Lüdenscheid. „Auf der Suche nach mehr Friedfertigkeit und Verständnis“ – so überschreiben der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband, das Erzbistum Paderborn, die Bistümer Münster und Essen sowie die Evangelische Landeskirche von Westfalen und die Lippische Landeskirche ihre gemeinsame Erklärung zum Erntedankfest 2015 am 4. Oktober.

Der Dank der Menschen für die Ernte eines Jahres habe eine lange und gute Tradition, heißt es in dieser Erklärung. Auch in diesem Jahr werde wieder Erntedank gefeiert in der Erkenntnis, dass das, was auf den Feldern gereift und in den Ställen gewachsen ist, genug sein werde. „Die Ernte in Westfalen-Lippe war keine Rekordernte, aber insgesamt war sie gut.“

Flüchtlinge stellen Staat und Gesellschaft auf die Probe

Weiter heißt es: „Vor diesem Hintergrund könnten unsere heimischen Bauernfamilien wie auch unsere Gesellschaft zufrieden und mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Doch das Gegenteil ist der Fall. Während wir in Westfalen-Lippe unser normales Erntedankfest feiern, erinnern uns die Medien tagtäglich daran, wie privilegiert wir leben dürfen. Auf der Flucht vor Terror, Tod und Elend strömen die Verzweifelten aus vielen Staaten auch zu uns. Unser Staat, unsere Gesellschaft und jeder Einzelne von uns werden auf die Probe gestellt.

Wie können wir helfen? Und wie viel sind wir bereit zu teilen in einem Land, wo gute und sichere Ernten der Normalfall sind? Erwächst aus dem verstehen der Not auch das Verständnis für die vielen Menschen, die sich bei uns vor allem das tägliche Brot und eine Zukunft in Frieden erhoffen? Der Zustrom von Flüchtlingen wird uns auf Jahre beschäftigen und unsere Gesellschaft verändern. Wir bemühen uns, die Menschen willkommen zu heißen und wollen die damit verbundenen Herausforderungen meistern.

Viele halten preiswerte Lebensmittel für normal

Die Debatte um die Ausrichtung der Landwirtschaft werde als wenig friedfertig erlebt. Viele Bauern feierten Erntedank, aber nur wenig spürten den Dank für die Arbeit in einer Gesellschaft, in der preiswerte Lebensmittel für normal gehalten würden, heißt es in der Erklärung weiter. Vorschnelle Kritik an der Landwirtschaft sei zur Mode geworden. Die Landwirtschaft müsse sich stärker als bisher den berechtigten Fragen aus der Gesellschaft stellen. Was verstehen wir unter einer tiergerechten Nutztierhaltung? Was ist eine umweltverträgliche Landwirtschaft? „Es bedarf des ehrlichen Ringens um Wege zu einer Landwirtschaft, die von der großen Mehrheit der Menschen getragen wird“, wird in der Erklärung betont.

Verunsicherung auf den Bauernhöfen

Viele Bauernfamilien seien stark verunsichert. Niedrige Erlöse und steigende Kosten dämpften die Stimmung auf den Höfen. Vor allem belaste sie ein gesellschaftliches Klima, das die Landwirtschaft mit Unverständnis und vielfachen Ansprüchen konfrontiere. „Wir sehen eine wachsende Bereitschaft vieler Bauern, sich für neue Debatten zu öffnen, um das Wünschenswerte mit dem ökonomisch Machbaren neu in Übereinklang zu beringen.“

Wunsch nach neuer Debattenkultur

Die Landwirtschaft und die kirchlichen Organisationen wünschen sich eine neue Kultur in der laufenden Debatte. Sie solle vom gegenseitigen Willen beseelt sein, zu einem guten Ergebnis für die Landwirtschaft und die Schöpfung zu kommen.

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