Oberbürgermeister Erik O. Schulz (2.v.l.) stellte gemeinsam mit (v.l.) Andreas Korthals, Dr. Ralf Blank und Dietmar Freiesleben vom Fachbereich Kultur die Pläne für den Stadtarchiv-Umzug vor. Foto: Clara Berwe

Hagen. „Stadtarchive sind oft unentdeckte Perlen, die in der Öffentlichkeit nicht die verdiente Beachtung finden. Dabei ist das Stadtarchiv Hagen eines der größten Kommunalarchive und mit 1,5 Millionen Fotos, 15.000 Geschichtsbänden und einem Fundus von 200 Jahren Pressegeschichte das Gedächtnis unserer Stadt“, betonte Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz, als er am Mittwoch, 26. April, gemeinsam mit Vertretern des Fachbereichs Kultur die Pläne für den Umzug des Hagener Stadtarchivs vorstellte. Am 3. Juli schließt dieses am bisherigen Standort in der Wippermann-Passage seine Pforten, um dann bereits im November am neuen Standort in Eilpe wieder zu eröffnen.

Von wegen verstaubt und langweilig

Archive gelten gemeinhin als verstaubte und langweilige Orte. Das Hagener Stadtarchiv konnte dieses Vorurteil in den vergangenen 20 Jahren an seinem Standort in der Wippermann Passage im Stadtteil Eilpe zumindest an der Volme zu den Akten legen. Heute präsentiert es sich als modernes Archiv, das Jahr für Jahr zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer nach Hagen lockt. Archivpädagogische  Programme gehören ebenso zum Service des Archivs, wie auch die Nutzung elektronischer Medien und Verfahren zur Erschließung der aneinandergereiht viele Kilometer langen Akten- und Sammlungsbestände. Das Hagener Archiv ist das Gedächtnis der Stadt und ihrer Region.

1,5 Millionen Fotos

Mit Erreichen des Status einer Großstadt im Jahre 1928 wurde das Stadtarchiv als eigenes Amt eingerichtet; zum ersten Leiter wurde der Historiker Prof. Dr. Friedrich Schemann bestellt. Doch bereits zur Stadtgründung 1746 besaß Hagen ein Archiv, das dem Bürgermeister zugeordnet war und wichtige Unterlagen aufbewahrte.
Das als zentrale Einrichtung der jungen Großstadt Hagen angelegte Stadtarchiv übernahm 1929 auch die Bestände der damals eingemeindeten Stadt Haspe sowie von umliegenden
Amtsbezirken und Gemeinden, etwa des Amts Enneper Straße sowie der Gemeinden Vorhalle und Boele.

Von Zerstörungen weitgehend verschont

Anders als in anderen Großstadtarchiven blieb das Hagener Stadtarchiv während des Zweiten Weltkriegs von Zerstörungen und Verlusten weitgehend verschont. Allerdings verbrannten beim ersten schweren Luftangriff auf die Stadt in der Nacht des 1. Oktober 1943 in den Amtsstuben und Ämtern tausende Akten der Stadtverwaltung. Dadurch ging dem Stadtarchiv ein Teil
der Überlieferung zur nationalsozialistischen Zeit 1933-1943 verloren.

Eines der größten Archive in NRW

Heute zählt das Hagener Stadtarchiv mit seinen umfangreichen Beständen zu den größten Kommunalarchiven in Nordrhein-Westfalen. Allein das Bildarchiv enthält rund 1,5 Millionen Fotografien, die bis in die Anfangszeit der Fotografie zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Mit über 15.000 Bänden enthält die Präsenzbibliothek stadt- und regionalgeschichtliche Literatur sowie Veröffentlichungen der Kommunal- und Staatsverwaltung aus zwei Jahrhunderten. Doch nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Bestände verschaffte dem Hagener Stadtarchiv einen auch überregional guten Ruf.

200 Jahre Pressegeschichte

Ein wichtiger zugehöriger Bestand des Stadtarchivs ist das Osthaus-Archiv, das Wirken und Leben des berühmten Hagener Mäzens enthält. Die Zeitungssammlung enthält über 200 Jahre
Pressegeschichte in Hagen. Die Bestände des Erbgesundheitsgerichts und zum Einsatz von Zwangsarbeitern führen in besonders dunkle Kapitel der NS-Zeit.
Für das Hagener Stadtarchiv bedeutet das Jahr 2017 eine deutliche Zäsur. 1998 war es als Teil des HistorischenCentrums aus Stadtmuseum und Stadtarchiv aus der Innenstadt in die Wippermann Passage nach Eilpe verlagert worden. Die Stadt hatte für die beiden Einrichtungen in der im Privatbesitz befindlichen Immobilie entsprechende Räumlichkeiten angemietet. Nach der
Schließung des Stadtmuseum im November 2015 verlor das Stadtarchiv einen Teil seiner gemeinsam mit dem Museum genutzten Infrastruktur. Doch schon vorher machte die Unterbringung der Bestände in den Depoträumen vermehrt Probleme. Das Archiv platzte gewissermaßen aus allen Nähten, da in den vergangenen Jahren umfangreiche Bestände und Sammlungen der Stadtverwaltung übernommen werden mussten.

Vier Etagen bieten Platz

Archivleitung und die Leitung des Fachbereichs Kultur sowie die städtische Immobilienwirtschaft und Finanzverwaltung suchten angemessene und geeignete Räumlichkeiten für das Stadtarchiv.
Der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) meldete freie Kapazitäten in dem turmartigen Gebäude an der Eilper Straße. Eine sorgfältige Überprüfung und Begehung der Räumlichkeiten ergab schließlich, dass dieses Gebäude gut geeignet ist.

Repräsentativer Bau

Zwischen der Stadt und ihrer Tochtergesellschaft herrschte schnell Einigkeit, zumal die Verlagerung des Stadtarchivs einen spürbaren Spareffekt erbringt. Das Stadtarchiv erhält vier Etagen in dem turmartigen Gebäude, das gegen Mitte der fünfziger Jahre unter anderem zur Unterbringung des Archivs der Elektromark errichtet wurde. Der repräsentative Bau wird somit zu einem „Archivturm“.

Visitenkarte für Hagen

Während drei Etagen als Depot dienen, wird eine Etage zur Unterbringung der Büros, Serviceräume und des multifunktionalen Benutzersaals genutzt. Mit an Bord sind auch der Hagener Heimatbund und der Hagener Geschichtsverein, die ebenfalls die Räumlichkeiten und Infrastruktur nutzen können. Von den Fenstern des Benutzersaals haben die Archivbesucher einen herrlichen Blick über die Stadt, so dass hier eine echte Visitenkarte für Hagen entsteht.

Fotos wandern in die Kühlkammer

Auch die Unterbringung der wertvollen Bestände richtet sich nach modernen Standards für Archive. So kommen neu eintreffende Archivalien erst einmal zur Untersuchung in einen eigenen Raum, um eine Kontaminierung der Depots zu verhindern. Die kostbaren Negative und Glasplatten des Fotobestands werden in einer Kühlkammer untergebracht.
Eine zentrale Aufgabe der Archive werden zukünftig die Digitalisierung der Bestände sowie die „papierlose Verwaltung“ sein. Auch hier bietet der neue Standort des Stadtarchivs optimale Bedingungen. Die Nachbarn der Archivare sind demnächst die Informatiker des HABIT, die sich mit dem Rechenzentrum und ihrer Kompetenz ebenfalls auf dem Gelände der WBH eingerichtet haben.

Digitalierung mit kompetenten Nachbarn

Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Ab dem 3. Juli 2017 wird das Stadtarchiv am bisherigen Standort in der Wippermann Passage geschlossen. Im Oktober erfolgt der Umzug, bereits im November 2017 sollen Benutzer die Bestände des Stadtarchivs am neuen Standort wieder einsehen können. Zumindest für die nächsten dreißig Jahre wird sich wahrscheinlich nichts daran verändern, denn über diesen Zeitraum läuft der Vertrag zwischen der Stadt und dem WBH.

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