Einen richtig schönen Singer-/Songwriterabend gab es statt im Stadtpark im Kulturhaus Lüdenscheid. Der Park wurde kurzerhand mitgebracht. Fotos: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Ein „Picknick im Park“ sollte es eigentlich werden. Geworden ist es dann aufgrund widriger Wetterverhältnisse ein absolut schöner, atmosphärisch sehr dichter und überaus gelungener Abend im Kulturhaus.

Ingo Starink an der Technik. Er sorgte für das richtige Rauschen im Wald.
Ingo Starink an der Technik. Er sorgte für das richtige Rauschen im Wald.

So viele lobende Worte? Ja, und die haben sie auch verdient. Was Kulturhaus und KultStädte e.V. zusammen mit den insgesamt acht Live-Acts an diesem Abend da auf die Beine gestellt haben, war schon außergewöhnlich. Und hat das Publikum vom ersten Augenblick an verzaubert. Eine Bühne, die mit einer großen Projektion des Stadtparkes in einen Märchenwald verwandelt wurde. Davor die Künstler, an Tischen und in direktem Kontakt zum Publikum, zwei kleine Bühnen auf der großen Bühne, viel Lebendigkeit gemixt mit einem besonderen Frieden. Den irgendwie alle spürten. Selten erlebt man soviel gelebte Harmonie und dabei so großes musikalische Können so konzentriert und wohltuend. Wenn das hier ein Beispiel dafür war, was die Musikszene in und um Lüdenscheid im Moment zu bieten hat, dann dürfen Stadt und Umgebung zumindest in dieser Beziehung mehr als nur Hoffnung haben. Sehr viel mehr.

Binyo und Rudolf, das Dreamteam

Binyo und Rudolf. Was zusammengehört, gehört halt irgendwie zusammen.
Binyo und Rudolf. Was zusammengehört, gehört halt irgendwie zusammen.

Da war Binyo aus Halver z.B., der mit seinem Saxofonisten Rudolf F. Nauhauser gemeinsam das Publikum nicht nur schon bei den ersten Akkorden zum Mitsingen animierte, sondern zudem auch durch seine Texte bestach, die ihn zu Recht und Nachhaltig als „Meister des Wortes“ auszeichnen.

Mal witzig, mal eher nachdenklich, aber immer mit einem besonderen Esprit und sehr viel Charme, hatte er sein Publikum komplett in der Hand. Ohne wenn und aber, dafür auf eine wirklich umwerfende Art und Weise. Und in der Kombination mit Rudolf, der einfach alles auf dem Saxophon spielt und das dann auch noch extrem gut, legten beide noch einmal eine Schippe drauf.

Sturmgewitter Hardy

Hardy alias Markus Hartkopf. Sturm, Gewitter und sanfte Brise. Alles in einem,
Hardy alias Markus Hartkopf. Sturm, Gewitter und sanfte Brise. Alles in einem.

Einem Sturmgewitter glich Markus Hartkopf, der Leadsänger der John Porno Band. Wen er nicht mitreißt, der ist tot. Oder so ähnlich. Er hat eine Kraft, die locker für ein ganzes Publikum ausreicht und weit darüber hinaus geht. Und die Songs? Nun, die sind wie er. Tiefsinnig, mitreißend und irgendwie sexy. Hardy, wie er auch genannt wird ist ein perfektes Gesamtpaket aus Power und höchster Musikalität. Und das bewies er allen an diesem Abend noch einmal aufs Neue. Ihm zuzuhören, nun, da macht man nie was falsch.

Sie sind auf dem Weg in die große, weite Welt

Sweethearts - beide!
Sweethearts – beide!

Wie immer zuckersüß und ganz und gar wunderbar anzuhören und zu sehen: HonigMut. Nando und Melina – wie konnten die beiden eigentlich irgendwann einmal ohne einander Musik machen? Eigentlich nicht zu glauben, sieht man sie zusammen auf der Bühne. Die beiden sind auf dem Sprung in die große weite Welt des Erfolges, das spürt man ihnen ab, schön, wenn man sie noch eine Weile hier in Lüdenscheid genießen darf. Bei diesem Konzert, machten sie ihrem Namen alle Ehre und hinterließen ein zu recht begeistertes Publikum.

Das große Herz aus Altena

Tlako Mokgadi und seine Frau Ulrike Wagner.
Tlako Mokgadi und seine Frau Ulrike Wagner.

Den Altenaer Musiker und Lehrer Tlako Mokgadi und seine Frau Ulrike kennt wahrscheinlich auch mittlerweile fast jeder Lüdenscheider. Die beiden gaben sich sanft und nachdenklich, voller Sehnsucht und ganz viel Liebe. Der Südafrikaner Tlako ist ein riesengroßes Herz auf zwei Beinen, das im Zweiklang schlägt mit Ulrike und auch immer ganz schnell gemeinsam mit seinem Publikum. Es ist einfach nicht möglich, den beiden zuzuhören, ohne sich danach ganz eingehüllt zu fühlen in Liebe, Annahme und Geborgenheit. Sie hatten es zusammen einfach drauf.

Newcomerin Leni Stang

Leni Stang, kleine Frau mit großer Stimme!!
Leni Stang, kleine Frau mit großer Stimme.

Ein echter Newcomer und Überraschung des Abends: Leni Stang. Leni ist eigentlich eine ganz kleine Frau, aber mit einer riesengroßen Stimme.

Man sah sie in dem einen Moment noch fast hinter dem Notenständer und ihrer Gitarre verschwinden, und war im nächsten Moment hellwach und völlig hingerissen. Dazu überzeugte sie mit tiefgründigen Texten und wirklich schönen Melodien. Man fühlte sich besser nach ihrem Auftritt. Das war ein echt überzeugendes Debüt.

Zweieck sind anders

Zweimal Alexander in Form von "Zweieck". Sie fielen auf angenehme Weise irgendwie aus dem Rahmen.
Zweimal Alexander in Form von „Zweieck“. Sie fielen auf angenehme Weise irgendwie aus dem Rahmen.

Die Gruppe Zweieck hiphoppte zwischen all den ernsten und weniger ernsten Tönen, fröhlich aus der Reihe. Sie setzten als zwei Jungs, die beide auf den Namen Alexander hören, mit englischen Texten, Coolness und dem ganz speziellen Drive des „einfach-mal-ein-bisschen-anders-sein“ einen schönen Kontrapunkt immer dann, wenn alles gerade in unglaublicher Harmonie und Freundlichkeit friedvoll dem Horizont entgegensegelte.

Rumms, da war man wieder zurück in der Realität. Und auch das will man sehen und hören an so einem Abend.

Die „Youngsters“ waren in Höchstform

Otherside mit Sarah Leann und Manuel. Die beiden waren die jüngsten an diesem Abend und hatten es voll drauf!
Otherside mit Sarah Leann und Manuel. Die beiden waren die jüngsten an diesem Abend und hatten es voll drauf.

Eingesprungen für Kim Leitinger waren an diesem Abend Sarah Leann Redding und ihr Gitarrist Marco Zeisig von der Band Otherside. Unglaublich, was Sarah alles mit ihrer gerade mal 16 Jahre alten Stimme machen kann. Und wie cool und sicher Marco sie dabei begleitet. Die beiden „Youngsters“ dieses Abends liefen zu Höchstform auf. Dazu holten sie noch ihren Bandleader Benedikt Czylwik auf die Bühne, der fast alle Texte der Band schreibt. Auch er gerade mal 18 Jahre alt. Sie passten gut in die Riege der Profis, sind sie doch selbst schon fast welche.

„Ich & Du“ mit Songs von „Sonnabend“ – das ging auf

Ich & Du und Sonnabend und Breddermann. Wer weiß das schon so genau ;-)
Ich & Du oder Sonnabend und Breddermann. Wer weiß das schon so genau 😉

Natürlich ließ es sich auch der 1.Vorsitzende von KultStädte e.V. Klaus Sonnabend nicht nehmen, an diesem Abend auf der Bühne zu stehen. Gemeinsam mit seinem „Buddy“ Christian Breddermann ist er (manchmal) das Duo „Ich & Du“, das wohl zu recht zu einer der lokalen „Lieblingsbands“ zählt. Wer kann diesen beiden widerstehen, besonders, wenn sie gemeinsam auf der Bühne singen? Niemand. Jaja 😉

An diesem Abend, der ja ganz unter dem Zeichen Singer-/ Songwirter stand und von allen eigene Songs abverlangte, spielten die beiden Lieder aus dem Repertoire von Klaus „richtiger“, also richtig großer Band, nämlich „Sonnabend“. Da ging es dann um Liebe, Vergebung, den Tod und ganz allgemein um das Leben. Die klare Botschaft: „Keine Panik!! Das wird!“ Schön, den beiden zuzuhören, Klaus, der geniale Musiker mit Gänsehaut-Stimme und sein Kontepart Christian, der die Cajon bearbeitete und sein Publikum durch Schlagfertigkeit und gekonntes Entertainment bei Laune hielt. Zwei Ausnahmemusiker, die zusammen einfach immer überzeugend funktionieren.

Papa von „das alles“

Christian Michael Donat. Er führte durch den Abend und las auch mal die eine oder andere Geschichte vor. Zur Freude des Publikums.
Christian Michael Donat. Er führte durch den Abend und las auch mal die eine oder andere Geschichte vor. Zur Freude des Publikums.

Durch den Abend führte Christian Michael Donat, der ein weiteres Mal bewies, dass er ein genialer Schriftsteller ist und dabei ein schlagfertiger und durchaus psychologisch geschulter „Aus-der-Nase-Zieher“ jeder nur gewünschten Information.

Er ließ niemanden ungeschoren von den kleinen Bühnen auf sein „Stühlchen“ ziehen. Jeder Musiker musste sich von allen Seiten beleuchten lassen und stand ihm Rede und Antwort. Er war der „Papa“ des Abends, der die muntere Musikerschar gut im Griff hatte und sie auf eine Weise beleuchtete, die für das Publikum durchaus aufschlussreich und auch sehr amüsant war.

Mehr davon wäre echt nett

Zwei Bühnen auf der großen Bühne, dahinter der Wald. Perfekt!
Zwei Bühnen auf der großen Bühne, dahinter der Wald. Perfekt.

Resümierend kann man sagen: Das „Picknick im Kulturhaus“ war gelungen, man hat eigentlich nichts vermisst. Halt doch: Das Picknick an sich vielleicht. Während die Musiker auf der Bühne glücklicherweise etwas trinken durften, war dem Publikum dieses leider verwehrt und so schmachtete man im Angesicht von soviel unerreichbarer Flüssigkeit in Form von Cola, Bier und Wasser auf den nahegelegenen Tischen der Musiker tapfer vor sich hin. Was erleidet man nicht alles im Namen der Kunst …

Leider ist das so im Kulturhaus und Ordnung muss sein, aber hart war’s irgendwie schon. Das war aber auch schon der einzige  Kritikpunkt eines rundherum gelungenen Abends. Nächstes Jahr heißt es hoffentlich ein weiteres Mal „Picknick im Park#2“, egal wo. Mit oder ohne Regenschirm. Drinnen oder draußen: Die Sauerländer sind dabei!

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