Heinz Friednizki, Lars Martin und Felice Bucci luden zum Pressegespräch in Lüdenscheid ein. Foto: Parnemann

Lüdenscheid / Märkischer Kreis. Die Gastronomie im Märkischen Kreis und auch in Lüdenscheid ist im Grunde zufrieden. Knapp 8 % mehr Übernachtungen verzeichneten die Hotels im Kreis 2016. Doch beim Pressegespräch informierte der Deutsche Hotel und Gaststättenverband (DEHOGA) auch über massive Herausforderungen denen die heimischen Gastronomen gegenüberstehen.



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Mehr Übernachtungen im MK

Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Westfalen e. V., verkündete beim Pressegespräch in Lüdenscheid stolz einen Zuwachs von rund 8 % bei den Übernachtungen in den Hotels im Märkischen Kreis. Das zeigte eine Auswertung des Jahres 2016. Das Plus an Übernachtungen führen die Mitglieder des DEHOGA auch auf die verstärkten Werbemaßnahmen durch den Sauerland Tourismus und den Märkischen Tourismusverband zurück.

Wanderer und Messebesucher

Garde Wanderer und Messebesucher, etwa aus Dortmund, wissen die zentrale Lage des Märkischen Kreises offenbar zu schätzen. Fährt man von Lüdenscheid doch jeweils nur knapp eine Stunde ins Ruhrgebiet oder ins tiefe Sauerland. Grade zur Messezeit in sind die Hotels unter anderem in Lüdenscheid gefragt. Das hängt auch mit den teilweise enormen Preiserhöhungen der Zimmerpreise in den Messestädten zusammen.

Herausforderungen müssen gemeistert werden

Doch bei aller Freude über gute Entwicklungen schlugen Lars Martin, Felice Bucci und Heinz Friednizki auch nachdenkliche Töne an. Denn die heimische Gastronomie hat auch mit massiven Herausforderungen zu kämpfen. Neben der geplanten Einführung der Hygieneampel, dem Fachkräftemangel und Arbeitszeitgesetzen machen den Betreibern von Hotels, Restaurants und Co. auch das geänderte Ausgehverhalten der Menschen zu schaffen.

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Lars Martin, Felice Bucci und Heinz Friednizki vom DEHOGA Westfalen geben den Pressevertretern einen Einblick in die Herausforderungen des Gastgewerbes.

Hygieneampel

Grün, Geld und Rot. Das sind die Farben der Hygieneampel, die in Zukunft schon am Eingang anzeigen soll, was den Gast hinter der Tür erwartet. Sie soll zeigen, wie das betroffene Restaurant bei der letzten Kontrolle in Bezug auf Sauberkeit und Co. abgeschnitten hat. Soweit der Plan. „Wir wollen die Schwarzen Schafe der Branche definitiv nicht in Schutz nehmen“, versichert Lars Martin. Aber dennoch sieht der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Westfalen die Hygieneampel kritisch.

Denn es gibt nahezu keine allgemeinen Standards für die Vergabe der jeweilige Ampelfarbe. Das führt dazu, dass quasi jeder Kontrolleur einen eigenen Standard hat, was zu verschiedenen Quaitätslevel führt und ein Gastronomiebetrieb, der bei einem Kontrolleur eine grüne Plakette bekommt, könnte bei einem Kollegen schon eine Gelbe bekommen.

Wie massiv die Auswirkungen einer solchen quasi willkürlichen Vergabe sein können, macht Martin ebenfalls deutlich: „Wer würde schon gerne in einem Restaurant mit einer gelben oder roten Plakette am Eingang essen gehen?“ Demnach ist eine solche Ampel am Eingang beinahe ein Todesurteil für den betroffenen Betrieb. Darum fordert der Verband für die Einführung auch eine einheitlich geregelte Vergabe der jeweiligen Farben, die aufgrund der Unterschiedlichen Betriebe aber ebenfalls kaum praktikabel ist.

Fachkräftemangel

Zu den Herausforderungen für die heimische Gastronomie gehört auch der Fachkräftemangel, der den Betrieben schon heute zu schaffen macht. Denn die Arbeit in der Gastronomie ist beim Nachwuchs nicht allzu hoch im Kurs. Zu Unrecht finden die Experten. Denn neben Aufstiegschancen bietet die Gastronomie auch viele Möglichkeiten sich fortzubilden und eine gewisse Zukunftssicherheit. „Gelernte Hotel- und Restaurantfachkräfte aus Deutschland sind in den Top-Betrieben auf der ganzen Welt sehr gefragt. Möglichkeiten, die kaum eine andere Branche bietet.

Die Herausforderung für Betriebe und DEHOGA liegen nun darin, diese Vorteile klar zu kommunizieren und Werbung für den Arbeitgeber Gastgewerbe zu machen. Dafür nutzen Lars Martin und seine Kollegen verstärkt auch die Ausbildungsmessen der Region und treten dort in Kontakt mit jungen Leuten.

Praxisferne Gesetze machen Gastgewerbe kompliziert

Sind neue Mitarbeiter erst einmal gefunden, gibt es gleich neue Hürden, die Gastronomen heute meistern müssen. Teilweise handelt es sich dabei um praxisferne Gesetze, die dem Gastgewerbe auferlegt werden und die dafür sorgen, dass der Arbeitsalltag unnötig kompliziert wird.

Hierzu gehört unter anderem die Pflicht zur Kennzeichnung und Auflistung von Allergenen in Gerichten. „Trotz Kennzeichnung und einer eigenen Allergie-Karte gibt es bis heute keinen Gast, der uns nach dieser Übersicht gefragt hat. Vielmehr weisen die betroffenen Gäste direkt bei der Bestellung auf mögliche Allergien hin und das Personal nimmt diese Hinweise auf. In der Küche werden Gerichte dann entsprechend geändert. Ganz unkompliziert und seit Jahren erprobt“, erklärt Felice Bucci, der seit über 40 Jahren in der Gastronomie tätig ist.

Ausgehverhalten

Auch wenn sich die Hotellerie in der Region über Zuwächse bei den Übernachtungen freut, hat ein Gastronomiezweig massiv zu kämpfen. Und zwar die kleine Kneipe an der Ecke. Denn sie spürt das geänderte Ausgehverhalten der Menschen massiv. Dies führt dazu, dass die Zahl der einfachen Kneipen in der Region massiv zurück gegangen ist. „Früher wurde beim Stammtisch in der Kneipe an der Ecke über alles möglich gesprochen, was in der Stadt passiert. Das geschieht heute überwiegend in den Sozialen Netzwerken“, erläutert Lars Martin. Das Verhalten der Gäste hat sich also massiv verändert und stellt Kneipen und Gaststätten vor große Herausforderungen.

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TACH! Herausgeber und Inhaber der Social Media und Digital-Agentur PARNEMANN MEDIA in Lüdenscheid. 30 Jahre alt und Visionär der Vision Lüdenscheid2020.

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