeitnehmerseite sollte eine kurze Verhandlungspause stattfinden. Dem wollte die Gegenseite nicht entsprechen und widerwillig höchstens 10 Minuten einräumen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Selbst bei äußerst kritischen Verhandlungen, die über Existenz oder Ende von Betrieben entscheiden sollten, ist man zumindest hier immer mit großem Respekt miteinander umgegangen. Hier wollte die Gegenseite in die Autonomie unserer Verhandlungsführung eingreifen. So funktionieren sachliche Gespräche, wie sie durch die von DURA einbestellte PR-Agentur regelmäßig eingefordert werden, nicht“, resümiert Torsten Kasubke.

In Anschluss fanden zwischen Arbeitgeber und Betriebsratsseite noch weitere Gespräche statt, um Kundenwünschen zu entsprechen. Die Arbeitnehmerseite hatte hierbei vorgeschlagen, über 8 Wochen Sonntags- und Mehrarbeit zu genehmigen und in der Kalenderwoche 21 die Zukunftsverhandlungen aufzunehmen. Im Gegenzug sollten die Stundenkonten gemäß den tariflichen Bestimmungen ausgezahlt werden. Dieses Angebot hat die Arbeitgeberseite abgelehnt und riskiert damit Bandstillstände bei Audi und anderen Automobilherstellern.

„Auch so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Torsten Kasubke. Dies stelle unter Beweis, dass die Amerikaner offensichtlich kein Interesse an dem Standort Plettenberg haben und ihnen die Erstausrüster egal seien. Kasubke: „Anders ist das nicht zu erklären, dass sie das Angebot der Arbeitnehmer ausgeschlagen haben.“

Die Belegschaft soll voraussichtlich am Montag in einer Betriebsversammlung über diese seltsamen Vorgänge informiert werden.

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