Inklusion
Dieser leckere Blitzkuchen wurde am Nachmittag beim Bingo verputzt.

Lüdenscheid. Berührungsängste kennen der Regionalverband der Johanniter und der Johannes-Busch-Wohnverbund Lüdenscheid nicht. Das gilt auch für die Mieter des Service-Wohnens an der Philippstraße und die Frauen und Männer aus dem Wohnverbund. Einige von ihnen treffen sich zweimal pro Woche im Café „Lebensart“ an der Philippstraße.

„Wir reden nicht lange über Inklusion. Wir machen einfach“, sagt Petra Kara, Leiterin des Johanniter-Service-Wohnens. Wie sieht das aus? Na, zuerst duftet es köstlich nach frisch gebackenem Kuchen. Johanniter-Mieter und behinderte Menschen aus der Bodelschwinghstraße haben unter Anleitung von Monik Friedrich leckeren Blitzkuchen gebacken. Er soll aufgetischt werden, wenn am Nachmittag die Bingokugeln rollen. Außerdem haben die Frauen und Männer für ein deftiges Mittagessen gesorgt. „Meistens gibt es Eintopf“, sagt Betreuerin Monik Friedrich. „Da können unsere Leute nach Herzenslust bei der Vorbereitung schnippeln.“

Singen die Mundorgel rauf und runter

Die Menschen mit Behinderung gehören im betreuten Wohnen an der Philippstraße inzwischen wie selbstverständlich dazu. Seit Ostern 2015 kommen sie jeden Donnerstag ins Café „Lebensart“, bereiten mit den Mietern Mahlzeiten zu, essen gemeinsam mit ihnen, backen und spielen. Montags treffen sie sich hier zum Singen. „Zur Gitarre die Mundorgel rauf und runter“, sagt Heike Sternemann vom Johannes-Busch-Wohnverbund. „Dann schallt es durch das ganze Haus.“ Der Kreis der Teilnehmer wachse ständig.

Petra Kara: „Keiner spricht von den Behinderten“

Da verschwinden dann mögliche Berührungsängste ganz schnell. In ersten Besprechungen mit den Mietern habe sie zunächst bei einigen Zurückhaltung gespürt. „Bei der Auftaktveranstaltung waren viele dann ganz neugierig. Von Befangenheit war da nichts mehr zu merken“, sagt Petra Kara. „Und: Keiner spricht von den Behinderten.“

Kochen und backen, so strukturieren die Frauen und Männer aus dem Wohnverbund ihren Tag und können dabei auch noch etwas für andere tun. „Diese Nachhaltigkeit ist wichtig“, betont Heike Sternemann. „So erfahren unsere Bewohner auch Anerkennung.“

Alle profitieren von den neuen Kontakten

„Alle profitieren von den neuen Kontakten“, sagt Jutta Beißner, Leiterin Marketing/Kommunikation der Johanniter. So werden Mieter aus der Philippstraße am Sonntag beim Sommerfest zum Auftakt der Kulturwoche „Augenschmaus und Ohrenweide“, auf dem Gelände der Wohnverbundes an der Bodelschwinghstraße dabei sein.

Während Petra Kara und Heike Sternemann davon berichten, dass sie bei ihren Vorgesetzten mit dem neuen Projekt zur Inklusion „offene Türen“ eingerannt haben, hat das Küchenteam eine kleine Pause eingelegt. Der Blitzkuchen ist fertig. Jetzt ist die Tageszeitung dran. Gemeinsam wird geblättert und gelesen. Keine Ausgrenzung, sondern Zugehörigkeit. Das ist gelebte Inklusion – so ganz nach Art des Cafés „Lebensart“.

„Lebenswert Wohnen“ ist ein Projekt der Johanniter in Kooperation mit den Lüdenscheider Wohnstätten. Zu den 40 Service-Wohnungen kommen drei Demenz-Wohngruppen. „Lebenswert Wohnen“ vereint viele Aktivitäten wie z. B. Feiern und Gemeinschaftsveranstaltungen in der Cafeteria des Hauses, der Besuch kultureller Veranstaltungen, gemeinsame begleitete Reisen und Unternehmungen unter einem Dach. Mehr unter http://www.johanniter.de/nc/einrichtungen/wohnkonzepte/lebenswert-wohnen-in-luedenscheid-phillippstrasse/

Johannes-Busch-Wohnverbund: Menschen mit Behinderung, die Sicherheit und Begleitung rund um die Uhr benötigen, finden in den Einrichtungen des Wohnverbundes ein Zuhause. Sie leben in einem eigenen Zimmer und können ihr Leben so selbstbestimmt wie möglich gestalten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind rund um die Uhr vor Ort. Sie schaffen Geborgenheit und gehen auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner ein. Träger ist das Evangelische Johanneswerk. Es unterhält in NRW acht solche Wohnverbunde. Mehr: http://johanneswerk.de/

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